momag 398 | Februar 2022

Ein regional und ausländische Literatur bis hin zu historischen Werken findet sich hier beinahe alles. Die rund 25.000 gebrauchten Bücher sind in gutem Zustand, worauf großer Wert gelegt wird. Am liebsten hätte ich mich gleich hingesetzt und zu lesen begonnen. Vorbild in Großbritannien Die Obfrau des Vereins „Bü- cherdorf“, Ingrid Fabris, hat Sehr idyllisch. Ich fühle mich in andere Zeiten zurückver- setzt. Besonders begeistert hat mich der Spaziergang durch den zugehörigen Gar- ten. Auch hier an der frischen Luft darf geschmökert und gelesen werden! Elisabeth zeigt mir die ver- schiedenen Abteilungen: al- les fein säuberlich geordnet nach Themen, Sachgebieten, Sprachen. Von Kinder- und Sachbüchern, über Romane »Gebrauchte Bücher werden gesammelt, geordnet, teilweise repariert und wieder zum Verkauf angeboten.« fotos: maria mar tina lang A ls Redakteurin dur f te ich trotz Lockdown die Räumlichkeiten besuchen und dabei drei der aktiven Funktionärinnen kennen- lernen. An der Kassa wurde ich freundlich von Elfriede Stowasser begrüßt. Elisabe- th Distelberger führte mich durch das Antiquariat. Beide sind seit vielen Jahren ehren- amtlich im Buchladen tätig und haben viel zu erzählen. Durch eine schwere Ei- sentüre betreten wir das einladende Reich der Bü- cher. Hohe Regale bis an die historische Holzdecke zieren mehrere Räume, zwi- schendrin gibt es verschie- dene Sitzgelegenheiten zum Schmökern. Sogar eine alte Küche ist vorhanden, mit Holzofen und Stubentisch.  In netter Atmosphäre lässt es sich gut schmökern mostviertorial Von Teichen und Fässern peter brandstetter | Petzenkirchen of f ice@peterbrand.at W er schon ist nicht gerne cool!? Dabei ist nicht gemeint das mo- disch-oberflächliche „lässig sein“. Was hier gemeint sei, ist Ruhe und Gelas- senheit, Sicherheit und Souveränität; sie äußert sich darin, dass man nicht gach-zornig jeden anpflaumt und so- fort wie ein Rumpelstilzchen seinen Blutdruck zum Abheben bringt, wenn einem etwas gegen den Strich geht. Cool sein, also relaxed, meint nach- denken, bevor man spricht oder ei- nen Spaziergang machen, bevor man schimpft; Cool sein ist wie David Bowie meets Schwarzenegger meets Buddha. Cool sein, also überlegt sein, meint nachfragen, weil man nicht immer schon alles weiß, weil sich Situati- onen ändern und Menschen auch. Cool sein, also nicht plappern wie ein Kirtagsverkäufer, meint zuhören können und Zeit dafür haben. Wer unaufgeregt wirkt, dem wird mehr Vertrauen zugedacht; das er- halten eher jene, die bedacht und ruhig erscheinen und weniger die Hektischen und lauten Herumfuchtler. In Zeiten wie diesen, wo so viele ger- ne laut und schnell ihre Meinungen kundtun, ist es gut, sich Auszeiten zu nehmen, um ein bisschen cooler zu werden. Der griechische Philosoph Diogenes – jener, der angeblich im Fass lebte – gilt als einer, der frech, entspannt und cool (Autor Ulf Po- schardt) war. Selbstgenügsamkeit war ihm ein Anliegen. Er schätzte die Natur, hielt was von körperlicher Fitness und blieb modischen und überspitzten Theorien fern. Angeb- lich lebte er gut und entspannt. Da könnte er uns ein Vorbild sein. Nicht wegen seines Wohnfasses, aber we- gen seiner Outdoorliebe und seiner coolen Entschleunigung. Die Welt dreht sich in diesen Zeiten recht wild: globale Krisen, Umwelt, Kriege und schwer kalkulierbare Wirtschaftsentwicklungen. Anderer- seits: Wir haben alles was es braucht – Hirnschmalz, Kreativität, Mut und Ausdauer. Genießen wir Donau und Ötscher, bleiben wir dran an Tech- nik, Kunst und Brettljausn. Diogenes wusste schon: So bleibt es gut. Let ’s cool down. £ „Nur in einem ruhigen Teich spiegelt sich das Licht der Sonne!“ (chin. Sprichwort) momag 398 | februar 2022 6 | mostvier tel magazin

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