15.03.2016 1 Kommentar

Einzig wahre Herzensheimat: Auf den Spuren von Marie von Ebner-Eschenbach.

Das Schloss Zdislavice in Mähren war ein nie versiegender Quell an Anregungen für ihre Dichtung. Ein Reisebericht.

Zum Schloss Zdislavice, dem Geburtsort von Ebner-Eschenbach, führte eine spannende Reise durch scheinbar endloses Hügelland Foto: Robert Voglhuber

Zum Schloss Zdislavice, dem Geburtsort von Ebner-Eschenbach, führte eine spannende Reise durch scheinbar endloses Hügelland
Foto: Robert Voglhuber

von robert voglhuber

Eine lange Reise führt mich zu Marie von Ebner-Eschenbach. Sie starb 1916 – am 12. März ist ihr 100. Todestag. Die bedeutende österreichische Dichterin lebte in Wien, ihre „einzig wahre Herzensheimat“ aber war das Dorf Zdislavice in Mähren, südwestlich von Kremsier unweit von Austerlitz, wo 1805 die Drei-Kaiser-Schlacht stattfand und Napoleon den Sieg davontrug. In Zdislavice steht ein altes Schloss, wo Marie von Ebner-Eschenbach am 13. September 1830 zur Welt kam und in ihrem Todesjahr 1916 im Mausoleum des Schlossparks beigesetzt wurde. Dorthin sind es von Amstetten zirka 300 Kilometer.

Ich machte in Brünn/Brno einen Zwischenstopp, um die Galerie des Mährischen Museums zu besichtigen. Eine äußerst interessante Ausstellung mit Werken von Maulpertsch, Rubens, Cranach. Die „Entführung“ von Maulpertsch oder „Das Haupt der Medusa“ von Rubens sind eine Wucht! Ich parkte das Auto in Zentrumsnähe und wie es der Zufall will, stoße ich in derselben Häuserzeile auf eine Gedenktafel: Hier wohnte Robert Musil. Insider kennen den großen österreichischen Schriftsteller von seinem berühmten Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Das Lieblingswerk von Bruno Kreisky, wie er einmal sagte. Danach geht meine Reise weiter in die Idylle Mährens über Landstraßen 60 Kilometer östlich von Brünn direkt zum Schloss Zdislavice. Ein endloses Hügelland. Null Verkehr. Das Navi ist so präzise, dass es exakt vor dem verrosteten Gittertor des Schlossparks „Ziel erreicht“ meldet.

Auf Sommerfrische in Mähren

Dort kam die Dichterin zur Welt und dort hielt sie zeitlebens allsommerlich immer wieder Einkehr. Heute ist das Schloss verfallen. Es scheint sich niemand um diesen Gedenkort zu kümmern. Es ist in Privatbesitz, die Eigentümer dürften nach Brasilien ausgewandert sein. Im Schlosspark weidet eine Schafherde und blökt vor sich hin. Einlass ist nicht möglich. Ein Hirtenhund hält die Herde im Zaum. Er erinnert an den „Krambambuli“, eine der Meistererzählungen von Ebner-Eschenbach. Die rührende Geschichte über den Jagdhund Krambambuli wurde 1998 mit Tobias Moretti und Gabriel Barylli verfilmt. Den Hund gab es wirklich. Der Schlossherr hat ihn umherziehenden Zigeunern abgekauft, nachdem er mitansehen musste, wie sie ihn schlecht behandelten.

Besuchenswertes Uhrenmuseum in Wien

Marie Ebner-Eschenbach war schon sechzig als sie ihre ersten literarischen Erfolge errungen hatte. Sehr bekannt sind ihre „Aphorismen“. Auf die Frage einer ihrer Verwandten, wie lange sie dazu gebraucht habe, entgegnete sie: „Annähernd 35 Jahre.“ Mit einem Klang von Geringschätzung in der Stimme – so wird in einem Nachwort in einem Reclam-Heft festgehalten: „Merkwürdig! Wenn ich mich zu etwas Derartigem hinsetzen würde, wäre ich in 8 Tagen damit fertig.“

Eines steht fest: Hätte die Dichterin ihre Aphorismen in nur 8 Tagen geschrieben, hätten sie keine allzu nachhaltige Wirkung gehabt. Beispielsweise haben das schmale­ Bändchen als wahren Lebensführer Soldaten im Ersten Weltkrieg mit sich geführt. Ein beredteres Zeugnis für dessen Wert lässt sich wohl kaum ausstellen. Neben ihrem literarischen Schaffen war Eschenbach auch eine begeisterte Uhrensammlerin. An die Kirche Am Hof in Wien ist ein kleines Häuschen angebaut, das eine ansehnliche Uhrensammlung beherbergt. Ein beträchtlicher Teil des Uhrenmuseums stammt aus ihrer Sammlung.

Am 12. März starb sie, nachdem sie sich von allen verabschiedet hatte, aufrecht in ihrem Kissen sitzend bei vollem Bewusstsein, mit einem klaren, in die Ewigkeit gerichteten Blick. So beschrieb es Karl Dubsky, ein Neffe der Dichterin.

Rubrik:: Kultur

1 Kommentar zu "Einzig wahre Herzensheimat: Auf den Spuren von Marie von Ebner-Eschenbach."

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  1. susanne.kollmann sagt:

    Krambambuli ist sehr rührend, aber meine “Lieblingserzählung” ist: Er lässt die Hand küssen. Sagt einiges aus über die damalige Lebensauffassung.

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