momag 379 | MÄRZ 2020

Burnout. Ursachen und Konsequenzen des allseits bekannten emotionalen, geistigen und körperlichen Erschöpfungszustands Arbeit, können mehrere Be- dürfnisebenen befriedigen und können deshalb eine besondere Bedeutung für Glück und Zufriedenheit der Menschen haben. Zugleich meinen viele, dass sie durch Steigerung von Anforderun- gen alles erreichen können, überfordern sich, mobilisie- ren alle Reserven und Kräf- te und erleiden dann einen Gesamt-Zusammenbruch, weil sie alles eingesetzt ha- ben und vergleichsweise nichts erreicht haben. Ein Neu-Aufbau nach einem sol- chen Absturz ist schwierig. Über-Engagement Burnout ist uns vor allem aus dem Arbeitsprozess be- kannt, weil in den modernen Gesellschaften die Arbeits- welt für manche eine zentra- le Rolle der Selbstverwirkli- chung und auch der Befrie- digung anderer Bedürfnisse darstellt. Aus unterschiedlichen Gründen versuchen manche, den Arbeitsprozess anders zu gestalten, mehr Profit zu er- zielen oder einen bestimm- ten Sinn mit ihrer Tätigkeit zu verbinden und engagie- ren sich dementsprechend mehr. Eventuell versuchen sie, ihre Ziele auch noch auf alternativen Wegen zu errei- chen, weil sie „für ihre Ziele brennen“. Letztlich resignie- ren manche oder brennen aus, weil sie sich eingeste- hen müssen, dass ihre Ziele – auf den versuchten Wegen – nicht erreichbar sind. Meist haben die übermäßigen An- strengungen und der zu ge- ringe Erfolg die Menschen so geschwächt, dass sie – wo- chenlang – krank sind und sich kaum erholen können. Die Ursachen der Erschöp- fung und die Symptome des Burnout sind – der ständig wachsenden Differenzierung der Gesellschaft entspre- »Diese Erschöpfung trifft jeden Menschen dort, wo diese Person ihre schwache Seite hat.«  gesundheit von klaus zapotoczky chend – sehr unterschied- lich, weil diese Erschöpfung jeden Menschen dort trifft, wo er oder sie eine schwa- che Seite hat, bzw. die ent- sprechenden Abwehrkräf- te fehlen. „Es hat mich am falschen Fuß unerwartet getroffen“ lautet oft die Antwort auf die Frage: Was ist passiert? Oft liegt ein ganzes Bündel von einzelnen Ursachen vor. „Es ist mir alles zu viel ge- worden“, sagen viele und wundern sich zugleich, weil sie „das alles“ lange Zeit – ohne entsprechende Pausen oder Erholungszeiten – aus- gehalten, geschafft haben. Keiner wollte ein Versager sein und hat – trotz allem – durchgehalten. Nun ist der Zusammenbruch da und es herrscht Ratlosigkeit darü- ber, wie die alte Spannkraft, Leistungsfähigkeit und oft auch Lebensfreude wieder erreicht werden kann. Immer wieder können Be- troffene gar nicht sagen, was ihnen wirklich Freude macht oder was für sie erholsam ist. Es überfällt sie eine resigna- tive Tendenz, die sie bisher nicht gekannt haben, nicht selten entsteht eine Sinn- krise. Diese Konsequenzen des Burnout sind den Kon- sequenzen des Bore-out, der übermäßigen Langeweile, sehr ähnlich. Diesen beiden Fehlhaltungen sollte jeder Mensch lange bevor die- se Gefahren auftreten da- durch entgegenwirken, dass tragende Ziele des Lebens entwickelt werden, die auch dann ihren Sinn behalten, wenn anderes zusammen- bricht. Ist der Zusammen- bruch tatsächlich eingetre- ten, muss am Neu-Aufbau der Gesamtpersönlichkeit mit dem Betroffenen behut- sam gearbeitet werden, um Lebenssinn und Eigenstän- digkeit wieder aufzubauen. Achtsame Geduld und wohl- wollende Zuwendung kön- nen hier viel erreichen. £ GRUND-/EXISTENZBEDÜRFNISSE Schlafen, Essen, Trinken, Wohnen SICHERHEITSBEDÜRFNISSE materielle, berufliche wie finanzielle Sicherheit SOZIALE BEDÜRFNISSE Liebe, Freundschaft, Gruppenzugehörigkeit INDIVIDUAL- BEDÜRFNISSE Erfolg, Anerkennung, Status SELBST- VERWIRKLICHUNG  Bedürfnis-Pyramide nach Abraham Maslow (amerik. Psychologe, 1908–1970) ZUR PERSON Klaus Zapotoczky wurde 1938 in Linz/Kleinmünchen geboren und absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften und Mathematik. Im Anschluss an seine Promotion 1961 war er Richteramtsan­ wärter in Wien. Von 1961 bis 1964 absolvierte er ein Studium der Sozialwissenschaften in Belgien. Seit 1964 ist er Lizenziat der Sozialwissenschaften. 1966 bis 1976 Assistent an der Hochschule Linz sowie an der Universität Wien im Fach Soziologie; Habilitation 1974. Von 1976 bis 2006 war er an der Kepler Universität Linz tätig. Zu seinem Lebenswerk zählen über 60 Bücher und mehr als 200 publizierte Fachbeiträge. Seit 1972 ist er mit Elisabeth Zapotoczky- Sonnen verheiratet. Die beiden haben vier Kinder. gerhard hofmarcher momag 379 | märz 2020 mostviertel magazin | 57

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzY=