momag 384 | SEPTEMBER 2020

Teilen hat Mobilität. Rund um die Uhr und rund um die Welt wollen die Menschen auf unterschiedlichste Weise von A nach B; global, international, national, regional und lokal. Mobil zu sein bedeutet Freiheit und ist eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit. Die Fortbewegung von morgen stützt sich dabei zunehmend auf den öffentlichen Verkehr und Sharing-Konzepte. fortbewegen können. Es ist ihmgelungen. Ein spannender Weg der Mobilität liegt also bereits hinter uns, ein nicht minder aufregender erwar- tet uns in Zukunft. Individuell und vernetzt Als Carl Benz 1885 in Mann- heim eine für damalige Zeiten ausgefallene Erfindung vor- führte, reagierten die Men- schen erst einmal skeptisch. Das Fahrzeug hatte drei Rä- der und einen Motor, und die erste Reise – angeblich von Mannheim nach Pforzheim – dauerte den ganzen Tag. Mittlerweile lässt sich die- se Strecke in einer Stunde V on Beginn an war unsere Spezies unterwegs, lange Zeit zu Fuß. Unsere Mobilität hatte ursprünglich vor allem damit zu tun, auf Essenssuche zu gehen. Oder aber wir wa- ren vor etwas oder jeman- dem auf der Flucht. Erst mit der Zeit entwickelte sich der Handel, der uns entweder auf dem Land oder auch zu Was- ser zur immer rascheren Fortbewegung motivierte. Auch Kämpfe und Kriege be- dingten kreative Einfälle im Transportbereich. Mit der Erfindung des Rads began- nen wir, befestigte Straßen zu bauen, und selbst in der Luft wollte sich der Mensch  thema christina fally In der Park&Ride-Anlage beim Bahnhof St.Valentin werden zahlreiche innovative Möglichkeiten zur Optimierung des Mobilitätskonzeptes getestet.  denkprozesse Zwei Schritte vor, einer zurück? hubert niedermayr | Steyr Rechtsanwalt office@hniedermayr.at D er Transport von Menschen und Gütern ist ein Zukunftsthema, sagt man uns. Warensendungen werden schon mit Flugdrohnen transportiert. „Flugtaxis“ auch für Menschen seien nur mehr eine Frage der Zeit. Ist das wirklich so? Kann man tatsächlich damit rechnen, gerade in einer Zeit, in der sich die natürlichen Ressour- cen erschöpfen, Erdölvorkommen schwinden und alle Lebewesen an Umweltgiften leiden? Die technolo- gische Entwicklung schreitet unbe- eindruckt voran, heißt es. Elektro- fahrzeuge und autonomes Fahren gelten als Paradebeispiele. Sicherlich, der elektrische Antrieb ist beeindru- ckend: Fahrgefühl, Beschleunigung und Souveränität sind mit Verbren- nern nicht zu vergleichen. Gleiches gilt für die aktuellen Möglichkeiten des Selbstfahrens: Fahrzeuge ab Stu- fe 2 bis 3 der entsprechenden Skala (0 bis 5) können tatsächlich Auto- bahnstrecken und Kolonnenverkehr völlig selbsttätig und problemlos zurücklegen. Allerdings darf man sich durch die Verheißungen der Technik aus zwei- erlei Gründen nicht blenden lassen: Erstens entwickelt sich die bloße Technik viel schneller als sich unser moralisches Empfinden darauf ein- stellen kann – es ist etwa noch völlig ungeklärt, wie ein selbstfahrendes Auto wählt, wenn es etwa zwischen der Kollision mit einer Gruppe von Schulkindern und einer solchen mit mehreren betagten Personen zu ent- scheiden hat –, zweitens liegt unserem Verständnis noch immer die Idee des grenzenlosen Wachstums zugrunde. Auch wenn die Umwelt und die Ent- wicklungsländer ausgelaugt werden, lautet das Motto: Wir werden schon irgendetwas erfinden, um eine völ- lige Überlastung des Systems doch noch zu verhindern. Ich hoffe, diese Zeit des aufgezwungenen Stillstands wird dazu verwendet, einmal wirklich nachhaltig abzuwägen: Wohin wollen wir – und was sind wir bereit dafür in Kauf zu nehmen? Es wäre nur fair, nicht nur eigensinnig unsere Zielvor- stellungen des ewigen Wachstums zu verfolgen, sondern auch späteren Generationen eine lebenswerte Exi- stenz zu ermöglichen. In diesem Sinne: Werden wir erwachsen! £ fotos: colourbox.com momag 384 | september 2020 32 | mostviertel magazin

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