momag 379 | MÄRZ 2020

An Film drahn Mostviertler Band Palm Be- ach Drive – nämlich Maximi- lian von Landsknecht (Dani- el Schiefer), Erwin Estragon (Martin Kirschbichler) sowie Conrad Carbonara, der mit bürgerlichem Namen Mario Leitner heißt und außerdem als Aschbacher Malermeister sowie durch seine weitere Band Neversage bekannt ist. Ebenfalls erwähnenswert erscheint die Tatsache, dass kein Geringerer als Josef Hader nicht nur schauspie- lerisch, sondern auch als eine Art Mentor bei diesem Projekt dabei war und die jungen Künstler mit seinem Feedback in ihrer Entwick- lung bereicherte. Und falls es euch auch so geht wie mir: „Indie“ bedeutet „Inde- pendent“, also unabhängig. Mit dem Kino liebäugeln die jungen Nöchlinger ja nicht D a gibt’s einiges, worüber sich ausgiebig plaudern lässt, und zu diesem Zweck trafen wir einander an einem Abend Mitte Februar am ge- mütlichen Kachelofen beim Bachlerwirt in Kematen an der Ybbs. Wir, das waren au- ßer mir selbst: Koatsch (Karl Leopold Furtlehner, Schau- spieler und Mastermind von heimARTfilm und Warnblin- kerfilm), Max (Markus Scha- denhofer, Schauspieler und freundschaftlicher Mitgestal- ter), drei Mitglieder der Film- und Serienmusik rockenden »Ich finde es schön, dass es Künstler aus der Region sind, und dass man sich so gegenseitig supporten kann.« termine | Reservierung unter www.heimARTfilm.at 4./5./7./8.4. : Nöchling, Volksschule 17./18./23./26.4. : Hofamt Priel, Gasthof Nagl 16./19./24./25.4. : Waldhausen, Schlüsselwirt Hader Facebook: @halbmaennerwelt.derfilm @PalmBeachDrive, @Neversage, @kramurimusik Markus Schadenhofer in „Halbmännerwelt“.  fotos: heimartfilm kulturnotiz Die fröhliche Apokalypse G lobalisierung, Digitalisierung, Kli- makrise und jetzt auch das noch. Menschen wie ich, glaubens- und bi- belfeste, greifen zur Heiligen Schrift, blättern bis zur Offenbarung des Jo- hannes und suchen die Stelle auf mit dem fahlen Pferd, auf dem der Tod reitend eine symptomatische Spur hinter sich her zieht (Offb 6,8). Man mag einwenden, das sei nicht gar so wörtlich zu nehmen. Auch nicht das mit jenen einhundertvierundvierzig- tausend vom Engel extra Signierten. Das nicht, aber das kabbalistische Zahlenspiel ist einfach verlockend. Rechnen Sie mit: zwölf mal zwölf, die Zahl des Gottesvolkes, multipliziert mit 1.000, der Zahl der Fülle, ergibt 144.000, dividiert durch 666, die sa- tanische Zahl, das Quadrat der ersten sieben Primzahlen. Was erhalten wir? 216,216216 ... periodisch. 216 ist sechs mal sechs mal sechs. Das ist zugege- ben nach streng wissenschaftlichen Kriterien noch keine Beweisführung. Für die vom fahlen Pferd und seinem Reiter Verschonten, weil vom Engel Gekennzeichneten, aber tröstlich. Womit wir bereits beim Trost durch die schönste aller Künste sind, die Li- teratur. Bevor wir Camus’ „Die Pest“ – ein Drama in fünf Akten in Prosa, eine Philosophie des Absurden – zur Hand nehmen, lesen wir noch schnell Boccaccios Novellensammlung „De- camerone“. Das bildet einen netten Rahmen. Zehn Personen fliehen vor der Pest und erzählen sich in Qua- rantäne außerhalb der Stadt Ge- schichten. (Für die Jüngeren: Das ist die Unterhaltungsform eurer Ahnen, vor Whatsapp). Historikerinnen und Historiker werden vielleicht lieber zum apokalyptischen Szenario des Ersten Weltkriegs, „Die letzten Tage der Menschheit“, greifen oder gleich zu Spenglers „Der Untergang des Abendlandes“. Für uns aufgeklärte Ökos empfiehlt sich Ransmayrs „Die letzte Welt“. Das Zitat in der Überschrift muss ich noch erklären: Es stammt von Hermann Broch, den ich hiermit empfehle; und steht in einer Reihe mit Karl Kraus’ „Versuchsstation des Weltuntergangs“. Die österreichische Form des Untergehens, Apokalypse mit Schlagobers. O du lieber Augustin! £ gerhard hintringer | St.Pölten gerhard@momag.at momag 379 | märz 2020 58 | mostviertel magazin

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