momag 398 | Februar 2022

KUNST von lucia bräu kulturnotiz Gefährliches „Spiel“ gerhard stubauer | St.Valentin haager@theatersommer.at W ie weit Menschen in tiefste Tiefen und Grausamkeiten abrutschen können, hat der Film „Die Wannsee- konferenz“ wieder einmal bewusst gemacht und auf abscheuliche Weise deutlich gezeigt. Grundsätzlich gut gebildete Menschen reden über die Vernichtung von Millionen Juden, als ob es nicht um Menschen sondern um Dinge gehen würde. Mit akribischer Genauigkeit wird das System eines Völkermordes besprochen, bei dem die Ausführenden ( jene Leute, die die Morde vollstrecken), so gut wie möglich geschützt werden sollen. Bü- rokratischer Massenmord, geplant in einer wunderschönen Villa an einem wunderschönen See. Grausamer und sarkastischer geht es nicht mehr. Und es ist unglaublich, dass so etwas gerade mal vor 80 Jahren stattgefunden hat, am 20. Jänner 1942. Mitten in Europa, mitten in Deutschland, mitten in Berlin. Zum Zeitpunkt der Konferenz wurden in verschiedenen Konzentrationslagern bereits Versuche unternommen, wie das Töten effizienter und schonender für die Mörder ablaufen kann – ab- scheulich!! Menschen gleich von den Zügen kommend in Gaskammern zu stecken und dort zu vergiften, war offensichtlich die effizienteste Methode. Nach Berechnungen wa- ren elf Millionen Menschen (Juden, aber auch Sinti und Roma) zu töten. Die Menschen wurden gebrand- markt, ausgehungert und verfolgt, abgeschleppt und getötet. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Alte. Ver- schwunden auf Nimmerwiedersehen. Man muss Mut haben, auf dieses Geschehen hinzublicken und genau darauf zu schauen. Und der Blick in die grausame Vergangenheit würde sicher helfen, sich bewusst zu ma- chen, heutige Demonstrationen als das zu verstehen, was sie sind: in ei- ner funktionierenden Demokratie ein Mittel, mit dem man seine Meinung kundtun kann und auf andere Sicht- weisen aufmerksam machen. Und es ist gut, dass das möglich ist. Wie uns die jüngste Geschichte lehrt, ist das nicht in jedem Land möglich – man braucht nur etwas ostwärts zu bli- cken. Sich bei diesen Demos aber mit den Opfern von damals zu ver- gleichen, ist ein Hohn für die Opfer des Holocaust. £ 50 | mostvier tel magazin

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