momag 385 | OKTOBER 2020

Waschen werden Kasta- nien verwendet, und für die Haare nimmt sie Haarseifen. Körperseife und Schmiersei- fe stellt sie selbst her. In ih- rem Gartenparadies findet man Erdäpfel, Sellerie, Gur- ken, Zwiebel, Erbsen, Salat, Mangold und Hafer, Karotten, rote Rüben, Knoblauch, Erd- beeren, Brokkoli, Karfiol und Kohlrabi, Zucchini, Fisolen, Bohnen, Wein und Kräuter. Paprika und Tomaten zieht sie im Gewächshaus, dane- ben kräht ein stolzer Hahn und ich erfahre, dass der Habicht den Hühnern Pro- bleme macht. Hindernisse überwinden Ein Wassertank unter der Erde fängt 4.000 Liter Wasser auf, damit muss gehaushaltet werden. In Trockenperioden kommt es vor, dass die Feu- erwehr den Tank auffüllen muss. Da heißt es, Wasser zu sparen. Luxus ist es für Monika, wenn sie ins So- lebad nach Göstling/Ybbs fahren kann, um Wellness zu machen. „Das genieße ich dann sehr“, erzählt sie schmunzelnd. Neben dem Haus besu- chen wir den selbstgebauten Ziegenstall. Darin befinden sich die beiden Ziegenmäd- chen Sunny und Luna. Luna hat vor fünf Tagen zwei Kitze zur Welt gebracht. Ich darf sie auf den Arm nehmen und die Ziegenmama schaut mir neugierig zu. Sunny lässt sich derweil von Monika bürsten und zutraulich streicheln und kraulen. Was Monika auf ihrem Weg zum eigenständigen und selbstverantwortlichen Landleben an Erfahrungen gesammelt hat, welche Feh- ler sie machte und wieviel Schweiß, Blut, Geld und Ner- ven sie Haus, Grund, Pflanzen und Umbauarbeiten gekostet haben, darüber hat sie ein 390 Seiten dickes Buch ge- schrieben. „Eine Anleitung für Menschen, die von so einem Leben träumen, ist es nicht“, sagt sie, „aber vielleicht hilft es so manchem, nicht diesel- ben Fehler zu machen, die ich gemacht habe“. Zum Beispiel, dass man als alleinstehende Frau gerne über den Tisch gezogen wird. „Arbeiter, die ich schon be- zahlt habe und die dann nie gekommen sind. Dinge, die ich gar nie gebraucht hätte, aber gekauft habe, weil ich keine Ahnung hatte“, erzählt sie. Es gab einiges, das sie sich hätte ersparen können. Und ganz ohne Hilfe geht es nicht. Als sie nach Scheib- bs zog, kannte sie hier nie- manden. Sie ging zum Neu- stifter Sängerbund, beteiligte sich an einem Tauschkreis, hilft ab und zu ehrenamtlich im Pflegeheim. Sie lernte Wurst und Käse herzustellen, macht Topfen und Joghurt aus Ziegenmilch, weiß, wie man Gemüse einlegt und für den Winter haltbar macht. Das alles musste sie erst lernen. Tatendrang und Freude an der Natur Über die Internetplattform smarticular.net erfährt sie Tipps und Tricks für ein Selbst- versorger- Leben. Auto hat sie derzeit keines, sie fährt mit dem E-Rad zum Wochen- markt einkaufen und verwen- det Satteltaschen und Ruck- sack. Fehlen tut ihr nichts, sie braucht nichts. „Jeder, der gute Naturprodukte kauft, der ein paar ausgewählte Sachen vom Bauern holt, kann sich selbst versorgen und was draus machen“, fin- det sie. Während sie früher nach eigenen Angaben eine nicht hinterfragende Konsu- mentin war, ernährt sie sich nun seit fast zehn Jahren nur noch von naturbelassenen Le- bensmitteln. Auch über das Alter macht sie sich Gedan- ken: „Eine Süd-Ost-Wohnung  In der Stube werden Pflanzenkinder groß gezogen und der Pfirsichbaum wächst beinahe zum Fenster herein. Innen und Außen verbinden sich und bilden eine Einheit.   menschenbild fotos: sonja raab mostviertorial Schmerzen tun gut! peter brandstetter | Petzenkirchen peter@momag.at W enn es wo weh tut, dann hat das etwas Gutes! Der Schmerz ist ein Zeichen, dass irgendwo etwas nicht passt. Dieser unangenehme Finger- zeig ist wichtig; ein guter Arzt sucht die Krankheitsgründe und lindert nicht nur Symptome. Mobilität ändert sich. Der dazugehö- rige Schmerz ist die Krise der Auto- industrie mit sinkendem Absatz und dem Verlust vieler Jobs. Zukunfts- trächtige Therapien sind Investiti- onen in öffentlichen Verkehr, Sharing Modelle und das dahinter liegende Hirnschmalz. Arbeitsverhältnisse ändern sich. Die Digitalisierung lässt auch Orte abseits großer urbaner Zentren zum attrak- tiven Arbeits- und Wohnort werden. Eine Chance für die Revitalisierung ländlicher Regionen. Geselliges an der Bar wurde zurück- gedrängt. An diese Stelle treten Rad- fahren, Wandern und vieles andere. Eine Chance für sanften und quali- tativen Tourismus abseits von Bal- lermann und Partymeilen. Was schwer zu bekommen ist, ko- stet viel, das alte Wirtschaftsprinzip. Dass knappe Güter teuer sind, gilt noch nicht überall. Wie man in ver- gangenen Monaten lernen konnte, sind Themen und Jobs im Bereich Pflege, Versorgung und Sicherheit „systemrelevant“; doch hat die Knapp- heit dort weder zu besseren Arbeits- bedingungen noch zu deutlich bes- serer Bezahlung geführt. Globalisierung und Regionalität sind beide richtig und wichtig. Su- per, dass wir auch Bananen genießen können; wir müssen aber nicht jedes Krauthappel um die ganze Welt schi- cken; vor allem dann nicht, wenn es auch hierzulande wächst. Regionalität ist ein geschmackvolles Werkzeug ge- gen globalen Einheitsbrei. Auch wenn ISO-Normen und weltweit gleiche Burger ihren Sinn haben, so sind es doch Vielfalt und Abwechslung, die Erfolgsgaranten sind. Im Sinne einer schmerzbefreiten Zukunft sollten wir schnell und aktiv an Lösungen arbeiten; ein längerer Spaziergang am Panorama-Höhenweg oder an der Donau kann inspirieren. £ »Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen.« Marie von Ebner-Eschenbach momag 385 | oktober 2020 4 | mostviertel magazin

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