momag 386 | NOVEMBER 2020

Ein Ort zum Wohlfühlen? Corona-Maßnahmen an Schulen. Bieten Bildungseinrichtungen Kindern noch ein angemessenes Lernumfeld? Wohlbefinden der Kinder hingewiesen. Gerade die seelischen Fol- gen aller Begebenheiten rund um das Virus werden viel zu wenig beachtet; ihrer Trag- weite sollten sich die Verant- wortlichen jedoch bereits jetzt sehr bewusst sein. Auch für jüngere Kinder, die selbst keine Maske tragen müssen, fällt es entwicklungspsycho- logisch sehr ins Gewicht, ob sie die Gesichter anderer le- sen lernen dürfen oder nicht. Die Maske verdeckt einen signifikanten Teil der Mimik eines Menschen und macht diese Person für andere zum völligen Geheimnis. Darüber hinaus unterbindet das be- deckte Gesicht die nonver- bale Kontaktaufnahme und auch die alltägliche Freund- lichkeit, die Menschen ei- nander seit jeher mit einem Lächeln schenken konnten. Rückzug und Introversion sind die natürlichen Folgen. Ganz unabhängig von der spezifischen Situation, die sich an Schulen ergibt, kommt Ines Kappstein in ihrer sehr oder Ablenkung berichtet wurde. In diesem Dokument wird seitens der WHO emp- fohlen, die Vorteile des Mas- kentragens bei Kindern sehr genau gegen potenziellen Schaden abzuwägen. Auch soziale und kommunika- tive Belange seien in dieser Rechnung zu berücksichti- gen. Für die Ausarbeitung der nationalen Regeln und Maßnahmen empfiehlt die WHO, auf jeden Fall die Ge- sundheit und das Wohler- gehen der Minderjährigen in den Vordergrund zu stel- len und weder die Entwick- lung der Kinder noch ihre Lernfortschritte negativ mit Maßnahmen zu beeinflus- sen. Im Zusammenhang mit der Gesundheit wird auch explizit auf das psychische »Mögliche Folgeschäden der Maßnahmen an Kindern und Jugendlichen sind umgehend zu prüfen.« von michie könig panoptikum Nur nicht denken? Z ugehörigkeit zur Gesellschaft, zu vermeintlich wichtigen Sachen: man MUSS ja. Man gehört dazu, man passt sich an, man unterwirft sich den Regeln und oft auch den Zwängen der anderen. Aber welcher anderen? Regierung, Gesellschaft? Chef, Ehepartner? Im Grunde ist es immer wieder das glei- che Spiel. Ich gebe meine Selbststän- digkeit auf, indem ich mich anpasse. Oft gebe ich gleich meinen Verstand mit ab, denn ab dem Zeitpunkt der Zugehörigkeit brauche ich auch nicht einmal mehr entscheiden. Durch Re- geln wird mir alles abgenommen. Ich gehöre dazu, das ist wichtig für mich. Es ist ja auch ein schönes Gefühl, ei- ner Gruppe anzugehören. Aber der Preis ist hoch, denn ich gebe mich auf, mich als eigenständige Person. „ Zu ge hörig keit“ – in dem Wort steckt so viel! Menschen werden un- selbstständig gemacht, ferngesteu- ert, Roboter im System, ohne Ent- scheidungskraft und eigenen Willen, mundtot gemacht. Mit der richtigen Prise Angst wird einem auch noch das letzte bisschen „Passt das überhaupt für mich?“ genommen. Ich kann doch nicht anders sein! Dabei liegt es auf der Hand: Jeder Mensch ist ein Indi- viduum, keiner gleicht dem anderen und das ist ja gerade das Wunderbare. Teil einer Gruppe zu sein kann durchaus bereichernd sein; aber wenn es mir schadet, wenn ich keine Ent- scheidungen mehr treffe, dann sollte ich die Gruppenzugehörigkeit über- denken; und das, was „die Gruppe“ will. Es ist nicht leicht, seine Eigen- ständigkeit zu bewahren, aber gerade diese macht das Leben spannend. Ei- gene Entscheidungen zu treffen und sie nicht von anderen treffen lassen, sich nicht manipulieren lassen, egal von wem. Das ist eine Herausforde- rung, aber gerade die macht mich le- bendig. ICH entscheide für mich, was ich tue und ob es passt, auch wenn die anderen etwas anderes machen. Und nur weil es viele machen, heißt das noch lange nicht, dass es gut ist. ICH entscheide, was ich lese, höre, sehe und mit wem ich beisammen bin oder mich treffe. Das ist in Zeiten wie diesen wichtiger denn je! £ mary glaser | Mank leben.leben@gmx.at *Namen von der Redaktion geändert. quellen | konsultiert am 28.10.2020 WHO: Advice on the use of masks for children in the community in the context of COVID-19, Annex to the Advice on the use of masks in the context of COVID-19, 21. August 2020 www.derstandard.at/story/2000116976672/maskenpflicht-wenn-die-mimik-fuer-das-erkennen-fehlt Die Nebenwirkungen und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus SARS-CoV-2 an Schulen – ein Thesenpapier. Prof. Dr. Christof Kuhbandner, Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie, Universität Regensburg, Version 1.1 vom 18. Oktober 2020. Prof. Dr. med. Ines Kappstein, Leitung Klinikhygiene am Klinikum Passau: Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit: Keine Hinweise für eine Wirksamkeit, Thieme CME-Fortbildung, Krankenhaushygiene up2date 2020; 15: 279-297 W ir hören und lesen es seit Beginn der sogenann- ten Pandemie immer wieder: Schulen spielen für die Aus- breitung des viel diskutierten Virus praktisch keine Rolle. Darüber hinaus veröffentli- chte die WHO Ende August diesen Jahres ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass im Zusammenhang mit dem Maskentragen in mehreren Studien bei Kindern über Faktoren wie Hitzegefühl, Irritation, Schwierigkeiten beim Atmen, Unwohlsein  gesellschaft momag 386 | november 2020 34 | mostviertel magazin

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzY=