momag 398 | Februar 2022

Wenn Kinder lernen zur Montessori-Pädagogik finden, die aber erst später ansetzt. Die Pikler-Pädago- gik bezieht sich vor allem auf Kinder vom Säuglingsalter bis zum Alter von drei Jahren. Liesl Ehgartner bezeichnet es als eine Art „missing link“ der Pädagogik zwischen Ge- burt und Kindergartenalter. Ähnlich wie bei Montessori gilt der Grundsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Liesl erzählt im Gespräch mit demmomag ein anschau- liches Beispiel aus einer der Spielgruppen, die vor weni- gen Stunden noch den Raum belegt hatte: Eines der Kin- der versuchte einen Ball aus einer Kiste zu nehmen. Die Oma des Kindes war sofort dazu verleitet, ihn dem Kind in die Hand zu drücken. Statt- E in paar gackernde Hüh- ner begrüßen mich, als ich in Starzing ankomme, um ein wenig mehr über Pikler- Pädagogik zu erfahren. Seit über 20 Jahren leitet Liesl Eh- gartner hier in ihrem Haus in der Nähe von Neulengbach Spielgruppen für Kleinkinder. Im Fokus steht die Pädagogik nach Emmi Pikler. Es handelt sich dabei um eine beson- ders hingebungsvolle und geduldige Form der Erzie- hung, bei der den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, selbst zu lernen. Emmi Pikler wurde in Wien geboren und arbeitete lan- ge Zeit in Budapest als Kin- derärztin. Dabei betreute sie auch Kinder in Waisenhäu- sern, wo sie erkannte, wie unterschiedlich und indivi- duell sich die einzelnen Kin- der entwickelten. Basierend auf diesen Beobachtungen entwarf sie ihr Modell. Viele Ähnlichkeiten lassen sich »Die Eltern sollen in dieser Stunde passiv werden, damit die Kinder aktiv werden können.« von lucia bräu fotos: marlene scheuch M ittlerweile merkt es jeder. Tiefe Risse gehen durch unsere Ge- sellschaft. Sie gehen durch Betriebe und Vereine, durch Städte und Ge- meinden, ja selbst durch Familien und Partnerschaften. Wo man hin- sieht, überall Risse. Es stellt sich die Frage nach dem Warum. Aber auch nach der Verantwortung. Und jeden- falls die nach einer Lösung, um die Risse wieder zu kitten. Für das Warum, also der Frage nach dem Ursprung, gibt es jede Menge Theorien. Jede für sich mit viel Po- tential für neue Risse. Sich mit dem Warum zu beschäftigen, ist zwar in- teressant, aber bringt keine Lösung. Die einzige Frage, die in diesem Zu- sammenhang wichtig scheint und die sich jeder von uns stellen sollte, ist: Warum habe ich nicht mehr für Konsens und Miteinander gesorgt? Eine Frage, der wir uns früher oder später alle stellen müssen. Auch die Politiker. Was mich zur Frage nach der Verantwortung bringt. Es wäre zu kurz gedacht, der Poli- tik die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Wenngleich Politi- ker sehr wohl um die Wirkung von Worten und Bildern Bescheid wis- sen. Somit ist die Frage nach deren verhältnismäßigen Einsatz und den damit verbundenen Auswirkungen gerechtfertigt. Ebenso wie die, ob man es nicht besser wusste oder nicht anders wollte. Eine Frage, die wohl oder übel auch vielen Medi- en zu stellen ist. Antworten darauf sind wahrscheinlich in deren Kun- denlisten zu finden. Im Zusammen- hang mit Verantwortung stellt sich jedoch noch eine ganz besondere Frage. Nämlich die, nach der per- sönlichen. Bin ich in dieser Zeit mir selbst treu geblieben oder bin ich auf Irrwege gelangt? Kommen wir nun zur Lösung – zum Kitt. Eine Lösung, die genauer betrachtet aus zwei Teilen besteht. Sie kostet nichts, bringt aber viel. Die beiden Teile sind Verständnis und Verzeihen. Das eine bedingt das andere und zusammen lassen sie uns Risse wieder kitten und eine tragfähige Zukunft bauen. Eine Zu- kunft, in der wir hoffentlich genug aus der Gegenwart gelernt haben werden. £ panoptikum Guter Kitt für tiefe Risse martin matheo | Neumarkt www.martinmatheo.com momag 398 | februar 2022 38 | mostvier tel magazin

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