10.11.2014 0 Kommentare

„Haltet durch, bis die Mauer fällt!“ – ein Staat mit unterschiedlichen Nationalgefühlen.

667706_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

25 Jahre Mauerfall. Vor dem Mauerfall war Deutschland eine Nation mit zwei Staaten. Seit 25 Jahren ist es ein Nationalstaat mit zwei unterschiedlichen Nationalgefühlen.

Von Robert Voglhuber

US Präsident Kennedy war sehr couragiert, als er sich in seiner berühmten Rede vor dem Schöneberger Rathaus am 26. Juni 1963 zu den Kommunisten wandte und anfing, ihr System zu kritisieren und klar zu machen, wie brutal es ist, Menschen voneinander zu trennen und dass Deutschland kein freies Land ist, solange die Mauer steht. Er erklärte den Bürgern, was unter Freiheit zu verstehen ist und dass sie durchhalten sollen, bis die Mauer fällt. Fünf Monate später, am 22. November desselben Jahres fiel er einem Attentat zum Opfer.

Wie kam es zur Mauer? 1949 war in der Sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik entstanden. Die Kommunistische Partei unter Walter Ulbricht hatte die anderen Parteien gezwungen, sich mit ihr zur SED, der Sozialistischen Einheitspartei, zu vereinen. Im Zuge der Einführung des Sozialismus wurden Privatbetriebe weitgehend verstaatlicht und eine Planwirtschaft errichtet. Das bedeutete unter anderem auch die Festlegung von Arbeitsnormen, das heißt, jeder war verpflichtet, eine bestimmte Arbeitsleistung zu erbringen. Im Juni 1953 wurden diese Normen erhöht. Auf Berliner Baustellen kam es zu ersten Streiks, die bald auf das ganze Land übergriffen. Schließlich demonstrierte ein Großteil der Bevölkerung gegen die Regierung. Daraufhin schlugen russische Truppen den Aufstand nieder.

Flucht unter Lebensgefahr

Massenflucht war die Folge. Bis zur Errichtung der Berliner Mauer 1961 verließen ca. 2, 7 Millionen Menschen die DDR. Die Gründe sind allgemein bekannt: Unzufriedenheit, Unfreiheit, Verfolgung Andersdenkender, Verstaatlichung von Industrie und Handel, Kollektivierung der Landwirtschaft, Versorgungskrisen und eben die Ereignisse am 17. Juni 1953. Die Hälfte der Flüchtenden war jünger als 27 Jahre. Meist qualifizierte Arbeitskräfte, die in Westdeutschland gute Bedingungen vorfanden. Diese Fachleute fehlten dann in der DDR, deren wirtschaftliche Existenz allmählich bedroht wurde. Die Mauer schloss die letzten offenen Stellen zwischen den Grenzen. Die Flucht in den Westen war nur unter Lebensgefahr möglich, denn ein Schießbefehl verpflichtete die Wachsoldaten dazu, Fluchtversuche auch mit der Waffe zu verhindern. DDR-Bürger wurden nun von ihren Freunden, Verwandten, Bekannten getrennt. Nach dem Bau der Mauer wurden bemerkenswerte Fortschritte verzeichnet. Innerhalb des Ostblocks hatte die DDR den höchsten Lebensstandard. Trotzdem konnte sie mit ihrer schwerfälligen Planwirtschaft den Wettlauf mit dem Kapitalismus nicht gewinnen. Die DDR verschuldete sich auf dem internationalen Finanzmarkt. Das bekannteste Beispiel war der 1983 von Franz Josef Strauß eingefädelte BRD-Milliardenkredit. Für die Rückzahlung musste das Regime die Investitionen im Land drosseln.

Selbstbescheidung in Genügsamkeit

Die Infrastruktur verfiel zusehends. So waren von 14.000 km Schienennetz Ende der 80er Jahre 2600 km nur für Langsamfahrten geeignet. Güter, die für den heimischen Markt gedacht waren, mussten exportiert werden. Das Warenangebot im Lande verschlechterte sich. Sogar an Dichtungsringen für Toilettenspülung herrschte Mangel. Die Unzufriedenheit wuchs. An Aufruhr aber dachte noch niemand. Die Menschen hatten sich in 40 Jahren SED-Regierung eingerichtet in einer “Resignation, die zur Bejahung des Bestehenden neigte. Die Beherrschten hatten gelernt, sich in Genügsamkeit zu bescheiden“, schrieb der DDR-Schriftsteller Günter de Bruyn im Rückblick.

Linientreue wurde überprüft

Aber viele wollten nach drüben. Das hatte Gefängnis zur Folge. Manche wurden von BRD-Freunden freigekauft. 3,4 Milliarden Mark wurden insgesamt während des Bestehens der Mauer aufgewendet, um Ossis aus der Haft auszulösen. DDR-Bürger bekamen regelmäßig STASI-Besuch zur Überprüfung ihrer Linientreue. Dann kam der Auftritt Erich Honeckers am 7. Oktober zum 40- jährigen Bestehen der DDR mit einem versteinerten Ehrengast Gorbatschow im Palast der Republik, bei dem Honecker prophezeite: „Die DDR wird die Schwelle zum Jahr 2000 mit der Gewissheit überschreiten, dass dem Sozialismus die Zukunft gehört.“ Draußen skandierte die Menge: „Gorbi, Gorbi!“ und „Wir sind das Volk!“ Einen Monat später,  am 9. November 1989, fiel die Mauer. In dieser Nacht war das deutsche Volk das glücklichste der Welt.

Rubrik:: Panorama

Kommentar verfassen

Zur Gewährleistung eines respektvollen Umgangs behält sich das Redaktionsteam vor, Kommentare gegebenenfalls zu entfernen.