14.09.2016 0 Kommentare

Herzerhebender Liedvortrag

Den Auftakt der Reihe Klangraum im Herbst 2016 unter der Festivalleitung von Thomas Bieber gaben am 31. August Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager und Robert Lehrbaumer am Klavier.

Foto: Robert Voglhuber

Foto: Robert Voglhuber

„Ein Bild! Ein Bild! Mein Pferd für`n gutes Bild“. Das waren die Worte von Heinrich Heine als er die Sprachnot überwinden wollte. Er suchte das unverbrauchte, originelle, authentische Bild. Eine Poesie, die in Bildern spricht. So auch die Liedtexte an diesem Abend im Kristallsaal. Jeder Liedtext erzählt eine eigene Geschichte. Dabei entstehen Stimmungen besonderen Reizes. Das war damals in der Romantik und das war jetzt im Kristallsaal. Ein Lied von Heine, „Neue Liebe“, vertont von Felix Mendelssohn Bartholdy, sang Angelika Kirschschlager. Weiters waren zu hören romantische und geistliche Liedtexte unter anderem von Joachim Heinrich Campe, Goethe, Lorenzo da Ponte, Ignaz Franz Castelli, Wilhelm Müller, Friedrich von Schlegel und Nikolaus Lenau, vertont von Mozart, Schubert, Dvořák, Bruckner, Brahms und Liszt. Bei Franz Schuberts Welthit und Dauerbrenner Ave Maria hörte das Publikum mit einer Andacht zu wie in der Kirche. Auch bei anderen Liedern versank die Gegenwart und sie durchdrangen die Nerven mit leisem Schauern. Bei den herzerhebenden Liedern zum Lobe Gottes und Mariens schien ein besonderer Lichtstrahl in unser Inneres zu fallen, mit einer gewissen erhabenen und ruhigen Wehmut. So haben unsere tiefsten Seelenlamellen auch die weltlichen Kunstliedperlen mit schönen Harmonien umschlungen in einer wunderbaren Mischung von Fröhlichkeit und Traurigkeit. Die künstlerische Symbiose von Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager mit Robert Lehrbaumer ist perfekt. Die Beiden kamen quasi zwillingsmäßig daher. Die gemeinsam erarbeiteten Interpretationen der romantischen Kunstlieder wirkten ebenso kongruent wie kohärent und bis in die feinste subtilste Gestaltungsmöglichkeit  austariert, mithin das wunderschöne Timbre ihrer Stimme und seine bombensichere Technik am Klavier. Kirchschlagers Gesang ist immer kontrolliert, aber mit echter Leidenschaft und auch physisch hohem Einsatz bei dramatischen Ausbrüchen. Einfach zum Niederknien. Ich muss gestehen, dass ich bei manchen Tönen den Tränen nahe war. „Die Sehnsüchte müssen ins Freie, ohne Zurückhaltung, in den herbstlich umhüllten Klangraum“, schreibt Intendant Thomas Bieber im Programmheft. Den Klang der Sehnsüchte aus dem Herzen über die Stimme weiterzugeben, ist eine Fähigkeit, die im künstlerischen Schaffen der Beiden auf bezeichnende Weise zur Geltung kommt. Ein großartiger exzeptioneller Liederabend! Unvergesslich.

von robert voglhuber

termine | klangraumimherbst.at

Rubrik:: Kultur

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