momag 399 | März 2022

Kleine Räu erobern beschäftigt sich schon viele Jahre mit dem Thema: Die Einwanderer, um die es hier hauptsächlich geht, sind Waschbär und Marderhund. Warum nennt man sie „kleine Räuber“? Weil sie zum „Raubwild“ gehören, wie Marder oder streunende Katzen. Mit ih- rer schwarzen Brille im Ge- sicht sehen Waschbären ja auch wirklich ein bisschen wie Räuber aus (schmunzelt). Sie gehören zur Familie der Kleinbären, sind Allesfresser und leben in kleinen Grup- pen. Waschbären stammen ursprünglich aus Nordame- rika und fühlen sich mittler- weile in Europa sehr wohl. Der Marderhund, auch Enok genannt, stammt aus Osta- sien und ist mit dem Wolf verwandt, aber wesentlich Sie sind nicht von hier, fühlen sich hier aber – steigenden Verbreitungszahlen nach zu urteilen – sichtlich wohl: „Neozoen“ erobern nach und nach unser Heimatland. Der griechische Fachbegriff setzt sich zusammen aus „Neo“ (neu) und „Zoon“ (Lebewe- sen). Man versteht darunter Tierarten, die sich seit der Entdeckung Amerikas 1492 in für sie neuen Gebieten angesiedelt haben. Die „Neuankömmlinge“ wurden tei ls absichtl ich eingeführt, teils ohne Ab- sicht eingeschleppt. Einer der Nebeneffekte der Glo- balisierung. Einige von ihnen haben auch das Mostviertel zu ihrer neuen Heimat gemacht und verschiedene Lebensräume und Ökosysteme beeinflusst. Andreas Plachy vom Waid- hofner Tierpark Buchenberg »Bei über einer Million Waschbären allein in Deutschland ist es anmaßend zu behaupten, diese Arten hätten keine Berechtigung in Europa.« Saskia Plachy kümmert sich liebevoll um ihre Schützlinge.  von maria martina lang sabine wieser mostviertorial Schnitzel, Krieg und Wärmetauscher peter brandstetter | Petzenkirchen of f ice@peterbrand.at W enn etwas selbstverständlich wird, dann besteht Gefahr, dass es nicht mehr geschätzt wird. War vor vielen Jahren das Schnit- zel noch etwas Besonderes, also eine Sonntagsspeise, ist es heute zum bil- ligen Magenfüller degradiert; keine Rede mehr von Schwein oder Kalb, von guten Eiern, Mehl und geriebenen Semmelbröseln; oder gar vom Kön- nen des Kochs, der mit Geschick eine fluffige Panier auf das zarte Fleisch zaubert. Für viele ist das Schnitzel nur mehr ein Paket tierischer Fasern als Trägermaterial für fette Panier; fertig aus der Plastikbox oder als Füllstoff für die Jausensemmel. So ein Schnit- zel ist einem nicht viel Wert. Vor Jahrzehnten war Frieden für ein paar Jahre etwas Besonderes; ge- schätzt, weil Gewalt, Tod, Freiheits- entzug und Willkür Alltag waren. De- mokratie und friedlicher Meinungs- wettstreit wurden hochgeschätzt; genauso wie der Schutz durch die Polizei, unabhängige Gerichte und freie Medien. In den letzten Jahr- zehnten ist das allzu selbstverständ- lich geworden; Freiheit, Demokratie und vor allem der Rechtsstaat sind zu wenig beachteten Randbereichen geworden. Unsere All-Inclusive- und Rabatt-Mentalität hat uns glauben lassen, dass alles nur eine Frage von Kontostand, Klicks und Likes ist. Der aktuelle Krieg vor unserer Haustür ist eigentlich schon bei uns angekom- men. Viele von uns werden lernen müssen, dass der Bestand unserer Lebenswelt von mehr abhängt als von billigen Lebensmitteln, seichten Reality-Shows und den Echokammern der Social media Plattformen. Die Krise gibt uns aber auch Chan- cen. Sie wird notwendige Entwick- lungen vorantreiben. Der Run auf Photovoltaik, Wärmetauscher und regionale Energieträger ist gut für das Klima; aber auch für unsere Jobs und Unternehmen. Und es braucht Bildung: in Demokratie, Meinungs- bildung und digitale Kompetenzen in Bezug auf Medien. Es ist traurig und gefährlich, wenn ganze Gesell- schaften durch die Propaganda an der Nase herumgeführt werden. £ »Die Geschichte lehrt dauernd, nur sie findet keine Schüler.« [Ingeborg Bachmann; österr. Schriftstellerin] momag 399 | märz 2022 6 | mostvier tel magazin

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