23.10.2015 0 Kommentare

Völlig jenseits von Gut und Böse: Ernst ist das Leben (Bunbury) von Oscar Wilde.

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Foto: landestheater.net

Die Trivialkomödie „Bunbury oder Die Bedeutung, ernst zu sein“ („Ernst ist das Leben“ in der Übersetzung von Elfriede Jelinek) ist unter allen Bühnenstücken Oscar Wildes das witzigste und amüsanteste mit vielen geistvoll-paradoxen Bonmots. Das Landestheater NÖ brachte unter der Regie von Maaike van Langen das Stück am Premierenabend, 10. Oktober so über die Bühne, wie es nicht besser hätte sein können.

Das Publikum war verblüfft und erheitert. Oscar Wildes poetischer Fantasiedrang, seine Apercus und seine Sottisen in den Dialogen wurden von Elfriede Jelinek in eine kongeniale deutsche Fassung übertragen. Eine Handlung kann nicht erzählt werden, den es gibt keine, sondern nur Situationen, die aus fortwährenden Verwechslungen entstehen. Die Hauptfigur ist ein Phantom, das gar nicht existiert und beträchtliche Verwirrung anrichtet. Wie substanzlos muss eine Gesellschaft sein, die ein Phantom ernst nimmt? Die Gestalt der herrischen Lady Bracknell spielt Babett Arens mit einem zermalmend bissigen Mundwerk. Fabian Krüger mimt den Sottisen sprudelnden Algeron köstlich dandyhaft. Den zweiten Lebemann, John Worthing, verkörpert Pascal Lalo. Er unterhält aufs Glänzndste in seinem Lebenselement, zu sich zu finden oder sich von sich selbst zu befreien mit spritzigen Einfällen der Wildeschen Gesellschaftsglossierung. Marion Reiser, Lisa Weidenmüller und Corneilia Köndgen können ganz schön amüsant albern sein, und das mit Charme. Michael Scherf und Pascal Gross tragen nicht minder dazu bei, dass man „Bunbury“ nicht als Stück nimmt, sondern als Jux.

von Robert Vogelhuber

info | landestheater.net

Rubrik:: Kultur

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