12.09.2013 0 Kommentare

Erfolg hat viele Väter, Misserfolg nur einen! Nationalrätin Ulrike Königsberger-Ludwig im Interview.

Koe_Lu_Didi

Foto: privat

Die Amstettner Nationalrätin ist nicht nur Spitzenkandidatin der SPÖ im Wahlkreis 3c / Mostviertel, sondern auch auf der NÖ Landesliste auf Platz 3 und auf der Bundesliste an 21. Stelle gereiht. Das momag wollte wissen, wie sie überhaupt in die Politik kam und wo die Unterschiede zwischen Kommunal- und Bundespolitik liegen.

Wie kamst du eigentlich zur Politik?

In der Schule durch einen sehr charismatischen Englischlehrer am BORG Scheibbs, der uns die Augen für die vielen Ungerechtigkeiten auf der Welt öffnete. Ein einprägsames Erlebnis war damals, dass Orangen tonnenweise ins Meer geschüttet wurden, obwohl viele Menschen Hunger leiden müssen. Besonders geprägt hat mich auch die Hauptschullehrerin von Gresten, Gerti Mauler, die menschlich nach wie vor ein Vorbild für mich ist.

Und waren deine Eltern auch politisch?

Ein Standardsatz bei uns zu Hause war schon: „Ohne Kreisky wäre das alles anders geworden.“ Und obwohl meine Mutter es als Alleinerzieherin mit fünf Kindern bestimmt nicht leicht gehabt hat, weiß ich es besonders zu schätzen, dass ich ein Instrument lernen konnte und Matura machen durfte. Deshalb ist mir auch Chancengleichheit ein sehr großes Anliegen.

Wie bzw. wann war dann dein Einstieg als Aktive?

Das war 1988 in meiner Heimatgemeinde in Gresten, wo mein Engagement bei den Kinderfreunden aufgefallen ist. Rechte für Kinder und das miteinander Spielen ohne Siegen zu müssen ist mir auch heute noch wichtig. So kam es dann, dass ich sechs Jahre lang Kinderfreundeobfrau war, im Ortsausschuss der SPÖ mitarbeitete und 1993/94 Gemeinderätin war.

Gibt es heutzutage noch eine Gesinnung?

Davon bin ich felsenfest überzeugt, denn Werte sind wichtiger denn je. Vor allem für Menschen, die etwas gestalten, denn wäre es nicht so, ist alles austauschbar. Die Politik braucht Werte! Natürlich hat sich die Gesellschaft und damit die Arbeitswelt verändert, doch die vier Grundwerte der SPÖ Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Freiheit sind aktueller denn je. Neben Werten geht es schlicht um Haltung, denn ich kann nicht bei jedem Windstoß, meine Meinung ändern.

Aber Politik, sofern keine absoluten Mehrheiten vorhanden, bedeutet immer Kompromisse, oder?

Das ist in einer Demokratie so und auch ohne Koalitionen nicht anders. Wenn Mehrheiten gefunden werden, dann muss man die auch mittragen. Schlimm ist für mich nur, wenn bei der Kompromissfindung Themen gegeneinander „abgetauscht“ werden. Also in der Sache ja, aber nicht z.B. Verkehr gegen Kultur. Doch das ist leider auch Teil der Politik.

Du bist seit 2000 Kulturstadträtin der Stadtgemeinde Amstetten und seit 2002 Abgeordnete im Nationalrat. Wo ist der Unterschied zwischen Kommunal- und Bundespolitik?

Sowohl in Gresten wie auch in Amstetten hat die SPÖ die Mehrheit, was es leichter und vor allem auch schneller macht, Projekte umzusetzen. Im Bund muss man sich die Mehrheiten erarbeiten, das Interesse für Themen wecken und Koalitionspartner, Opposition und auch die eigenen Reihen dafür begeistern. Dafür braucht man auch Ausdauer und Geduld, denn z.B. in meiner Funktion als Bundesbehindertensprecherin meines Clubs haben wir erst kürzlich gemeinsam die Parkausweise für Behinderte, was zuvor in Länderkompetenz war, umsetzen können – begonnen haben wir damit im März 2010. Wichtig ist, dass man als Bundespolitiker den Bezug zur Region hält und weiß, was die Leute im Alltag so bewegt. Als Kommunalpolitiker ist es wichtig auch über den Tellerrand der Gemeindegrenzen zu schauen und andere Blickwinkel zuzulassen. Denn aus Sicht der Bundespolitik verstehe ich oft das enge Denken nicht, es sollten doch alle die gleichen Chancen haben, egal aus welcher Region sie sind oder welche Herkunft sie haben.

Wie ist das intern mit der Parteilinie? Muss man alles mittragen?

Große Themen, wie z.B. Familienthemen werden bei uns im SPÖ-Club breit diskutiert und intern abgestimmt. Bei mir deckt sich das überwiegend mit der eigenen Meinung, doch zu 100 % kann man sowieso nicht konform sein. Für mich geht es da wiederum um Haltung und Werte, deshalb darf es auch Unterschiede zur eigenen Meinung geben. Wenn dem so ist, dass wirklich sehr selten vorkommt, dann erkläre ich eben, wie es zum Kompromiss gekommen ist.

Was macht für dich einen guten Politiker bzw. eine gute Politikerin aus?

Zu allererst muss man die Menschen mögen und ihnen mit Respekt und Wertschätzung begegnen. Dann sollte man auch bereit sein viel dazu zu lernen, denn für Politiker gibt es keine wirkliche Ausbildung. Dazu muss man auch lernen, wie man Gesetztestexte liest und interpretiert und vor allem, wie man Leute für Themen begeistert um diese dann auch durchzukriegen. Weiterst muss man bereit sein, viel Zeit zu investieren und vor allem kompromissfähig sein. Ja und vielleicht sollte man auch eher Teamplayer und kein Einzelkämpfer sein. Denn wie heißt es so schön: „Erfolg hat viele Väter, Misserfolg nur einen!“

Unter anderem bist du sehr stark in der Frauenarbeit engagiert. Warum?

Weil es leider gerade, wenn es um Frauen geht, noch immer genügend Ungerechtigkeiten gibt. Ein selbstbestimmtes Leben muss doch möglich sein. Frauen machen noch immer überwiegend die unbezahlte Arbeit und Kindererziehung und Altenbetreuung sind noch immer fest in Frauenhand. Diese Bereiche sollten partnerschaftlicher verteilt werden. Ich bin überzeugt davon profitieren beide Geschlechter. Abgesehen davon, dass Frauen immer noch viel weniger als Männer verdienen, haben sie auch nicht wirklich die Wahlfreiheit. Denn obwohl oftmals die Wahlfreiheit strapaziert wird, funktioniert das Ganze ja nur, wenn entsprechende Angebote vorhanden sind. Dazu braucht es aber mehr Kindergrippen oder Hortplätze. Viel zu oft bestimmen längst überholte Klischees unser Denken. Natürlich sollen Frauen nicht das Gefühl haben, die besseren Männer sein zu müssen. Die Geschlechter müssen nicht gleich sein, nur gleich berechtigt!

Bleibt bei einem so vollen Terminkalender noch ein Privatleben?

Natürlich, denn die Familie ist mir das Wichtigste. Ich muss zwar auch meine privaten Termine abstimmen, aber das hat sich mittlerweile ganz gut eingespielt. Meine Familie hilft mir nicht nur beim Abschalten und Auftanken, sie ist für mich auch Kraftquelle und Basis. Klar sprechen wir zu Hause auch über Politik und das erste Feedback kommt von meinem Mann. Nachdem meine beiden Söhne schon erwachsen sind, versuche ich so viel wie möglich Zeit mit meiner süßen Enkelin zu verbringen. Ich lese gerne und höre Musik und um den Kopf freizubekommen, gehe ich Laufen. Das einzige, was vielleicht auf der Strecke bleibt ist meine Tanzleidenschaft. Das liegt aber nicht nur an der Zeit … und leider tanzt mein Mann nicht so gerne wie ich.

Dies ist nun bereits deine vierte Nationalratswahl-Kandidatur. Was wünscht du dir für die Zeit nach der Politik?

Na ja, an ein Politikende denke ich zwar noch lange nicht, weil meine Arbeit mich immer wieder aufs Neue bereichert. Aber sollte ich einmal keine politischen Ämter mehr ausüben, wünsche ich mir, dass mich die Leute auch als Mensch wahrnehmen und nicht nur über meine Funktionen. Ich möchte schon auch später noch z.B. im Amstettner Café zum Kuckuck sitzen, um mich mit interessierten Leuten über Gott und die Welt unterhalten.

Interview: Didi Rath

 

Steckbrief | Ulrike Königsberger-Ludwig, geboren am 12.5.1965, verheiratet, 2 Söhne, 1 Enkeltochter

Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Kultur, Sport, Jugend und Freizeit der Stadtgemeinde Amstetten, SPÖ-Nationalrätin, Vorsitzende der SPÖ für den Bezirk Amstetten, im Vorstand der Landes- und Bundesfrauen der SPÖ, Bundesbehindertensprecherin der SPÖ

Rubrik:: Meinung, Mostviertel

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