momag 381 | MAI 2020

aus dem Erlauftal kommen.“ Altes Handwerk verpflichtet sozusagen zu Nachhaltigkeit und Wertschöpfung aus der eigenen Region? „Ja, alle Mit- arbeiter sind aus der Region und werden nicht durch Ma- schinen ersetzt. Es werden keine Produktionsschritte zu spezialisierten Firmen in das In- oder Ausland verla- gert. So können wir die Nach- haltigkeit unserer Produkte sicherstellen. Gemeinsam mit unserem traditionellen Handwerk zeigen wir diese Nachhaltigkeit auch in un- serem Schaubereich her“, so der Käser Robert Bugl im Gespräch mit dem momag. Und was hat nun Käse ei- gentlich mit Wölfen zu tun? „Als wir die Käsewölfe grün- deten, war gerade überall in den Medien, dass die Wölfe nach Österreich zurückkeh- ren. Weil wir die Käsekultur wieder nach Wolfpassing zurückbringen, gefiel uns dieser Vergleich ganz gut. Der Wolf ist in Wolfpassing schließlich sogar auf dem Gemeindewappen zu sehen.“ Regionalität damals und heute ImMostviertel wird schon seit jeher Schaf- und Ziegenkäse produziert. In Kürnberg – ge- prägt von Grünlandbetrieben zur Milchproduktion – grün- dete Franz Schnetzinger vor 30 Jahren die Vermarktungs- D ie beiden Jungunter- nehmer Robert Bugl und Georg Wagner gründeten im Jahr 2018 die „Erlauftaler Kä- sewölfe“ – eine Käserei, die sich der Regionalität ver- schrieben hat: „Wir verar- beiten ausschließlich Bio- milch aus dem Mostviertel, unsere Energie beziehen wir von der Fernwärmegenos- senschaft Steinakirchen, wo die Hackschnitzel gänzlich ...bei Franz Schnetzinger , Geschäftsführer des „kasKistl“ Nachgefragt... Konsumentinnen und Konsu- menten wünschen sich zurecht Käse, der keinen unangenehmen Beigeschmack hat. Mit den heutigen Hygiene- bedingungen ist ein Käse, der „goaßlt“, eigent- lich nicht mehr möglich. Bei kasKistl gibt es eine große Auswahl, die diesen hohen Ansprüchen ge- recht wird. Unser Ziel ist jedenfalls, dass sowohl unsere Schaf- als auch unsere Ziegenkäse einen feinen Geschmack haben. £ Guter Käse ist ...? christoph zachl von alisa gerstl  genuss fotos: schnetzinger | kaskistl »Fairness ist in allen Bereichen der Wertschöpfungskette wichtig.« editorial Neue Normalität michie könig | Ulmerfeld Chefredakteurin, michie@momag.at I ch bin gespannt darauf, mit wel- chem Gefühl wir später auf diesen Frühling zurückblicken werden. Jene Jahreszeit, in der immer alles aufzu- blühen begann, neuer Mut in uns sprießen konnte nach den kaltnas- sen Wintertagen, es uns nach drau- ßen zog, Lebensfreude pur! Immer! Bloß in diesem Jahr nicht. Denn es kam Corona. Es kam, obwohl es immer schon da war, und brachte ein nie dage- wesenes Chaos über uns. Nicht nur übers Mostviertel, nein. Auch nicht nur über Österreich oder Europa. Es brachte Chaos über die ganze Welt. Und ja, es wird wohl bleiben. Nicht das Chaos, um Himmels Willen, bitte nicht. Aber das Virus. Zugegeben, ich bin nicht sonderlich gut im Interpre- tieren wissenschaftlicher Daten. Ich bin bestimmt die letzte Person, die das Leben irgendeines Wesens ge- ringschätzig kommentieren möchte. Trotzdem frage ich mich – und ja, ich gebe das auch offen zu, denn mein Recht auf freie Meinungsäußerung lasse ich mir nicht nehmen! – ob all diese restriktiven Maßnahmen nicht anderswo mehr Schaden anrichten, als sie die Risikogruppe schützen. An dieser Stelle drängt es sich mir auch auf, zu äußern, dass ich noch immer niemanden kenne, der an oder auch nur mit Corona verstorben ist. Dass die Atemwegserkrankung an sich kein Spaziergang ist, habe ich einigenGesprächen entnommen. Aber eine schöne Zeit sind Krankheiten eigentlichnie. Trotzdem brauchen wir sie auch erwiesenermaßen, damit un- ser Immunsystem Antikörper bilden kann. Durch den wenigen Kontakt in der vergangenen Zeit wurde dies al- lerdings systematisch eingeschränkt, genauso wie der freie Zugang zu me- dizinischer Versorgung. Denn auch wenn es uns nicht direkt untersagt worden war, so hörte ich dennoch ei- nige Geschichten von Menschen, die als egoistisch und dreist dargestellt wurden, bloß weil sie um medizi- nische Hilfe baten, ohne überhaupt (!) Corona-Symptome aufzuweisen. Oder die trotz Dringlichkeit keine psychische Hilfe bekamen, obwohl von einer Überlastung von Einrich- tungen keine Spur ist. Weil, es ist ja Corona. Wenn das die neue Norma- lität ist, dann geh‘ ich nicht hin. £ momag 381 | mai 2020 2 | mostviertel magazin

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