momag 405 | oktober 2022

Leben mit der gänger der HTL für Maschi- nenbau und dann zehn Jah- re als Techniker beschäftigt, kam dann doch alles anders. Die BOKU für Forstwirtschaft in Wien absolvierte Andreas Krenn „spätberufen“. Mit ei- nigen Zwischenstationen ist er seit 2013 Revierleiter im Forstrevier Gaming. Es ist heiß. Von der Kar- tause Gaming aus geht es im Geländewagen, beglei- tet von Hündin Anica, rauf in Richtung Gföhler Alm. Steile Forststraßen schlängeln sich auf über 1.100 Meter Seehö- he. „Ich bin sehr stolz auf mein Revier, wir haben hier M it 16 Jahren aus reinem Interesse am Wild und am Wald die Jagdprüfung zu absolvieren, das nennt man naturverbunden! „Vorher war ich Hobbyjäger, jetzt ist es auch ein Dienstauftrag. Es gibt keinen Jäger oder Förster bei uns in der Familie“, erzählt der 49-jährige Mostviertler von seinem Werdegang. Als Bauernsohn inSt.Georgen am Reith aufgewachsen, Ab- »Der Wald ist einer der wichtigsten Teile des Ökosystems.« A uf der Gföhler Alm tref fen wir auf Toni und Susi Scharner. Sie sind seit 32 Jahren die „Hoida“ hier und bewirtschaften von Mai bis September Mit Förster Krenn zu Besuch auf der Gföhleralm die Alm auf 1.110 Meter. Die Weidegemeinschaf t ansässiger Bauern hat die Weidefläche von den Bun- desforsten gepachtet. „Hauptpersonen sind bei uns immer schon die Vierhaxatn und nicht die Zweihaxatn“, verrät Toni, der gern erzählt, dass es anfangs noch eine Scheibe Brot, Speck und eine Knob- lauchzehe als Jause „getan hat“ für die Besucher. Seine Frau Susi ist heute mit viel Umsicht um das leibliche Wohl der Gäste bemüht. Doch auch heute noch liegt der Fokus bewusst auf ganz sanftem Tourismus. Drei Wanderwege führen rauf, kein Lift, keine Autos, keine Radfahrer. Ein Ge- heimtipp, idyllisch – ein Ort der Sehnsucht für jene, die wenig Ahnung vom echten „täglichen Schaffen“ weit oben haben. Der Förster schaut regelmäßig vor- bei, fragt umsichtig, „was sich so tut?“. Seine rund 80 Tiere auf der Weide kennt „Halter“ Toni in- und aus- wendig. £ fotos: michaela auer innenschau Was uns heilig ist I n der Natur geht mir das Herz auf. Da ist eine innige, wertschätzende, liebevolle Verbindung. Diese Faszi- nation beruht nicht allein auf den vielfältigen, sinnlich wahrnehmbaren Eindrücken und Lebensformen. Die Schönheit der Welt berührt mich tief, weil ich das unergründliche Geheim- nis des Lebens dahinter spüre. Das Göttliche, das sich in der Natur aus- drückt, ergreift mich und ruft mich an. Das Wort „Gott“ ist kein Name, kein Wesen, sondern weist hin auf unsere Beziehung zum Namenlosen, zum Mysterium, zur tiefsten Wirklich- keit. Wo der Verstand nicht hinreicht, helfen nur Erfahrungen weiter. Diese Momente der Gnade können durch die Natur, durch Musik, Poesie oder durch Werke inspirierter Künstler ge- schenkt werden. Diese feinsinnigen, schöpferischen Menschen schaffen durch ihre Kunst, ihre Texte oder ihre Musik eine Brücke, über die – in verdichteter Form – die Botschaft des Göttlichen zu anderen dringen kann. In einer zunehmend lauter und schneller werdenden Welt brauchen wir diese „Verstärker“, die das Unsicht- bare zugänglich machen. Jahwe of- fenbart sich nämlich nicht im Lärm des Sturms, sondern in einem stillen, sanften Sausen. Deshalb sind auch Kraftorte, heilige Haine, Tempel und Kathedralen wichtig. Obwohl alles in der Natur (uns selbst eingeschlossen) ein Ausdruck des Göttlichen ist, wur- den schon in vorgeschichtlicher Zeit Heiligtümer als Orte der Stille, der Verehrung und Besinnung angelegt, die uns einladen, nach dem verbor- genen Sinn der Dinge zu suchen und über das Sichtbare hinauszublicken. Wir leben in einem Zeitalter, in dem viele Menschen dem Zauber der Welt und ihrer eigenen, ursprünglichen Natur entfremdet sind. Lieblosig- keit breitet sich aus (nachzulesen im gleichnamigen Buch von Gerald Hüt- her) und spiegelt sich in der zuneh- menden Zerstörung der Biosphäre wider. Lasst uns den Schmerz und die Trauer darüber fühlen und dadurch die Kraft und Entschlossenheit ge- winnen für Widerstand, unabhän- giges Denken und mutiges Eintre- ten für das Gemeinwohl und unsere Erde! £ sabine fischer | Hollenstein/Ybbs Psychologisch-spirituelle Beratung & Naturerfahrung, info@sabinef ischer.at www.sabinef ischer.at momag 405 | oktober 2022 24 | mostvier tel magazin

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