04.05.2014 0 Kommentare

“Hirn fein hacken, das passt genau!”: Das neue Album der Rock-Formation “BulBul” ist da.

BulBul

BulBul-Gründer und Gitarrist Raumschiff Engelmayr mit Petra Ortner. Foto: Peter Riel jun.

BulBul | Die ursprüngliche „Ein-Mann-Band“ aus Wels wuchs bald zum Trio und gehört seither zu den interessantesten Gruppen, die in Österreich ihr Unwesen treiben. Die Musik ist ein Konglomerat aus Rock, Noise, Psychedelic und noch vielem mehr. Das momag sprach mit Gründer und Gitarrist Raumschiff Engelmayr über das aktuelle BulBul-Album.

 

 

Euer neues Album heißt „Hirn fein hacken“. Wie kam es zu diesem Titel?

Ich habe den „Plachutta“ aufgeschlagen und bin über ein Rezept für Hirn gestolpert. Der erste Arbeitsschritt ist „Hirn fein hacken“. Ich dachte nur: „Das passt genau!“ Ich hab‘ da so ein Büchlein zuhause wo ich mir einfach so Sachen aufschreibe. Da stehen manchmal vier, fünf Jahre lang irgendwelche Sachen drinnen und irgendwann passt es dann auf einmal. Da schreibe ich aber auch rein, was ich einkaufen soll oder was ich mitnehmen muss, wenn ich ins Waldviertel fahre. Da gibt es ein paar so Büchlein.

Hast du auf dem neuen Album einen „Favorite Song“?

Mein Lieblingslied ist „Fisole“. Unsere Lieder haben einen Groove und sind treibend. „Fisole“ dagegen ist total zerstückelt und es fällt alles auseinander. Das gefällt mir ziemlich gut. Es ist auch das spontanste Lied auf der Platte. Der Sound, der dieses Lied trägt, ist ein Tennisschläger, eine Tennisschläger-Gitarre. Da ist eine Saite drauf, elektrisch verstärkt. Und unser Bassist Derhunt verwendet diesen Schläger als Bass. Das schaut auch sehr lustig aus. Er hatte dann auch gleich einen Plan was Didi auf dem Schlagzeug spielen soll, so stolpernd irgendwie.

Der Song „Uhu“ ist sehr groovig.

Ja, auch das ist eines dieser spontanen Lieder. Das ist auch wieder auf Derhunts Mist gewachsen, der da einen neuen Effekt ausprobiert hat. Uns hat auch schon jemand gesagt, dass ihm dieser Song zu funky ist.

Wenn du BulBul in eine musikalische Schublade stecken müsstest, wo würdest du deine Band am ehesten hintun?

Also wenn unser Album irgendwo stehen muss, dann sage ich beim Rock. Wir verwenden zwar die Formen nicht unbedingt vom Aufbau her, aber von den Harmonien her sind wir doch schon immer knapp dabei. Einfache Musik, würde ich sagen (lacht). Wir hören uns ja alles an, was es so gibt. Wir sind nicht auf irgendetwas festgefahren. Jeder von uns dreien hört ganz unterschiedliche Sachen.

Du hast 1996 BulBul gegründet.

Das war sehr lustig, weil ich am Anfang alleine gespielt habe und dabei allerhand Gerätschaften mitgenommen habe auf die Bühne. Da war zum Beispiel immer ein Staubsauger mit dabei. Dann hatte ich einen Umzugskarton voll mit Eisengerümpel auf meinem Verstärker stehen. Nach und nach habe ich dann die Sachen auf der Bühne verteilt und das hat auch Sound gemacht. Da gab es ein Lied, bei dem ich auf Eisenstücken herumspringe. Es waren komische Konzertsituationen. (lacht) Es ist fast immer etwas schiefgegangen, weil ich ja voll viele Sachen hatte. Auch Sampler und Drumcomputer. Ich habe keine Minidisc abgespielt, sondern immer riesen Kisten mitgeschleppt. Nach einem Jahr alleine hat es mir aber gereicht und ich habe gemerkt, dass ich da andere Leute brauche. Leute, die mir Rückhalt geben.

Wie bist du auf den Namen BulBul gekommen?

Ich habe viele Bücher von Flann O’Brien gelesen und das ist ein Wort, das in einem Dialog im Buch „Der dritte Polizist“ vorkommt. In dem Buch will einer etwas klauen und das explodiert aber und die Hauptfigur stirbt bei dem Unfall. Und dann passieren ganz komische Sachen, wie zum Beispiel dass wenn ein Mensch und ein Ding in einer Beziehung zueinander sind, sich die beiden immer mehr einander annähern. Also das Fahrrad wird immer mehr zum Menschen und der Mensch immer mehr zum Fahrrad. Die Hälfte dieses Buches sind Fußnoten, die ein ganz wichtiger Bestandteil des Buches sind. Und in einem Dialog kommt eben dieses Wort BulBul vor und das hat mir irgendwie gefallen, weil man da irgendwie an einen Bullen denkt und in Wirklichkeit ist es aber ein Vogel. Das hat mir gefallen. Das ist wie Led Zeppelin. Oder Iron Butterfly. BulBul ist eine Nachtigall.

Auch euer Coverartwork fällt immer wieder ins Auge. Wie kommt es, dass die CDs oft sehr aufwändig verpackt sind?

(lacht) Wirkt das so? Mir liegt sehr viel an der Gestaltung. Das ist ein Hobby von mir. Wir haben auch immer wieder verschiedene Versionen der Covers, machen Siebdruck und so. Wir sind zum Teil in einem Künstler-Umfeld zuhause, wo das verwirklicht wird. Unser Label „Rock Is Hell“ hat auch einen totalen Faible für solche Sachen. Die machen Limited Editions, wo alles anders aussehen muss und wo die Vinyl-Farbe anders sein muss als bei der normalen Auflage und so weiter. Früher habe ich auch kleine Covers für Mini-Discs entworfen, die dann auch in Design-Büchern publiziert wurden.

Wer von euch ist auf die Idee gekommen, in Hühnerkostümen oder Frauenkleidern aufzutreten?

Die Hühnerkostüme kommen von Derhunt, unserem Bassisten. Wir wollten sie eigentlich nur für einen Auftritt im Röda in Steyr. Da gab es irgendetwas, entweder Hochwasser, oder die Subventionen sind gekürzt worden oder beides gleichzeitig. Im Schlachthof in Wels haben wir eine Performance in Hühnerkostümen gemacht. Aber man verspielt sich dauernd mit diesen Dingern. Der Schnabel geht weit über den Kopf und die Sicht ist sehr eingeschränkt.

Ihr habt Auftritte in ganz Europa.

Ja, es beschränkt sich auf Europa. Hin und wieder hinauf in den Norden, manchmal runter in den Süden, aber die meisten Auftritte sind in Mitteleuropa.

Das Publikum ist sicher je nach Land recht unterschiedlich, oder?

In Deutschland zum Beispiel funktioniert BulBul im Osten ziemlich gut, in Dresden, Leipzig und Berlin und der Gegend. Im Westen hingegen ziemlich schlecht. Hamburg und so. München geht irgendwie noch. Es gibt Orte, wo es super ist und wir immer wieder hinfahren. Die Leute sind dort irgendwie ausgelassener als anderswo. In Antwerpen zum Beispiel. Warum weiß ich nicht.

Wie sind die Mostviertler Fans?

Das Mostviertel ist, glaube ich, auch eine spezielle Region. Da hat man uns jetzt in den letzten drei, vier Jahren immer wieder eingeladen. Wir haben davor in Niederösterreich nie gespielt. Und in den letzten Jahren hat es angefangen. Zuerst waren wir in Wieselburg bei „Roque in Hall“, dann in Waidhofen/Ybbs beim „Fleischrock“. Auf dem Hammerwerk-Festival in Ybbsitz waren wir ebenso und bei einem Proberaum-Festival in Scheibbs. Das ist super dort. Die Leute, die ich aus dem Mostviertel kenne, haben auch einen gewissen Vogel (lacht). Einen Guten. Also die Leute mit einem Vogel sind aus meiner Sicht eher normal.

Info | bulbul.at; www.facebook.com/bulbulshit

Interview | Petra Ortner

Rubrik:: Kultur

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