momag 374 | SEPTEMBER 2019

Eine Gelegenheit, die beim Schopf gepackt werden will: in nur 15 Minuten lässt sich mit dem Stadtvermittlungsprogramm kostenlos Wiener Neustadt erkunden. Führungen täglich um 12 und 15.30h ab Kasematten und Museum St.Peter an der Sperr. Eigentlich ist ein Tag viel zu wenig. Es bietet sich an, für einen Kurzurlaub in der Region zu bleiben. £ Rund um die Landesausstellung Die Welt: ein mobile, info | wieneralpen.at/landesausstellung2019 lern, das unterirdisch als einer der beiden Standorte für die Ausstellung zugäng- lich ist. Das Wort Kasematte stammt übrigens aus dem Französischen und wird in der deutschen Sprache im militärischen Kontext ver- wendet: Es bezeichnet einen durch starkes Mauerwerk beziehungsweise Aufschüt- tung von Erde gegen feind- lichen Beschuss gesicherten Raum oder ein Gewölbe, so der Duden. Aus der Etymologie wie- der zurück in die NÖ Landes- ausstellung: multimediale D ie Geschichte der Mo- bilität – erzählt anhand von Wiener Neustadt und den Beziehungen zur Regi- on sowie auch zur ganzen Welt – erwartet wissbegie- rige Besucherinnen und Be- sucher in den sogenannten Kasematten: einst Stadtbe- festigung und Wehranlage, heute ein Unikat unter den Architekturdenkmä- »Es war tatsächlich ein Wiener Neustädter, der das VW-Logo entwarf.« von michie könig fotos: klaus pichler  ausstellung mannsichten Weltgipfeltreffen am Rande des Mostviertels artis franz jansky-winkel | Loosdorf artis@momag.at I m heurigen Sommer ereignete sich eine spontane globale Zusammen- kunft, von der die Weltmedien keine Notiz nahmen. Ausgangspunkt war unser Hochzeitstag. Ich wollte mei- ner Frau die Gobelwarte nahe Grein zeigen, die mir Miguel Horn, ein in Chile geborener Mostviertler Künstler präsentiert hat. Seine Skulptur steht gleich daneben. Meiner holländischen Frau gefiel der Rundumblick vom Turm. Hollän- derinnen haben zuhause wenig Chan- cen auf erhöhte Aussichtspunkte. Was uns weniger gefiel, waren die vielen Wespen auf der Warte. Eine davon stach mich in die linke Hand. Mich, den Wespenflüsterer! Wir waren mit unserem Wohnmobil unterwegs und hatten Genießbares für ein Picknick dabei. Längere Zeit blieben wir allein, dann kamen wei- tere Besucher. Eine Gruppe davon er- regte mein Anglophil-Interesse und ich fragte den Chauffeur des Klein- busses nach dem Wohnort der eng- lischsprechenden Personen. „London“ erfuhr ich und gleich mehr darüber. Sein Sohn hatte eine junge Frau aus der Brexit-Metropole geheiratet und die neue Verwandtschaft war zu Be- such. Die Brauteltern stammten aus Afrika und Indien, seine eigene Frau war Doppelskandinavierin – mit El- tern aus Norwegen und Schweden. Wir hatten eine sehr fröhliche Unter- haltung, die lange nachwirkte. Was wäre, dachte ich, wenn man einan- der überall auf der Welt so begegnen könnte; mit viel Lachen und Interesse aneinander? Imagine there’s no coun- tries, it’s easy if you try... Nachdem unser nettes Gipfeltref- fen beendet war, bestiegen wir noch- mals die Gobelwarte. Die Anzahl der Wespen hatte sich minimiert und wir konnten die Aussicht auf Most- und Mühlviertel relativ ungestört genießen. Eine schaurige Entdeckung machte ich dennoch: Die Wespen hatten es auf Ameisen abgesehen, die sie inner- halb von Sekunden auffraßen. Beim Beobachten dieser Gemetzel kamen mir wieder Menschen in den Sinn, in Gestalt von Völkern, Nationen, Wäh- lern. Gemetzel sind im Humanreich nicht unbekannt, ergebnislose Gip- feltreffen auch nicht. £ momag 374 | september 2019 66 | mostviertel magazin

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