14.07.2015 0 Kommentare

Großartige Chemie: Singer/Songwriterin Heather Nova über ihr bereits neuntes Album im Gespräch.

Das momag traf die sympatische Singer/Songwriterin von den Bermudas in Wien und sprach über Interpretationen, Trends und den Weg von der Idee zum fertigen Song.

Aus rund 300 Song-Fragmenten entstand ihr aktuelles Album. Foto: Heather Nova

Aus rund 300 Song-Fragmenten entstand ihr aktuelles Album.
Foto: Heather Nova

Ich finde, dass „The Way It Feels“ es ein sehr trauriges Album geworden ist.

Das stimmt. Als ich es schrieb, realisierte ich das noch gar nicht. Es handelt davon, dass ich mich an etwas festhalte, das mir aber entgleitet. Ganz ehrlich geht es darum, meine Ehe zu retten. Manche meinen, es sei sehr verträumt. Darauf sag‘ ich dann immer nur: „Ja?“ (lacht) Aber die Traurigkeit schwingt mit.

Für dein letztes Album hast du rund vierzig Songs geschrieben, wie viele waren es diesmal?

Ungefähr dreißig. Ich gehe täglich spazieren, um meinen Kopf freizubekommen und da sammle ich auch immer Ideen, die ich in mein Handy reinsinge. So kommen viele Song-Fragmente zusammen, rund dreihundert diesmal. Es ist eine ziemliche Herausforderung, hier dann die Sachen rauszufiltern, aus denen ich Songs mache. Einen Song fertigzustellen ist der schwierige Teil, damit zu beginnen fällt mir sehr leicht.
Wenn ich sehr beschäftigt bin, kann es schon mal länger dauern. Ich bin Mutter, ich muss das Haus sauber halten, den Garten pflegen und all die Sachen. Für dieses Album habe ich rund ein Jahr lang Songs geschrieben. Dann muss ich die besten raussuchen und die noch „polieren“. Ich bin eine echte Perfektionistin, was das angeht und verbringe sehr viel Zeit damit. Ich modelliere meine Songs regelrecht.

Du scheinst auf musikalische Trends überhaupt nicht zu achten?

Nein, gar nicht, da bin ich überhaupt nicht auf dem Laufenden. Musik soll von Trends völlig unabhängig sein, sie kommt tief aus mir. Auch bei der Produktion selbst denke ich nie: „Welches Genre wird das? Wird‘s ein Pop-Album, oder Rock, Folk, Country?“ Darum war es auch so wunderbar, mit den Leuten, die ich für dieses Album traf, zusammenzuarbeiten. Die habe ich mir ganz bewusst ausgesucht. Von William Fitzsimmons, einem Indie-Künstler, hab ich mir „Gold in the Shadows“ angehört. Immer wieder, da ich den Sound und die Atmosphäre dieser Platte liebe. Und genau diese Art von Produktion wollte ich bei meinem neuen Werk auch. Ich hab‘ mir also die Produzenten rausgesucht und dann bei denen zu Hause gearbeitet. Das war in Charleston, South Carolina. Kennst du das, wenn du eine Entscheidung triffst und wenn es die richtige war, passiert alles andere wie von selbst? Und du weißt, dass alles gut ist. William war der erste Musiker, den ich mir für das Album geholt habe und ich wollte schon immer einmal nach Charleston. Als ich ihn fragte, ob ich kommen darf um ein paar Songs mit ihnen durchzugehen, stimmten sie sofort zu. Es gab sofort eine großartige Chemie zwischen uns. Es ist wie bei jeder Beziehung, entweder es macht Klick oder nicht. So auch bei einer musikalischen Beziehung. Wenn ich ein Album mache, dann bin ich bei jedem Arbeitsschritt dabei. Selbstverständlich. Man muss aber auch den Leuten, die mitarbeiten, sein Vertrauen schenken. Sie bringen auch neue Ideen mit ein, was sehr spannend sein kann. Ich habe da wunderbare Musiker gefunden, die alle Instrumente einspielen konnten. Sie spielten Schlagzeug, Bass, Piano, Harmonium, Banjo, Ukulele, einfach alles. Und jedes Mal, wenn sie einen Teil fertig hatten, sagte ich nur: „Ja!“ Es kam nur sehr selten vor, dass ich mit einem Teil mal nicht zufrieden war. Wir haben denselben Geschmack.

Foto: Jürgen Rottensteiner

“Kennst du das, wenn du eine Entscheidung triffst und wenn es die richtige war, passiert alles andere wie von selbst?” Foto: Jürgen Rottensteiner

Würdest du auch mit jemandem zusammenarbeiten, wenn es nicht klickt?

Nein, das habe ich schon getan und manchmal steckt man dann in einer Partnerschaft fest. Das spürt man auch in den Songs. Vielleicht ist der Song sogar catchy und wird im Radio gespielt, aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas. Ich weiß nicht, das ist schwer zu beschreiben.

Was war die größte Herausforderung beim neuen Album?

Die richtige Reihenfolge der Songs zu finden. Da bin ich noch sehr Old School. Es gibt ja noch Leute, die ein Album ganz durchhören und darum einen roten Faden wollen.

Hörst du dir gerne andere Singer/Songwriterinnen an?

Ja, doch, immer wieder mal. Ich hab‘ mir da eine Liste zusammengestellt, denn ich wusste, dass diese Frage kommt (lacht). Und da ich wusste, dass ich die Künstlerinnen vergessen werde, hab‘ ich eine Liste. First Aid Kit aus Schweden, die sind wirklich cool. Oder Agnes Obel aus Dänemark. Jetzt weiß ich nicht, wo ich meine Liste hab‘ (lacht). Sharon Van Etten oder Angus and Julia Stone mag ich auch sehr im Moment.

 

interview | petra ortner

web | heathernova.com

Rubrik:: Kultur

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