momag 400 | April 2022

Die Antwort viert werden, denn wie Gré- goire Besnier betont: „Ziel ist es nicht, bereits erworbenes Wissen abzufragen, es gibt jedoch gewisse Affinitäten im Logikbereich, die wir in un- seren Studierenden suchen.“ Nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch kommt es zu einem vierwöchigen Intensiv-Training, dem soge- nannten „Piscine“. Es handelt sich dabei um einen Mix aus verschiedenen Trainings, um das Modell von 42 kennenzu- lernen, wie Rosemarie Pichler erläutert. Nach diesen vier Wochen entscheidet sich, ob man für das Studium geeig- net ist und zugelassen wird. Interessant ist aber nicht nur das Aufnahmeverfahren, sondern auch die Studienzeit selbst. Es gibt keine Mindest- studienzeit wie an anderen Hochschulen. Das Studium richtet sich nach einem Curri- culum, welches abgearbeitet werden muss. Durchschnitt- keine Studiengebühren, es werden keine Vorkenntnisse verlangt, und es gibt keinen Frontalunterricht, sowie kei- ne Professoren. Stattdessen wird das Arbeiten in Gruppen an Projekten großgeschrie- ben. Der Campus ist Teil des „space2move“ in der Muth- gasse bei Heiligenstadt, wo den Studierenden die mo- dernsten Computer zur Ver- fügung gestellt werden, um die gemeinsamen Aufgaben- stellungen zu bearbeiten. Aller Anfang ist leicht Formale Aufnahmekriterien gibt es keine, außer, dass die Interessenten über 18 Jah- re alt sein müssen. Anstelle eines klassischen Aufnahme- verfahrens hat sich das Team von 42 einen anderen Weg überlegt, um die passenden Studierenden zu finden. Es beginnt damit, dass man sich online registriert. Dann müs- sen zwei Logikspiele absol- philippe couette mostviertorial Senf und Motorhauben peter brandstetter | Petzenkirchen of f ice@peterbrand.at R hythmus und Abläufe des Alltags zwingen uns in ein Rad. Rituale – also Wiederholtes und Gleichblei- bendes – geben Sicherheit und Wohl- gefühl. Der geliebte Urlaubsort, das Restaurant, der Camping-Nachbar. Das lässt runterkommen und entspan- nen. Andererseits: allein ankommen in der Fremde und im Regen nach einer Wandertour noch ein Quartier suchen – das fokussiert; wir konzen- trieren uns auf das Wesentliche, unnö- tiger Ballast wird abgeschüttelt, der Erfolg kann richtig genossen werden: die trockene Wirtsstube also. Sich zurücknehmen, Ballast abwer- fen, leiser und ruhiger sein, ist auch im Alltag ganz gut. Zuhören und fo- kussiert sein sind Zutaten für erfolg- reiches Umsetzen und entspanntes Genießen. In einer Welt des perma- nenten Austauschs in rasendem Tempo macht Lernen und Neues entdecken unser Leben reicher. Das große Tem- po und der Lärm der Dauerkommu- nikation machen krank. Die Welt ist laut: nicht nur weil es Bomben und Raketen gibt; sie ist laut, weil wir alle schreiben, reden und uns wichtig ma- chen; das ist menschlich – weil wir gerne dabei sind und mitmachen, im Guten wie im Schlechten. Raus kommt dabei, dass wir reden bevor wir denken, oder reden ohne gefragt zu werden. Warum fühlen wir uns berufen, zu jedem Thema unseren Senf abzugeben? Wir reden über die Fußballmannschaft, obwohl wir ohne Herzinfarkt kaum das Spielfeld umrunden könnten, plappern über Pandemie, obwohl wir nicht Medi- zin studiert haben und diskutieren pseudoschlau über Autos, obwohl wir kaum die Motorhaube finden, fällen Urteile über alles und jeden, ohne von den Themen eine Ahnung zu haben; und wir genieren uns nicht mal dafür. Entschleunigende Alternative: mehr für uns selbst tun. Garten ar- beiten, ohne den Nachbar mit un- serem „Know-How“ vollzulabern, auch Trompete üben, Küchenradios reparieren oder Bärlauchessig anset- zen ist super – nur halten wir besser keine Vorträge darüber! £ „Man braucht zwei Jahre um sprechen zu lernen und fünfzig, um schweigen zu lernen.“ [Ernest Hemingway] D er Name wurde gewählt in Anspielung auf den berühmten Science Fiction Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams – das Programm „42“ stellt damit hohe Ansprüche an sich selbst. Ursprünglich kommt es aus Paris, wo es 2013 ins Leben gerufen wur- de. Bis heute sind weltweit in 25 Ländern 42 Standorte der Programmierschule ent- standen. Der zweiundvierzigste Standort ist gleichsam der erste in Wien und dieser öff- net ab September 2022 seine Pforten für Studierende. Der gebürtige Franzose Grégoire Besnier, der seit zirka 30 Jah- ren in Österreich lebt, will mit 42 etwas Wichtiges an Österreich zurückzugeben. Aber wo liegt eigentlich die Besonderheit an „42 Vienna“, welches vom Niveau her mit einem Masterstudium verg- lichen werden kann? Es gibt »Das durchschnittliche Alter der Studierenden liegt im Bereich von 30 Jahren. Somit werden auch Personen angesprochen, die bereits Arbeitserfahrung haben und sich fort- und weiterbilden wollen.« momag 400 | april 2022 4 | mostvier tel magazin

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