momag 399 | März 2022

Die Rettung zu umgehen. In seiner Pra- xis bietet Clemens außer- dem Humortherapie an. Da es sich dabei nicht um eine klassische Therapieform han- delt, hat er sich seine Metho- de selbst überlegt. Humor eignet sich vor allem deshalb gut für Therapie, da man sich dadurch etwas von den eigenen Problemen di- stanzieren kann. Gelingt es einem also, in seiner Misere auch etwas Komisches zu entdecken, dann kann das einer unter vielen Schritten zur Heilung sein. Die Entste- hung der Humortherapie in seiner Praxis beruht natürlich auch bis zu einem gewissen Grad auf seiner Persönlich- keit: „Weil ich selbst gern ab und zu einen Schmäh mache oder mich selbst nicht zu ernst nehme, versuche ich das in meine therapeutische Praxis einfließen zu lassen“, erklärt Krejci. Seine 2014 absolvierte Ausbildung zum Clown lässt er in seinen Hauptberuf al- lerdings nur wenig einflie- ßen. „Ich sitze da natürlich als Therapeut drin, ich bin da kein Clown und habe auch keinen clownesken Auftrag. Ich lasse immer wieder über die Humortherapie clowneske Sichtweisen oder clowneske Denkweisen einfließen, stel- le das den Patienten zur Ver- P sychotherapeut und gleichzeitig Clown? Dass sich das miteinander verein- baren lässt, und vor allem wie, zeigt der gebürtige Amstettner Clemens Krej- ci. Der Wahlgrazer ist unter anderem Psychotherapeut, Montessoripädagoge und therapeutischer Clown. Als Klient hat er sowohl Psycho- therapie als auch Musikthe- rapie selbst erfahren, wo- durch der Wunsch aufkam, Musiktherapeut zu werden. Die Kombination mit der Psy- chotherapie erfolgte etwas später. „Für mich ist beides ein wichtiger und spannender Zugang zum Menschsein“, erklärt er. Musik hilft, direkt auf die Emotionen einzugehen. Das gesprochene Wort wird im- mer durch den Verstand kon- trolliert; mit der Musik ist es möglich, das ein Stück weit »Weil ich selbst gern einen Schmäh mache und mich selbst nicht zu ernst nehme, versuche ich, das in meine therapeutische Praxis einf ließen zu lassen.« von marlene scheuch anna weber MAR artis franz jansky-winkel | Loosdorf artis.f jw@gmx.net D er Fernsehkanal ORF III lieferte gegen Beginn des neuen Jahres ein Highlight ab: André Heller, der Universal-Artist, gab sein Wohnzim- merkonzert. Ausgewählte Musiker und ausgewählte Gäste samt dem geläu- terten, selbstironischen, beinahe ein dreiviertel Jahrhundert alten Meister im Mittelpunkt ließen es hell und heller tönen, gelegentlich auch kra- chen und damit allen ein opulentes Vergnügen bereiten. Denjenigen vor den Kameras und denjenigen hinter den Bildschirmen. Ausgestrahlt wurde das Konzert in Schwarzweiß. Um die Vorstellungs- kraft zu befeuern, um unsere grelle Bilderwelt wiederum ein bisschen zu ordnen und einer wohltuenden Einfachheit zu huldigen. Das Große wird erst im Kleinen groß. Das ist es, was Kunst im besten Fall kann: überraschen, aufrütteln, Schönheit verstrahlen, mitreißen, Demut generieren, das Menschsein abfeiern, ein Miteinander zelebrieren, Phantasien ausleuchten, Grenzen, Herzen und Augen öffnen. Um nur einiges zu benennen. Wenn Worte gigantische Bilder malen und Zu- schreibungen Unbeschreibbares be- nennen, wenn es mit Sprache gelingt, gotische Altäre zu schnitzen, den Frieden zu weben und Gegenwarts- zeugen reich zu beschenken, dann ist Kunst unterwegs. Dann ist Hel- ler am Werk. Dann sind Könner am Tun. Wenn die Musik dich mitreißt und umreißt und aufreißt und durch- wäscht, dann ist Widerstand sinnlos und unangebracht. Nimm all die Ge- schenke an und schenk deine Hinga- be im Gegenzug, lass es geschehen. Lass dich durchrütteln und aufladen. Die Gegenwart ist nicht gerade groß- artig und animierend und wenn wir unseren Zugang zur Kunst verlören, verlören wir beinahe alles, was uns das Label „Mensch“ erst tragen lässt. Wie wohltuend und wichtig, daran erinnert zu werden, wozu wir in der Lage und vielleicht sogar verpflich- tet sind – uns gegenseitig in unserer ganzen Größe zu zeigen. Kunst kann heller und Liebe ist immer bedin- gungslos. So meinte der alte Meister, aber das wussten bereits viele vor ihm. Er hat sich jedoch bedeutsam daran erinnert. £ kulturnotiz Kunst.Kann.Heller. momag 399 | märz 2022 50 | mostvier tel magazin

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