momag 384 | SEPTEMBER 2020

Irrtum? wenn sie selbst nicht mehr dazu fähig sind? Grundsätz- lich existieren zwei Möglich- keiten. Einerseits die passive Sterbehilfe, bei der eine wei- tere Behandlung unterlassen wird, wodurch die betroffene Person stirbt. Ein mögliches Szenario wäre hier die Been- digung der künstlichen Be- atmung. Die zweite Option ist die aktive Sterbehilfe, bei welcher der Sterbevorgang selbst herbeigeführt wird, etwa durch Verabreichung einer Giftinfusion. Die Ab- grenzung ist im Einzelfall übrigens sehr schwierig. Ak- tive Sterbehilfe ist in Öster- reich generell verboten und wird streng als Tötungsdelikt bestraft. Passive Sterbehilfe wird weitgehend akzeptiert, es herrscht jedoch leider kei- ne Rechtssicherheit. Dies be- deutet, dass das nicht für alle denkbaren Fälle im Vorhinein seriös gesagt werden kann. Gesetze regeln das mensch- liche Zusammenleben, die Moral liegt der eigenen Le- bensführung zu Grunde. Ob Sterbehilfe für jemanden moralisch zulässig sein kann, ist hoch umstritten. Es gibt hier zwei wesentliche Strö- mungen. Auf der einen Sei- te steht die Aussage, dass jede und jeder selbst die Entscheidung trifft, das ei- gene Leben vorzeitig be- enden zu wollen. Wer sonst soll über mich entscheiden können? Auf der anderen Sei- te steht in Großbuchstaben: NIEMALS! Das menschliche Leben ist ein Geschenk und dieses darf man nicht zerstö- ren. Letztere Meinung ent- spricht der österreichischen Tradition. Kommt eine Trendwende? In Deutschland hat das Höchst- gericht kürzlich anders ent- schieden: jede Person darf ausschließlich selbst über das eigene Leben entscheiden. Hier wird es daher in den näch- sten Monaten zu intensiven Diskussionen kommen. Eine Aufweichung in Richtung ak- tive Sterbehilfe ist möglich. Man wird jedoch unbedingt gewährleisten müssen, dass es keine übereilten und unsi- cheren Entscheidungen gibt. Die eigene Meinung der be- troffenen Person ist mittels dokumentierter ärztlicher Befragung und Patienten- verfügung sicherzustellen. Eine umfassende medizi- nische Beratung im Vorfeld ist notwendig. Grundlage muss aber auch weiterhin eine bestmögliche medizinische Versorgung mit palliativer Betreuung ge- rade in Extremsituationen sein. Sterbehilfe darf nie als Ausrede für unzureichende ärztliche Ausstattung die- nen! Nur so kann wirklich ein menschenwürdiges Le- ben – und Sterben – garan- tiert werden. £ Sterbehilfe. Darf es sie geben? Wer darf darüber entscheiden? »Es gibt heute unglaubliche Möglichkeiten zur Lebensverlängerung.« momag 384 | september 2020 lesestoff E in liebevoll aufbereiteter Bildband, ein flammendes Plädoyer für die Arbeits- weisen in einem damals noch entlegenen Alpental. Ein bildgewaltiges Eintauchen in die 40er- und 50er-Jahre von Tux in Tirol. 340 ausgewählte Fotografien von Land- schaften, Menschen und Höfen – dazu ein- dringliche Kurztexte und Zeitzeugeninter- views in Englisch und Deutsch. Berührende Erinnerungen an das Leben in den Bergen wie es einmal war, hochwertig verpackt in einen 25x29 cm großen Festeinband mit bedruckter Papierschleife. £ sonja raab Tux – as it was Erika & Irmtraud Hubatschek ISBN 978-3-900899-36-3 Edition Hubatschek A ngesichts der unzähligen Publikati- onen zur Person Adolf Hitlers glaubt man schon alles über ihn zu wissen. Dem ist keineswegs so! Eingegrenzt auf Kindheit und Jugend, gelingt es Hannes Leidinger und Christian Rapp aufzuzeigen, dass Hitler schon als Volks- und Realschüler in Ober­ österreich sowie später in Wien in einem Klima von radikalem Deutsch-Nationalis- mus und Antisemitismus aufgewachsen ist. Spätere Charaktereigenschaften, wie Füh- rungsanspruch, Mangel an Realitätssinn, Unbeherrschtheit und Selbstüberschätzung sind bereits in der Jugend ausgeprägt. Der lesenswerte Band zeigt Hitlers Jugendjahre vielfach in neuem Licht und dient ideal als Vorbereitung für einen Besuch der Ausstel- lung „Der junge Hitler“ im Museum Nieder­ österreich in St.Pölten (noch bis 24.1.). £ fritz haselsteiner Hitler. Prägende Jahre Hannes Leidinger, Christian Rapp ISBN 978-3-701735-00-6 Residenz Verlag Z u wissen, wo man sich befindet, bezie- hungsweise wo sich das Gegenüber be- findet, kann nicht nur im Berufsleben wich- tig sein. Die Autorin beschreibt anschaulich die verschiedenen Statusarten und deren Auswirkungen. Mit alltäglichen Beispielen in Situationen und teilweise eigenen Erfah- rungswerten wird das Buch sehr vertraut und es kann sehr hilfreich sein, wenn man seinen Status bewusst einsetzen möchte. £ mary glaser Status | Patricia Staniek ISBN 978-3-99060-129-7 Goldegg Verlag O hne Freundinnen ist das Leben nur halb so schön. Und weil sich Freundschaf- ten verschieben und manchmal auflösen, sich immer wieder anders anfühlen, hat sich die Autorin diesem Thema gewidmet – mit vielen persönlichen Geschichten und Erfahrungen, freudvollen und leidvollen. Facettenreich erzählt sie von Rivalität, Selbstaufgabe, Verlust, Begeisterung und Glück. Sehr unterhaltsam, authentisch und freilich auch beglückend. Weil man sieht: Anderen geht es ähnlich. Der schönste Satz im Buch: „Eine große Freundschaft darf sich auch mal klein anfühlen.“ £ waltraud hirner Freundinnen Corinne Luca ISBN 978-3-71090-063-1 Benvento Verlag

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