momag 385 | OKTOBER 2020

ben oder nicht, aber das hatte für mich nie einen Reiz. Ich wollte nie die Kontrolle verlie- ren. Aber Alkohol war schon immer dabei, auch eine Dro- ge. Also bei mir war es immer Sex, Booze and Rock’n’Roll. Von Zeit zu Zeit recht wild, aber es gab genauso „lang- weilige“ Abende. Du machst deinen Dienst, legst acht Stunden auf – was ziemlich anstrengend ist – und dann gehst du einfach nur heim und bist müde (lacht). Aber ich hab’ schon so gut wie alles erlebt. Gibt es in der DJ-Szene auch Groupies wie bei Rockbands? Jaaa?! Klar, die gibt es schon (lacht). Es gibt auch das klas- sische Dekolleté zeigen mit: „Kannst du mir das spielen, bitte?“ Das gibt es auch al- les. Durchaus. Wo legst du momentan auf? Corona-Auflagen-bedingt hauptsächlich bei Outdoor- Events. Hier im Vienna City Beach Club zum Beispiel fin- det gerade jeden Montag bei Schönwetter das „Rock am Beach“ statt, direkt an der Donau. Da spielen wir in den Sonnenuntergang hinein. Sonst gibt es sehr wenige Möglichkeiten, Live-Streams oder private Veranstaltungen. Die Nachtgastronomie leidet derzeit extrem. Du hast schon viel im Ausland aufgelegt, was war am weitesten weg? Die Karibik, bei der Flogging Molly-Kreuzfahrt. Das war wie das Nova Rock auf einem Schiff – vier Tage völliger Wahnsinn! 2015 war ich als einziger deutschsprachiger DJ dabei. Und auch fast der einzige Europäer, neben einem Engländer. Mit Flog- ging Molly habe ich heute noch Kontakt. Sie hätten ja im Juli ein Doppelkonzert in der Wiener Arena gehabt, aber das wurde verschoben. Dein bisher größter Gig? Das Donauinselfest, direkt vor Russkaja, quasi als Anheizer, vor 12.000 Menschen. Auch Flogging Molly mit 2.500 Leu- ten war groß. Im Nova Rock Partyzelt vor 3.000 Leuten. Da waren schon einige coole Sachen dabei. Und der kleinste Gig? (lacht) Es gab auch Events, wo dann so 10 bis 15 Leute kamen. Aber auch da musst du genau den gleichen Ein- satz zeigen wie vor ein paar tausend Menschen. Weil die, die kommen, haben sich das auch verdient. Die Gäste kön- nen nichts dafür, wenn der Club oder was auch immer keine Werbung dafür ge- macht hat. Bist du bei „Addicted to Rock“ von Beginn an dabei? Fast, jetzt schon sicher über 10 Jahre als Resident DJ. Das ist quasi mein Zuhause. Mo- mentan sind wir sieben fixe DJs, die „im Radl“ auflegen. Jetzt auch im Live-Stream – dafür legen wir im „Addicted to Rock“-Store auf, einmal im Monat, damit halt irgendwas passiert. Dass wir zumindest hin und wieder zum Aufle- gen kommen. Was empfiehlst du jungen Leuten, die DJ werden wollen? Technik kann jeder lernen, viel wichtiger aber ist das Gespür. Du musst die Leute auf der Tanzfläche lesen. Bei jedem Lied, das du zu spie- len beginnst, bekommst du eine Reaktion. Entweder gibt es „Wahnsinn! Yeah“-Schreie und Mitsingen oder die Leu- te verlassen die Tanzfläche. Wenn es auch nur ein paar sind – darauf musst du reagie- ren. Auch ein großes Musik- wissen musst du haben und ein Netzwerk aufbauen, um viel gebucht zu werden. £  Das rockt: momag Redakteurin Petra Ortner und Robert Buchta in der chilligen Atmosphäre des Beach Club an der Neuen Donau. georg rieger »Es gibt auch das klassische Dekolleté zeigen mit: „Kannst du mir das spielen, bitte?“« momag 385 | oktober 2020 mostviertel magazin | 43

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