06.04.2014 0 Kommentare

Film im Dom 2014: eine Begegnung der Domorgel mit Meilenstein der Filmgeschichte.

Nosferatu

St. Pölten | Nach dem erfolgreichen Start 2012 mit einem auf den letzen Platz gefüllten Dom kommt es im Mai 2014 im St. Pöltner Dom zum zweiten Mal zu einer Begegnung des mächtigen Klangs der Domorgel mit einem Meilenstein der Filmgeschichte.

Cinema Paradiso präsentiert am 9. Mai gemeinsam mit Orgel Plus den Film „Nosferatu“ von F.W. Munrau aus dem Jahr 1922 auf einer Leinwand im Dom. Auf der Orgel wird der weltweit berühmte österreichische Musiker und Komponist Wolfgang Mitterer zu diesem frühen Meisterwerk nach dem Roman „Dracula“ live einen neuen Soundtrack spielen.

Filminfo: NOSFERATU – Eine Symphonie des Grauens
D 1921 (restaurierte Fassung von 2007), R: F.W. Murnau, B: Henrik Galeen nach „Dracula“ von Bram Stoker, K: Fritz Arno Wagner, D: Max Schreck, Greta Schröder, Ruth Landshoff u. a., 95 min.

Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ ist neben „Das Cabinet des Dr. Caligari“ wohl der beeindruckendste und künstlerisch wertvollste deutsche Gruselfilm aller Zeiten: Seine poetische Bildsprache, revolutionäre Naturaufnahmen und der sensationell effektive Titeldarsteller Max Schreck sorgen für einen Alptraum, der auch heute nichts von seinem Schrecken verloren hat.

Der Stummfilm ist eine – nicht autorisierte – Adaption von Bram Stokers Roman „Dracula“ und erzählt die Geschichte des Grafen Orlok, eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen entbrennt und Schrecken über ihre Heimatstadt Wisborg bringt. Nosferatu gilt als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms und übte mit seiner visuellen Gestaltung einen großen Einfluss auf das Genre aus. Zugleich gilt das Werk mit seiner dämonischen Hauptfigur und seiner traumartigen, gequälte Seelenzustände spiegelnden Inszenierung als eines der wichtigsten Werke des Kinos der Weimarer Republik und des deutschen Expressionismus. Wir zeigen die 2007 aufwändig restaurierte digitale Fassung.

Tod und Verderben

Thomas Hutter ist Sekretär eines Maklers in Wisborg und lebt dort glücklich mit seiner Frau. Eines Tages schickt ihn sein Chef auf eine Dienstreise nach Transsylvanien, um mit dem Grafen Orlok über den Kauf eines Hauses zu verhandeln. Ellen, seine Frau, ahnt nichts Gutes, sie spürt die Gefahr, in die ihr Mann sich begibt, kann ihn aber nicht zurückhalten. In einem Gasthaus in den Karpaten warnt ihn der Wirt ebenfalls vor dem Grafen, und die Wirtin gibt ihm ein Buch über Nosferatu, den blutsaugenden Vampir. Der Graf empfängt Hutter in seiner Burg zu einem nächtlichen Abendessen, und er unterzeichnet den Kaufvertrag. Als Hutter aber am nächsten Morgen im Schloß erwacht, entdeckt er kleine rote Male an seinem Hals und ahnt, welchem Grauen er gegenübersteht: Orlok ist ein Vampir. In der zweiten Nacht überfällt Orlok ihn in seinem Schlafzimmer – und am nächsten Morgen belädt der Graf einen Pferdewagen mit Särgen und eilt davon. Da verläßt auch Hutter fluchtartig das Schloß, denn er hat Angst, daß das Gespenst auf dem Weg zu seiner Frau ist. Eines Tages legt ein führerloses Geisterschiff in Wisborg an, dessen Fracht Pest, Tod und Verderben über die Bewohner bringt. Graf Orlok ist angekommen, und mit ihm wütet die Pest in der Stadt. Ellen erkennt die Herausforderung, und um das unheilvolle Schicksal aufzuhalten, opfert sie sich und gibt sich dem Vampir hin. In den ersten Sonnenstrahlen des neuen Morgens löst sich die mysteriöse Gestalt in Nichts auf. (Murnau Stiftung)

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Zwischen Komposition und offener Form

Der aus Osttirol stammende Komponist, Orgelvirtuose und Vollblutmusiker Wolfgang Mitterer tourte mit seiner Filmmusik zu „Nosferatu“ (einem Auftragswerk des Konzerthauses Wien) mit großem Erfolg durch Europa. Mitterer lebt in Wien. Er studierte Orgel, Komposition und Elektroakustik in Wien und Stockholm und gehört in Österreich nicht nur zu „den“ Spezialisten für Elektronik, gleichermaßen virtuos an Tasten und Reglern, sondern auch zu den innovativsten Komponisten. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Komposition und offener Form, neben Orgel- und Orchesterstücken, einem Klavierkonzert oder einer Oper hat er elektronische Stücke produziert, Klanginstallationen konzipiert, in diversen Formationen kollektive Improvisation betrieben und eine Sprache der Extreme, der Spannung, der Vielschichtigkeit entwickelt. Seine Experimentierfreudigkeit bringt ihn dazu, Gegensätzliches zu unvorhersehbaren musikalischen Ereignissen zusammen zu spannen, etwa, indem er in einer groß angelegten Komposition Musikkapellen und Kinderchöre spezialisierten Instrumentalisten und Sängern gegenüber stellt, während er selbst über Ringbeschallung den Raum mit live electronics bespielt. Zu weit mehr als einem spektakulären Event macht das seine musizierende Präsenz sowie die hohe Intensität und Komplexität seiner Musik, die unter die Haut geht. Das Aushorchen von leisen Klängen hat ebenso Platz wie das „Montieren“ explodierender Klangfetzen „im Hirn“ der Hörer. Weitab von Gefälligkeit ist Mitterers Musik doch zuweilen unheimlich-schön.

Die Veranstaltung „Film im Dom“ findet heuer statt dem traditionellen Open Air Filmfestival „Film am Dom“ statt, das aufgrund der archäologischen Grabungen pausiert und geplanterweise 2015 das nächste Mal Filmgenuss unter freiem Himmel bieten wird.

Info | www.cinema-paradiso.at

Rubrik:: Kultur

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