12.06.2015 1 Kommentar

Ewig fließt das Wasser: Vom Gartenschlauch zum Perpetuum mobile.

Energiefreie Wassernutzung. In der Physik ist die Methode als Heber-oder Wasserschlauchprinzip bekannt. Der Wassertransport wird durch eine Schlauchleitung über die Schwerkraft geregelt. Oben wird reingehängt und unten angesaugt. Und ewig fließt das Wasser.

Fotos: Robert Voglhuber

Fotos: Robert Voglhuber

Spätestens seit der Einführung der Naturgartenplakette erlebt auch der Naturgartenbau eine große Renaissance. Die Menschen merken, dass sie damit eine erhebliche Summe sparen können, dass ihr Essen besser schmeckt und bekömmlicher ist und dass es die Gesundheit ihrer Kinder fördert. Ihnen selbst tut die körperliche Arbeit in der frischen Luft gut, ebenso wie das aktive Teilnehmen am ewigen Zyklus der Jahreszeiten und die befriedigende Aufgabe, die Natur darin zu unterstützen, aus scheinbar nichts die schönsten und bekömmlichsten Früchte hervorzubringen. Mir geht es auch so. Nur habe ich noch dazu den Vorteil, dass durch mein abschüssiges Gartengrundstück ein kleiner Bach oder Rinnsal fließt, dessen Wasser im oberen Teil in einem Sammelbecken aufgefangen wird und erst dann durch die Gartenanlage weiterfließt. In Hitzeperioden trocknet das Bächlein fast aus und ich muss mir das Wasser vom Sammelbassin holen, um damit Pflanzen gießen zu können.

Gartenschlauch als Perpetuum mobile

Das ist mühselig, also habe ich mir einen Gartenschlauch zur Wasserbesorgung zurechtgelegt, wonach fast ein Perpetuum mobile wurde. Das heißt, das Wasser fließt immer, ohne Energie aufwenden zu müssen. Ich nutze einzig und allein die Schwerkraft, die zwischen Auffangbecken und Gemüsebeet (zurzeit Hochbeet) etwa zehn Meter liegen und ein Gefälle besteht. Was habe ich nun gemacht? Ganz einfach, einen Gartenschlauch gelegt und das obere Ende in das Sammelbecken gegeben und das untere zugestoppelt. Zuerst kam allerdings Wasser in den Schlauch, damit eine Sogwirkung erzielt wird. Wie ging das vor sich? Ich befüllte den kopfüber hochgehaltenen Schlauch mittels Gießkanne mit Wasser bis ein Sog spürbar und ein Gluckern hörbar wurde und alle Luft raus war. Dann versenkte ich unverzüglich das obere Schlauchende ins Becken und schon war das Experiment gelungen. Das Wasser fließt und fließt und hört gar nicht mehr auf, dank den Regeln der Schwerkraft.

Zuzel-Variante ist nicht zu empfehlenGarten1_Credit_Robert Voglhuber

Anstatt den Schlauch am oberen Ende mit Wasser zu befüllen, hätte ich auch durch die „Zuzel-Variante“ denselben Sogeffekt erzielen können. Das geht so vor sich: Am unteren Schlauchende so lang saugen, bis Wasser kommt. Diese habe ich allerdings vermieden, da ich die Schnauze voll Wasser bekommen hätte. Damit das Wasser nicht unnötig ausfließt, musste nun eine Absperrvorrichtung angebracht werden. Es hätte ein einfacher Stoppel genügt, montiert wurde dann aber ein Wasserhahn zum Auf- und Zudrehen. So habe ich je nach Bedarf immer fließendes Wasser, ohne mühselig Kannen aus dem Schacht schöpfen und schleppen zu müssen. Das Ganze ist natürlich nicht meine Erfindung, schon die alten Ägypter wussten das. Fälschlicherweise nannte ich mein „Perpetuum mobile“ einen artesischen Brunnen, bis ich von Gartenspezialistin und Kolumnenkollegin Waltraud eines Besseren belehrt wurde. Ein artesischer Brunnen geht darauf zurück, dass eine wasserundurchlässige Schicht gebogen unterhalb der Erdoberfläche liegt.

Artesischer Brunnen

Der Name ist von der nordfranzösischen Provinz Artois abgeleitet, wo im 12. Jahrhundert eine Reihe solcher Brunnen für Aufsehen sorgte. Doch diese Brunnenart war schon viel früher bekannt. Viele Jahrhunderte vor Christi Geburt haben die Chinesen artesische Brunnen gebohrt, indem sie Bambusrohre nach und nach hunderte von Metern in den Boden trieben. Aus dieser Zeit stammt auch die frühere Bezeichnung solcher über Generationen hinweg gebauter Brunnen: „Großvaterbrunnen“.
Der Druck, der den artesischen Brunnen Kraft verleiht, entsteht, wenn Grundwasser zwischen zwei undurchlässige Gesteinsschichten sickert. Das Wasser findet keinen Abfluss und ist wie in einer Rohrleitung unter Druck gefangen. Erzeugt wird der Druck dadurch, dass diese steinige Rohrleitung ein Gefälle aufweist. Wie stark der Druck an der angebohrten Stelle ist, hängt davon ab wie hoch der Höhenunterschied zwischen dem Bohrloch und dem höchsten Wasserstand in der wasserführenden Schicht ist. Liegt das Bohrloch in einem Tal, und die wasserführende Schicht reicht bis hoch in die Berge, so ist das aus dem Bohrloch austretende Wasser unter enormem Druck.

Besser als Regenwasser

Das alles hat natürlich mit meiner primitiven Vorrichtung nichts zu tun. Ich weiß nur, dass dieses so gewonnene Wasser wahrscheinlich besser ist als Regenwasser, weil dieses nicht aus dem Erdreich kommt, zumal Wasser eben die Eigenschaft besitzt, viele Stoffe und Gase lösen zu können. Deshalb nimmt Grundwasser auf seinem oft langen Weg durch die Bodenschichten beispielsweise Kalk, Kohlensäure, Eisen, Mangan und verschiedene Mineralien in sich auf. Dieses auf meine Art gewonnene „Rohwasser“ enthält also jede Menge natürlicher Bestandteile oder Inhaltsstoffe, die zum Beispiel in der Tonne aufgefangenes Regenwasser nicht hat und den Pflanzen sicher gut tun.

von Robert Voglhuber

web | www.naturimgarten.at

Rubrik:: Panorama

1 Kommentar zu "Ewig fließt das Wasser: Vom Gartenschlauch zum Perpetuum mobile."

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  1. Maria Meyer sagt:

    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Gut zu wissen, dass der Druck, der dem artesischen Brunnen Kraft verleiht, entsteht, wenn Grundwasser zwischen zwei undurchlässige Gesteinsschichten sickert. Interessant, dass das Wasser keinen Abfluss findet und wie in einer Rohrleitung unter Druck gefangen ist. Ich finde die Idee und die Bauweise sehr spannend und plane gerade selber den Bau eines solchen Brunnens bei mir zu Hause. Aus diesem Grund suche ich einen kompetenten Ansprechpartner für Arteser und Arteserverschließungen in Österreich. Online habe ich z.B. schon folgende Website entdeckt: https://www.aigner-brunnen.at/brunnen–und-wassertechnik/arteser

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