momag 400 | April 2022

web | instagram.com/itsesthergraf facebook.com/esthergrafof f icial youtube.com/c/EstherGraf hast. Auf Instagram ist man ja irgendwie geschützt, weil du deine eigene Community hast, zu der du sprichst. Die kennen deine Geschichte und wissen, wie lange du schon Musik machst und dabei bist. Wenn ich auf TikTok jetzt ein Video poste und sage: „Das ist mein neuer Song“, kann es passieren, dass irgendwel- che Leute darunter schrei- ben: „Das nächste random girl, das jetzt Musik machen will.“ Obwohl der gar nicht weiß, woher ich komme und was ich kann. Es ist nicht ein- fach, sich von solchen Sachen abzukapseln, aber man gibt sein Bestes. Ich denke, jede Frau kennt das, dass man nach Äußerlichkeiten be- urteilt wird. Darum müssen wir immer wieder zeigen, dass wir mehr draufhaben. Auch für die nächste Gene- ration. £ fotos: georg rieger Landestheater. „Null Bock auf gar nix“-Lustspiel parodiert Weltschmerz der Romantik in zwar historischen Kostümen, aber im stereotypen Automaten-Roboter-Habitus der postpostmodernen Jetztzeit Das simple Handlungsgefü- ge übernahm Büchner von Cle- mens Brentano, der Wortspiel- Charakter erinnert an Shake- speare. Zwecks durchgreifender Wirkmechanismen braucht die Regie ein feines Stilgefühl. Ob diese Anforderung Regisseur Moritz Franz Beichl erfüllt hat, ist Geschmacksache. Trotz der energisch zynischen Bühnen- präsenz von Tobias Artner in der Rolle des Prinzen Leonce vermittelt er eine melancho- lische Grundstimmung. Sein Leben ist zum Ritual erstarrt. Er weiß genau, wie es verlau- fen wird. Die Revolte gegen die Schranken der mensch- lichen Existenz ist zwar eine resignierende, aber trotzdem stark ambitionierte! Das Leben geht den vor- herbestimmten Lauf. Wie ein programmierter Automat. Ein automatisierter Determinis- mus, mit dem sich auch Lena abfinden muss. Davonlaufen ist überflüssig. Marthe Lola Deutschmann spielt Prinzes- sin Lena und Philip Leonhard Kelz den Hofnarr Valerio, die eigentliche Zentralfigur, über- zeugend in Ausdruck, Mimik und Gestik. Michael Scherff als dümmlicher König Peter bril- liert in seiner Monolog-Passa- ge. Die lasziv liebeshungrige Rosetta kommt leider nicht leibhaftig vor, sie wird nur als Dialogpartnerin imaginiert. Gesamtheitlich hat der Zu- seher den Eindruck einer groß- artigen Abstrusität. Auf span- nungserzeugende Irrungen und Wirrungen wie bei einem her- kömmlichen Lustspiel wartet man vergebens. Finden wir uns damit ab, dass das Stück den verkrusteten Habitus der herr- schenden Verhältnisse parodiert, Verhältnisse damals wie heute. Für die Jugend ein geeigneter Selbstfindungsort. £ robert voglhuber D as automatenähnliche Ge- habe der Darsteller kann zwar ganz witzig wirken und vielleicht als Geniestreich der Regie angesehen werden, aber der echte Magnetismus des Stücks sind immer noch die ironisch-spritzigen Dialoge, die desillusionierend Bezug auf die Unendlichkeitssehnsucht der Romantik nehmen. Frei- lich, auch echte Herzenstöne sind vernehmbar, dennoch ist das innere Thema eine nihili- stisch-skeptische Lebens- und Liebessauffassung. termine | 8.+9.+21.4., 11.5., 19.30h Landestheater NÖ, Rathausplatz 11, St.Pölten 02742 908060-0, of f ice@landestheater.net www.landestheater.net 8 9 7 7 3 2 3 8 5 1 4 5 7 4 6 7 5 1 4 6 4 8 2 6 3 sudoku nr. 429 | urndli schwa Komik über die Ausdauer der Faulheit fotos: alexi pelekanos  theater »Gesamtheitlich hat der Zuseher den Eindruck einer großartigen Abstrusität.« momag 400 | april 2022 mostvier tel magazin | 47

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