momag 405 | oktober 2022

Rap aus der so positioniert ist, dass mich niemand sehen kann (lacht). Aber es hat auch gleichzeitig so viel Spaß gemacht, dass ich quasi ein bisschen süch- tig danach geworden bin. Wie bekämpfst du Lampenfieber? Bei der Klangkantine stellen wir uns vor dem Konzert in einem Kreis auf und singen ein Lied zusammen, tunen uns ein wenig ein. Wenn ich mit Mieze Medusa gemein- sam als Slam Poetry-Team auftrete, dann umarmen wir Wie gefällt es dir hier in Lunz am See? Ich bin gerade hin und weg, vollauf begeistert! Mir ist sehr heiß und ich würde jetzt gerne ins Wasser springen (lacht). Wann hast du deine Leidenschaft für Texte entdeckt? Mit 14 habe ich angefan- gen, Gedichte zu schreiben und mit 15, zu rappen. Für die Schublade, für zuhause, für mich. Die Gedichte habe ich relativ bald bei Wettbe- werben eingereicht und so zum Poetry Slam gefunden. Oder Poetry Slam hat mich gefunden. Damit bin ich schon relativ früh aufgetre- ten, mit 16 Jahren. Gerappt habe ich dann nur bei der wöchentlichen „Freestyle Entspannt am See geplaudert: Yasmo und momag Musikjournalistin Petra  yasmo_fb kulturnotiz Wir sind wir! Aber warum? kati pregartner | Neuhofen/Ybbs Atelier für Erinnerungsdesign kati@pregartner.net D en abschließenden Gedanken meiner Kolumne aus dem Sep- tember momag möchte ich ein Stück weiter vertiefen. Dort war die Rede von Kultur als Plattform, die dazu dient, Werte und Sinnzusammen- hänge gemeinschaftlich zu reflek- tieren. Folgende Fragen stellen wir uns nämlich implizit mithilfe der Kul- tur: Warum machen wir etwas so und nicht ganz anders? Wofür investieren wir unsere Energie? Wie erzählen wir unsere Geschichte(n) so, dass wir uns damit identifizieren? Nach welchen Kriterien ordnen wir das Chaos, da- mit wir uns darin als Individuen und zugleich als Teil einer Gemeinschaft wahrnehmen? Wodurch verschmelzen individuelle Erfahrungen zu einem kollektiven Erfahrungshorizont? Wer sind wir, wer sind die anderen? Opern, Serien, Konzerte, Laien- theater, Kino, Poetry Slams oder Auftritte der örtlichen Musikkapel- le – Kulturveranstaltungen jeglicher Art generieren im Idealfall jene be- glückenden Bindungsmomente, die laut den amerikanischen Psycholo- gen John und Julie Gottman für das Funktionieren einer Beziehung not- wendig sind. Ähnlich wie in einer Partnerschaft müssen die positiven Erlebnisse die negativen offenbar aufwiegen, damit man als Einzelner eine Bindung zu einer bestimmten kulturellen (Werte-)Gemeinschaf t aufbauen und sich als Teil davon verstehen kann. Ähnlich wie in einer Partnerschaft braucht es auch einen regelmäßigen, definierten Rahmen, eine neugierige Haltung gegenüber Ideen, Entwicklungspotenzial und ein Gespür für relevante Themen und Gestaltungsoptionen, damit solche kulturellen Bindungsmomente ent- stehen können. Ein zweites nicht zu unterschät- zendes Kriterium ist, dass uns die ge- botenen Inhalte emotional betreffen müssen, sonst ignoriert sie unser Ge- hirn schlicht und einfach. Manchen reicht dabei der passive Konsum von Kulturgütern und Veranstaltungen. Andere brauchen ein höheres Maß an Beteiligung und wollen am Dis- kurs aktiv mitgestalten. Als Gegen- leistung für unsere Teilhabe an Kultur erhalten wir in jedem Fall Identität, Sinn und Zugehörigkeitsgefühl. £ Euratsfeld 07 474 212-0 weislein.at Session“ im Einbaumöbel in Wien. Das war ein Safe Space, man musste nichts vorberei- tet haben, man kam wie man war und probierte sich aus. Hattest du nie Angst, vor Leuten zu sprechen? Absolute Panik! (lacht) Meinen allerersten Auftritt werde ich nie vergessen. Da habe ich mich wirklich hinter meinem Textblatt versteckt. Und ich weiß noch, dass ich das per- fektioniert habe, dass das Mikro vor meinem Mund ist und das Textblatt trotzdem »Mit 15 begann ich zu rappen – für die Schublade, für zuhause, für mich.« momag 405 | oktober 2022 56 | mostvier tel magazin

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