09.10.2013 0 Kommentare

Exzentrisch und genial: Sir Tralala ist einer der ungewöhnlichsten Musiker Österreichs.

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Petra Ortner mit David Hebenstreit aka Sir Tralala. Foto: privat

David Hebenstreit (*1978) aka Sir Tralala ist Geiger, Sänger, Gitarrist, DJ und Komponist, ein begnadeter Musiker mit absolutem Gehör. Als er mit 19 von Kärnten nach Wien zog, wurde er fixer Teil der Club- und Experimental-/Elektronik-Musikszene. Seit 2004 tritt er als Sir Tralala auf, entweder solo oder mit seiner Backing Band “The Golden Glanders”. Wenn der Sir Live auftritt, kann man was erleben. Das momag traf das Multitalent, das als einer der ungewöhnlichsten Musiker der österreichischen Musikszene gilt, für ein interessantes Gespräch über sein Schaffen, und wie alles begann.

Du hast deine Musikkarriere ganz klassisch damit begonnen, Blockflöte und Geige spielen zu lernen. Wann war der Zeitpunkt als du beschlossen hast, „dein eigenes Ding“ zu machen?

Eigentlich immer schon. Ich habe schon als Bub immer irgenwelche Sachen hergenommen um darauf herumzuklopfen. In der Volksschule schon, als ich eigentlich Geige üben sollte, war es oft so, dass ich das Instrument sozuagen zweckentfremdet verwendet habe. Aber du meinst jetzt wohl wann ich beschlossen habe meinen Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen?

Ja, genau.

Ich wollte schon immer Musiker werden. Dafür hätte ich beinahe auch die Schule hingeschmissen, habe sie aber dann doch fertig gemacht. Ich bin dann zunächst auch einen normalen Beruf studieren gegangen. Eigentlich hätte ich Sozialarbeiter werden sollen. Das hat mir dann aber gereicht. Das war während des Praktikums schon so. Ich hätte als Streetworker arbeiten sollen. Außerhalb der Praktikumszeit haben wir dann mit den Jugendlichen dort verschiedene Musikprojekte begonnen. Ich habe mit denen auch Sachen aufgenommen. Das war befreit von dem ganzen Schulischen bzw. Akademischen. Dafür wurde ich auch nicht benotet. (lachen)

Wie kam es dann zur Erfindung von Sir Tralala?

Da standen irgendwie immer verschiedene Bandnamen im Raum und irgendwann, im Rahmen der ersten Album-Veröffentlichung, ist dann der Name Sir Tralala hängengeblieben. Den habe ich dann einfach behalten. Zu der Zeit dachte ich auch, ich würde jetzt meine eigene Plattenfirma gründen und veröffentliche alle meine Sachen selbst, und um das wirklich ernsthaft zu machen, habe ich sogar daran gedacht, das Logo meiner Plattenfirma auf meinen Fuß zu tätowieren. Dadurch habe ich mich dann also mit dem Tätowieren näher beschäftigt, damit ich mir das Logo selbst tätowieren kann. Weil ich es wirklich ernst meinte. Es hat aber dann doch wieder sechs oder sieben Jahre für die erste Veröffentlichung unter dem Label gedauert. Es ist doch ganz schön viel Arbeit, ein eigenes Label zu betreiben.

Du bist Komponist, spielst zahlreiche Instrumente, bist DJ, machst Filmmusik. Du hast sogar bei einer Oper mitgewirkt. Woher kommt diese Vielseitigkeit?

Das hat zwei Gründe. Zum Einen ist es so, dass mich immer schon alle möglichen Sachen interessiert haben. Meine Eltern hörten immer verschiedenste Musik. Von Klassik bis hin zu Deutschen Arbeiterliedern. Ich war eigentlich nie auf etwas Bestimmtes beschränkt – obwohl ich schon in der Pubertät das Bedürfnis hatte, etwas zu finden was ganz Meines ist. Eine bestimmte Jugendkultur, Musik. Das wollte aber irgendwie nie so richtig funktionieren. (lachen) Als ich dann nach Wien kam, entdeckte ich die Punks und das EKH, in dem ich auch viel gespielt habe. Das EKH-Programm spielte ich dann aber auch im Konzerthaus. Ich kann halt nicht auf dem Opernball und dann im EKH spielen (lachen), das wär dann doch etwas hart. Mir gefallen einfach sehr viele verschiedene Arten von Musik. Zum Anderen muss ich auch Geld verdienen. Es ist sehr schwierig mit nur einem Bandprojekt wirklich Geld, beziehungsweise seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das geht im Prinzip gar nicht, deshalb muss ich immer schauen, wo ich mich einbauen kann. Dadurch habe ich auch immer mit vielen verschiedenen Musikern zusammengearbeitet. Man muss sich irgendwie durchschlagen. Viele meiner Musikerkollegen, auch bekannte Musiker, deren Musik im Radio gespielt wird, machen ihre Projekte eher nebenbei und haben einen richtigen Brotjob. Es ist alles ziemlich zeitaufwendig.

Bei welcher Oper warst du dabei?

Das war keine richtige Oper, keine klassische Oper, eher ein Theaterstück mit Musik. Drei Schauspieler waren auf der Bühne, als war Band Naked Lunch dabei und zwei metaphorische Figuren. Eine Figur war Gott, die spielte Didi Bruckmayr und die andere Figur war das Volk, und das habe ich verkörpert. Das Ganze ist in einem religiösen Kontext passiert, obwohl die meisten von uns nicht wirklich religiös sind. Es war eine religions-kritische Oper, die in einer evangelischen Kirche, im Rahmen einer Landesausstellung in Kärnten, aufgeführt wurde. Da ging es schon ganz schön wild zu. Zum Teil bekamen wir sehr vernichtende Kritiken, obwohl die Vorstellungen immer ausverkauft waren und das Publikum durchwegs begeistert war. Manche konnten damit einfach nichts anfangen. Die klassischen Theaterkritiker fanden es nicht so toll.

Du hattest längere Zeit eine ganz eigene, besondere Stimme. Wie hat sich die entwickelt?

Nun, ich hatte ein Stimmbandgeschwür, aber kein bösartiges. Irgendwann hatte ich auf den Stimmbändern Knoten, aber keine Zeit das behandeln zu lassen. Ich musste eben immer Konzerte spielen um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Arzt meinte dann schließlich, dass das Geschwür schon so gewachsen sei, dass man operieren müsse. Ich habe fast zwei Jahre mit der Operation gewartet, darum habe ich diese eigenartige Stimme entwickelt. Jetzt ist es aber wieder gut. Jetzt klinge ich wieder normal.

Und woher kam dein schräger Gesangsstil, den zum Beispiel auch Devandra Banhart oder Andrew Butler von Hercules and Love Affair haben?

Das ist ja echt ein Kompliment! Ich versuche einfach etwas aus dem zu machen was ich kann. Ich habe ja keine sehr laute Stimme und muss daher immer schauen, dass ich da was rausbringe. Zudem habe ich auch keinen großen Stimmumfang. Vielleicht eineinhalb Oktaven, die einigermaßen gut klingen. Da muss man sich etwas Spannendes einfallen lassen.

Wie lange bist du schon DJ?

Seit einem Ferienlager, auf dem ich war. Die wollten dort immer Bravo-Hits und Kuschelrock hören. Die alten Kuschelrock-Sachen gefallen mir ja ganz gut. Das ist schöne Herz-Schmerz-Kacke aus den 80er Jahren. (lachen) Eigentlich schlimm. Mittlerweile traue ich mich auch wieder sowas aufzulegen, obwohl es gar nicht cool ist. Aber ich glaube, ich bin in einem Alter, wo man nicht mehr cool sein muss. Da spielt man die Musik, die man spielen will.

Wie schaut so ein DJ-Set bei dir aus?

Das schaut so aus, dass ich ein paar tausend MP3s mithabe und einige alte Platten, die ich auf Flohmärkten zusammensammelt habe und je nachdem wie ich aufgelegt bin, oder worauf mich Leute ansprechen, lege ich dann auf. Da ich nicht auf eine bestimmte Musikrichtung fixiert bin, gibt es auch hier total viel, das mir gut gefällt. Damit baue ich eine Dramaturgie auf. Meistens lande ich bei 60er, 70er Jahre Rock’n’Roll und solchen Sachen.

Diese Sachen funktionieren auch immer.

Ja, vor allem wenn viele Leute da sind und tanzen wollen, lege ich eher so etwas auf. Wenn weniger Leute da sind, gefällt es mir auch, denn dann kann ich so richtig außergewöhnliches Zeug auflegen, was man sonst eher selten hört. Rare Sachen. Einmal habe ich zum Beispiel eine 30 Minuten-Nummer von Pink Floyd gespielt und dann ein Chorkonzert reingemixt. Total abstruse Dinge, aber da kann ich mich dann austoben.

Zurück zur selbstgemachten Musik. Seit wann gibt es deine Band Golden Glanders?

Die gibt es seit ca. zwei Jahren. Es hat sehr lange gedauert bis ich die richtigen Leute dafür fand. Das musikalische Konzept für diese Band gab es ja schon länger. Der Plan war, die Sachen, die ich auf dem Computer produzert habe, mit einer Band umzusetzen und zu schauen, wie es funktioniert, also nicht nach starren Vorgaben, sondern nach einem Leitfaden sozusagen. Jeder kann sich einbringen, denn zum Teil stecken da musikalisch auch einige Improvisationssachen drinnen, wo es eigentlich nur darum gegangen ist, irgendwelche Steigerungen zu erzeugen. Das Interessante ist ja, dass wir nicht nur nach starr vorprogrammierten elektronischen Playbacks spielen, sondern die Elektronik passiert ohne Schnitt und ohne Zeit. Es hat Jahre gedauert, bis ich die Menschen dafür gefunden habe. Der nächste Schritt im Masterplan ist jetzt ein Symphonieorchester zu organisieren, weil ich auf meinen Alben ja auch Orchester eingesetzt habe. Das habe ich am Computer programmiert. Und der nächste Schritt wäre eben, das mit einem richtigen Symphonieorchester umzusetzen. Das ist jedoch auch sehr aufwendig und muss irgendwie finanziert werden. Das war bis jetzt noch nicht möglich. Daran arbeite ich gerade.

Und was macht mehr Spaß? Solo aufzutreten oder mit Band?

Eigentlich mit Band aufzutreten. Ich spiele lieber mit Band, obwohl man da weniger Geld verdient, denn es kostet einfach mehr. Wir sind vier Leute, die alle von der Musik leben. Aus ökonomischer Sicht freut es mich mehr, wenn ich alleine auf der Bühne stehe, denn da bleibt mir auch mehr von der Gage. Ich versuche aber so viel wie möglich mit der Band zu spielen. Es macht mehr Spaß mit Leuten zusammenzuarbeiten. Wenn ich alleine auf der Bühne bin, ist es auch was anderes. Da habe ich oft Visuals dabei. Der Schmäh mit dem Publikum läuft auch anders. Wenn du alleine bist, stehst du direkt in Kontakt mit dem Publikum.

Welche Pläne hast du für die nächste Zeit?

Im Moment bin ich dabei mich von meinem jetzigen Label zu trennen und wieder mehr autark zu arbeiten. Auch wieder mehr auf meinem eigenen Label. Das ist viel überschaubarer und da bin ich auch viel flexibler. Dann möchte ich natürlich die Sache mit der Band weiterentwickeln. Ich arbeite an neuen Sounds für Sir Tralala und wir haben jetzt bald auch Dreharbeiten für einen Film, einen Spielfilm. Das ist eines der Projekte für das nächste Jahr. Sonst, Musik machen. Dinge die mich interessieren verwirklichen, so wie immer.

Interview: Petra Ortner

web | www.sirtralala.net

termine | Sir Tralala & Golden Glanders: 12.10., Röda, Steyr; 24.10., Werk, Wien.

Sir Tralala solo: 16.11., Die Fabrikanten, Linz.

Rubrik:: Kultur

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