20.07.2014 0 Kommentare

Geschäfte am Land: „Nahversorger tragen wesentlich zum sozialen Leben am Land bei.”

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Foto: momosu / pixelio.de

| Nahversorger sind auch für das soziale Leben am Land wichtig. Werden die Geschäfte am Land weniger, wird es auch kein soziales Leben mehr geben. Wirtschaftsexperte Peter Schnedlitz über einen rasanten Verdrängungsprozess.

„Die Nahversorger tragen wesentlich zum sozialen Leben am Land bei. Wenn die Geschäfte am Land weniger werden, und da spricht vieles dafür, wird es auch kein soziales Leben mehr geben. Die Geschäfte sind ja mindestens so wichtig wie das Gasthaus oder die Kirche.“ Das sagt Peter Schnedlitz, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, dem NÖ Wirtschaftspressedienst zum Verdrängungsprozess des Online-Handels. Während dieser – obgleich nur langsam – ständig zunehme, gehe die Zahl der Nahversorger am Land rasant zurück – ein Trend freilich, der sich nicht nur in den ländlichen Regionen Niederösterreichs bemerkbar mache.

Als Beispiel eines gescheiterten Versuches, genau dort am Land, wo sonst nichts los ist, wieder Geschäfte zu etablieren, nennt der Marketing- und Handelsexperte den Drogerie-Fachmarktkonzern Dayli. Diesem sei es im letzten Jahr nicht gelungen, in den ländlichen Regionen aus den Schlecker-Filialen eine neue Geschäftsform zu entwickeln, wo man neben Drogerieprodukten auch Essen und Trinken für den schnellen Einkauf anbieten wollte. „Die Dimension des Begriffes Nahversorgung hat sich verändert. Früher waren das die Geschäfte, wohin man zu Fuß gegangen ist. Heute sind es Standorte, die in wenigen Fahrminuten erreichbar sind“, so Schnedlitz.Aber auch da bleiben manche Konsumenten buchstäblich auf der Strecke. „Natürlich gibt es ein paar, die da nicht berücksichtig werden. Das sind die nicht mobilen, zumeist alten Leute“, meint der WU-Professor. Diese Personen würde auch der Online-Handel nicht zufrieden stellen können, denn auch dieser erfordere eine hohe Frequenz und eine große Agglomeration. „Online-Erfolge können in Österreich nur jene erzielen, die sich auf Wien konzentrieren, nicht einmal im Wiener Umland kann sich das rechnen“, meint er.

Langfristiger Erfolg schwer

Schwachpunkte seien dabei immer die Logistik und deren hohe Kosten. Als Beispiel nennt Schnedlitz den gescheiterten „Rollenden Supermarkt“ mit Sitz in Groß-Ebersdorf. Von der ursprünglichen Idee, große Regionen des Weinviertels zu versorgen, habe man viel reduzieren müssen. „Die hohen Zustellgebühren tragen dazu bei, dass solche Projekte nur schwer langfristig Erfolg haben können. Aber auch die Tatsache, dass es in Österreich üblich ist, dass die Zustellung nur zwischen 18:00 Uhr 19:30 Uhr erfolgen darf, ist nicht hilfreich gewesen“, erklärt der WU-Professor.

Sollte sich das allerdings eines Tages ändern, „dann könnte die Post der wichtigste Arbeitgeber werden“, so Peter Schnedlitz. „In der Früh liefert sie das Billa-Sackerl, zu Mittag das Eis und am Abend die Zalando-Schuhe. Aber auch die Post liefert nur, da sie wirtschaftlich rechnet, in bevölkerungsreichen Regionen und Städten.“ (jm)

Info | www.wu.ac.at

Rubrik:: Panorama

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