momag 396 | NOVEMBER 2021

Lustlosigkeit. Wie lässt sich die gegenseitige Anziehung auch nach Jahren aufrechterhalten? ren? Es geht gar nicht darum, dann immer Sex zu haben. Sexualität ist so viel mehr als der Akt der Penetration, eine wesentlich vielschich- tigere Angelegenheit. Um miteinander zu leben und nicht nebeneinander muss man sich mit seinen Ängsten, Gefühlen, Sorgen, aber auch Wünschen zeigen. Ein ehrlicher, offener Aus- tausch über Sex passiert in den wenigsten Beziehungen. Aus falsch verstandener Rücksichtnahme mutet man dem anderen seine eigenen Sehnsüchte nicht zu. Man will ja sein Gegenüber nicht kränken, oder wer weiß, was er oder sie dann über mich denkt? Ich empfehle Paaren: sprecht über eure Phantasien, es ist ein Akt des Vertrauens. Seid mutig, auch neue Din- ge zu probieren! Ein ande- rer Ort, andere Stellungen, Uhrzeiten ... seid offen und kreativ! Versucht während eurem Sex den Alltag au- ßen vor zu lassen, nicht an die Arbeit oder den Einkauf zu denken. Nicht nur so tun, als ob Wenn man sich nicht wirklich auf diese Begegnung ein- lässt, ist die Chance, diesen Sex auch zu genießen, ver- schwindend klein. Ein weiterer Tipp kann sein, auf Distanz zu achten, Dinge auch ein- mal alleine zu machen und einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Aus der Distanz können wir unseren Partner wieder neu entdecken und begehren. David Schnarch, ein US-amerikanischer Se- xualtherapeut, formulierte hierfür den Begriff der Dif- ferenzierung. Gemeint ist die Fähigkeit, das eigene Selbstwertgefühl, die eige- ne Autonomie zu bewahren. Auch gerade dann, wenn ich – wie bei dem oben beschrie- benen Paar – emotional und physisch sehr verbunden bin. Dies ist ein Prozess, bei dem man trainiert, man selbst zu sein, die eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte kennenzuler- nen und zu vertreten, selbst wenn der Partner anderer Meinung ist. Nutzt diese Zeit mit euch alleine auch dafür, euch sel- ber besser kennenzulernen, schärft eure Sinne und spürt euren Körper. Sexualität re- duziert sich nicht nur auf die Genitalien. Um mit allen Sinnen genießen zu können, braucht es manchmal auch Überwindung. Paare, die lan- ge keinen Sex mehr hatten, berichten manchmal von einer Angst vorm „zweiten ersten Mal“. Ich empfehle Paaren, sich wieder anzu- nähern, anzufassen, Kompli- mente zu machen, und die Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass sexuelle Span- nung entstehen kann. Ein Kollege, Michael Sztenc meint dazu: „Der Sex vom Abend beginnt beim Früh- stück.“ Damit ist nicht ein ta- gelanges Vorspiel gemeint; es geht darum, der Lust Platz zu machen durch Gesten, Blicke, Berührungen. Startet euer ge- meinsames Projekt und ent- deckt Neues! Entdeckt eure erotische Kreativität! £ »Die Lust braucht Platz im Alltag.« von petrissa pichlmayr  Im offenen Gespräch miteinander lässt sich herausfinden, was dem oder der anderen gefällt, und was nicht.  partnerschaft der 5 8 6 9 7 4 6 5 8 4 3 7 6 1 4 7 9 3 2 7 2 1 2 3 5 9 9 6 1 3 4 sudoku nr. 415 | voi leicht mostvier tel magazin | 49

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