momag 400 | April 2022

Not macht er in der Linzer Posthofstraße bietet der Sommer die viel- fältige Chance für neue Be- gegnungen mit der Welt der Zeitkultur. Das Eröffnungswochenende bringt erstklassige Literatur mit Wolf Haas, Österreichs kultigstem Krimiautor, wel- cher im „LiteraturSalon XL“ den jüngsten und brandak- tuellen Teil seiner skurrilen Serie um den Privatdetektiv Brenner vorstellt. Auch eine ganze Menge Kleinkunst wird in diesem Sommer geboten. Als be- sonderes Highlight gilt der Auftritt des jüngsten Mega- Talents im österreichischen Kabarett: Benedikt Mitmanns- gruber. In seinem Programm „Exodus“ erzählt er von seiner Zeit im Mühlviertel und dem Auszug aus diesem, um sich „vor seinem Volk zu retten“. Abwechslungsreicher Musiksommer Indie-Pop und Rock, Austro- pop, Superstars und echte Geheimtipps erwarten euch im Sommer. Ein Highlight ist der Abend mit dem vierfach Grammy-Award-Preisträger und New Yorker „Stunt-Gi- tarristen“ Steve Vai, der auf „Inviolate Tour“ ist. Und auch Chilly Gonzales gehört zu den Künstlern, die man live erlebt haben muss. Der aus D ie neue Open Air-Bühne übererfüllte im Vorjahr mit rund 13.000 Besuchern bei 30 Veranstaltungen in kurzer Zeit alle Erwartungen, weshalb das Projekt nun in den Regelbetrieb übergeht. Und das mit einem fantas- tischen internationalen Mu- sik-, Literatur- und Kleinkunst- Programm. Auch ein hoher Anteil spannender regionaler Kul- turschaffender wird diesen Sommer mit dabei sein. Es heißt also wieder: Raus an die frische Luft! Vor der Popkultur-historischen Kulisse mitten am Gelände von petra ortner Ahoi! Pop Sommer an der Donaulände 6.7.: Sido | Dicht & Ergreifend 9.7.: Wanda 10.7.: Element of Crime | Steiner & Madlaina | Sophie Lindinger tom mesic posthof kulturnotiz Nähe-Distanz- Problem S eit einem Monat sitzen wir nun wieder ohne Sicherheitsabstand in Veranstaltungssälen. Ich muss ge- stehen, mir war mulmig, als ich ohne Puffer zum Sitznachbarn zum ersten Mal seit zwei Jahren die Ellbogen im Kino anlegen musste. Verpflichten- de Abstände haben wir zuerst als gespenstischen Eingriff in das so- ziale Gefüge und die persönliche Freiheit wahrgenommen. Jetzt, wo sie Geschichte sind, sind wir den ehemaligen Normalzustand nicht mehr gewohnt. Aber Moment – ge- nau genommen galt auch vor Covid das Gebot der Höflichkeit, bei freier Platzwahl einen Stuhl auszulassen. Die verwaisten Plätze können also nicht Grund der Empörung gewesen sein. Vielmehr war es wohl die verlorene Wahlmöglichkeit. Gut ausgelastete Spielstätten sind nach den langen Auszeiten für die Kulturszene zwar erfreulich. Doch wir sind verunsichert, wie nahe wir die Welt tatsächlich an uns heranlassen wollen. Nicht nur physisch, auch auf inhalt- licher Ebene rückt uns der Gegenstand der Betrachtung zuletzt oft näher als uns lieb ist. Bedrohliche Bilder vom Krieg und von überfüllten Intensivsta- tionen würden wir lieber ausblenden, ebenso wie Meinungen, die uns nicht nachvollziehbar erscheinen. Trotz- dem kippen wir allzu schnell von der Überstimulation ins entgegengesetz- te Extrem der inneren Leere – einer Sinn- und Beziehungslosigkeit, die sich einstellt, wenn wir den Kontakt zur Außenwelt wie im Lockdown zu stark einschränken. Wo liegt also un- sere individuelle Komfortzone, in der wir uns weder bedrängt noch ausge- schlossen fühlen? Die Erfahrungen der letzten bei- den Jahre haben verdeutlicht, wie wir durch den gezielten Genuss von Kultur unser Nähe-Distanz-Bedürfnis in Eigenverantwortung – oder bes- ser gesagt Selbstermächtigung – re- gulieren können: Thema, Medium, Botschaft, Abstraktionsniveau, live oder remote, zur Ablenkung oder Fokussierung – all das können wir gezielt steuern. Wer den kulturel- len Methodenkoffer unter diesem Gesichtspunkt öffnet, gewinnt gei- stigen Handlungsspielraum allen Vorschriften zum Trotz. £ kati pregartner | Neuhofen/Ybbs Atelier für Erinnerungsdesign kati@pregartner.net momag 400 | april 2022 38 | mostvier tel magazin

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