12.02.2016 0 Kommentare

Neue Kulturhotspots: Ein Haus der Geschichte für Österreich.

Nach langer Vorbereitungszeit wetteifern die Republik Österreich und das Land Niederösterreich nun darum, ihre Geschichte jeweils in einem eigenen Museum zu präsentieren. Damit soll ein wichtiges kultur- und bildungspolitisches Signal gesetzt werden.

von fritz haselsteiner

Foto: bundesheer.at

Foto: bundesheer.at

Österreich – ein Land der Museen? In der Tat ist die Museumsdichte bei uns beachtlich und vielleicht Ausdruck der Geisteshaltung, dass der Österreicher „voll Zuversicht in die Vergangenheit blickt“ (Karl Farkas). Was aber trotz reichhaltigem Angebot bisher noch fehlt, ist ein „Haus der Geschichte“, das vor allem die je nach Parteizugehörigkeit sehr unterschiedlich wahrgenommene Geschichte des 20. Jahrhunderts darstellen würde. Man denke nur an die Geschehnisse des Bürgerkriegs von 1934 mit dem bis heute umstrittenen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Nun scheint es aber ernst zu werden mit dem Haus der Geschichte. Allerdings stehen jetzt gleich zwei Projekte zur Diskussion.

Projekt Heldenplatz in Wien

Im November 2018 jährt sich nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Zerfall der Donaumonarchie zum hundertsten Mal der Geburtstag der Republik Österreich. Bis dahin soll es zu einer grundlegenden Neugestaltung des Heldenplatzes und Teilen der Neuen Hofburg kommen, wofür nicht weniger als 111 Millionen Euro vorgesehen sind. Unterirdisch wird es einen Bücherspeicher für die Österreichische Nationalbibliothek sowie eine Tiefgarage geben. Weiters soll das Äußere Burgtor mit Krypta und Weiheraum in das neu zu schaffende Haus der Geschichte Österreichs (mit einer Ausstellungsfläche von 3.000m²) einbezogen werden. Kritiker des Projektes wenden unter anderem ein, dass der Raum für das Haus der Geschichte auf Kosten des verkleinerten Weltmuseums (früher: Völkerkundemuseum) geht. Auch in Planung, aber, was seine Zielsetzung betrifft, noch eher diffus – ein „Haus der Zukunft“. Es soll zu einer „Signatur unserer Zeit“ werden und „einen aktiven Dialog zwischen Politik und Gesellschaft“ ermöglichen.

Inhaltliche Zielsetzungen

Dieses „Haus“ vermittelt die Geschichte Österreichs ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem besonderen Schwerpunkt auf der Zeit von 1918 bis in die Gegenwart in ihrem europäischen und internationalen Zusammenhang. Laut Oliver Rathkolb, Professor für Zeitgeschichte an der Uni Wien und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats, soll das Museum unsere nationale Geschichte in Frage stellen und kritisch beleuchten. Mit der Frage „Wer sind die Österreicher?“ und dem Hinweis auf unsere schon seit dem 19. Jahrhundert bestehende pluralistische Gesellschaft empfängt der Eingangsbereich den Besucher.

Im Ersten Stock beginnt ein Rundgang durch die Dauerausstellung mit drei Themen: „Demokratieentwicklung“, „Kriege, Gewalt und Friedensbewegungen“ sowie „Nationalsozialismus und Holocaust“. Mit kritischem Blick werden Themen angesprochen, denen in der Öffentlichkeit gerne ausgewichen wird, so zum Beispiel die verspätete Auseinandersetzung mit der Rolle Österreichs als Opfer und Täter während des Dritten Reichs. Thematisiert wird auch die soziale Frage, etwa die noch immer vorhandene Ungleichheit in der Bezahlung von Mann und Frau, ein kulturhistorischer Abschnitt wie auch der Bereich Migration. Ergänzend wird es Wechselausstellungen geben, als erste die Politik Österreichs zum Nahen Osten vom 18. Jahrhundert
bis in die Ära Kreisky.

Museum Niederösterreich

Das Haus der Geschichte Niederösterreichs steht unmittelbar vor seiner Realisierung. Nach der Übersiedlung der Bildenden Kunst nach Krems soll es schon ab Mai 2017 auf 3.000m² Ausstellungsfläche im derzeitigen Landesmuseum in St.Pölten seinen Betrieb aufnehmen. Ein Fachbeirat mit dem angesehenen Historiker Stefan Karner an der Spitze hat das Konzept erstellt – die Geschichte Niederösterreichs und seine zentraleuropäischen Bezüge. Die Schau beginnt zwar mit der ersten Besiedlung des Landes, ist aber dann nicht streng chronologisch, sondern eher nach Themen aufgebaut. Der Besucher soll in einer offenen Raumstruktur zu einer Reise in die Vergangenheit eingeladen werden. Ein 600 m² großer „Vertiefungsraum“ wird sich wechselnden Schwerpunkten widmen, als erstes ist die Zwischenkriegszeit 1918 bis 1938 vorgesehen. Insgesamt werden 3 Millionen Euro investiert, man erhofft sich um die 100.000 Besucher im Jahr. Nieder­österreich scheint jedenfalls die Wiener Konkurrenz bzw. eine mögliche Doppelgleisigkeit nur 60km entfernt nichts auszumachen.

Rubrik:: Kultur

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