momag 397 | WINTER 2021/22

Ohne Lesen läuft Basisbildung. Einmal das Lesen gelernt, hören wir nicht mehr damit auf, den Sinn der Buchstaben, die uns fast überall begegnen, verstehen zu wollen, aber auch zu müssen. Ohne ausreichende Lesefähigkeiten ist es schwierig, sich im Alltag und im Berufsleben zurechtzufinden. Der ehemalige Deutschlehrer und Autor Gerhard Bauer im Gespräch. Woher kommt Ihr Bezug zum Lesen? Vor allem von meinem Beruf als Deutsch- und Sportlehrer. Seit etwa 20 Jahren bin ich auch in der Deutschlehrer- Fortbildung aktiv. Besonde- ren Wert habe ich immer auf Lesen und Rechtschreiben gelegt. Privat liegen meine Hobbies auch imBereich Sport und Deutsch. Es vergeht fast kein Tag, wo ich nicht eine Geschichte schreibe. Also haben Sie immer schon geschrieben. Genau. Früher vor allem fachspezif ische Literatur und Unterrichtsmaterialien. Mit einem Kollegen habe ich auch ein Rechtschreibbuch verfasst. Über den Buchklub »Ob jemand ein guter oder schlechter Leser wird, manifestiert sich in der ersten oder zweiten Klasse Volksschule.« kulturnotiz Plauderei in der Abendfrische gerhard stubauer | St.Valentin haager@theatersommer.at S ehr mutig und kreativ, was das andalusische Dörfchen Alga da vorhat: die Bewohner wollen sich das allabendliche Schwätzen, das Trat- schen, die Plauderei (auf spanisch „Charla al fresco“ – Plauderei in der Abendfrische) nun von der Unesco schützen lassen. Ein alter Brauch, der entstanden ist, als es noch kein Fernsehen und kein Internet gab. Als Teil des immateriellen Weltkul- turerbes soll es von der Unesco an- erkannt werden. Die Bewohner des Dörfchens mit seinen 1.400 Seelen finden das deshalb wichtig, weil die- se Tradition immer weniger wird und zu verschwinden droht. Das klingt erstmal absurd. Denn alleine Gott weiß (vielleicht), wer das Plaudern in den Abendstunden erfunden hat und wer sich das wirklich schützen lassen dürfte. Doch bei allem oberflächlichem Spaß hat das Ganze einen ernst- haften Kern. Dazu möchte ich aus einem Zeitungsbericht (Der Stan- dard, 5. Oktober 2021, Seite 20) den spanischen Anthropologen Isidor Morena zitieren: „Tatsache ist aber schon, dass die Autos über die Jah- re vielerorts die Menschen von den Straßen vertrieben haben“. Und wei- ter heißt es in dem Bericht: „Und in den Städten hat der Bau von Hoch- häusern ebenso dazu beigetragen, dass es anonymer wurde und sich die Menschen abends nicht mehr vor die Tür setzen.“ Weiters beigetragen hat, dass immer mehr Platz für touri- stische Zwecke gebraucht wird und als Folge davon der ortsansässigen Bevölkerung immer weniger davon zur Verfügung steht. Und natürlich ganz zu Schweigen von den sozia- len Medien, deren kommunikativer Höhepunkt ein herzlos hingeschmis- senes „Like“ ist. Die Quintessenz ist, zu diskutie- ren, „wie die soziale Interaktion im öffentlichen Raum für alle wieder vermehrt ermöglicht und gefördert werden sollte.“ Mich würde interes- sieren, wie das bei uns im Mostvier- tel – abgesehen von den anderen klimatischen Voraussetzungen – ist? Schreiben Sie mir doch, wie wichtig Ihnen der Wert der zwischenmensch- lichen Abend-Plauderei im öffentli- chen Raum ist. £ 1 Jahr = € 33 = 10 Ausgaben + muntamocha-Häferl gratis Info und Bestellung: eMail abo@momag.at oder WhatsApp / SMS an: 0650 5510 222 AB colourbox.com 54 | mostvier tel magazin

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