11.05.2015 0 Kommentare

“Auf alle Fälle spannend”: In Frauengeschichten aus Mank kommen Autorinnen aus der Region zu Wort.

Helene Bubbnik mit einem der 300 druchfrischen Exemplare Foto: Bernhard Schaller

Helene Bubbnik mit einem der 300 druchfrischen Exemplare
Foto: Bernhard Schaller

Ganz persönlich. 61 Geschichten und Gedichte, 25 Autorinnen – alle aus der Region um Mank. Am 30. April wurde das Buch „Frauengeschichten aus der Region Mank“ im Manker Stadtsaal präsentiert.

Bis zur ersten Auflage von 300 Stück war es ein langer Weg, den vor allem Helene Bubbnik – selbst Autorin und eine treibende Kraft des Projekts – gegangen ist.

Die Damen hinter der formlosen „Regionalen Frauenplattform“ wühlten in der Vergangenheit und begannen 2008 mit der Suche nach berühmten weiblichen Persönlichkeiten aus der Region. Gefunden hat man Else Plainacher in der Stadtchronik. Sie wurde 1583 in Wien als letzte Hexe am Scheiterhaufen verbrannt. Außer der vermeintlichen Hexe hielten die Geschichtsbücher wenig parat und so begaben sich die Damen auf „Frauenspurensuche“. „Anfangs haben wir ältere Frauen zu Stammtischen eingeladen, die uns viel von früher, etwa über das Leben während des Krieges erzählten“, erinnert sich Helene Bubbnik. Der Stammtisch wurde nach und nach größer und 2010 wurde eine Schreibwerkstatt mit der Volkshochschule Mank ins Leben gerufen. „Wir veranstalteten zwei Lesungen und gaben ein neues Frauenjournal, gestaltet von Christine Lechner, heraus“, erzählt Helene Bubbnik. So wurden immer mehr Frauen zum Schreiben animiert und Bubbnik leistete Überzeugungsarbeit, dass sich die Frauen auch an den Schreibtisch trauten. Der Mut zur eigenen, oft sehr persönlichen Geschichte war ein wichtiger Punkt. Manche hatten ihre Geschichten vor der Veröffentlichung zurückgezogen, andere wurden anonym abgedruckt. Als besonders schwierig erwies es sich die mitgefilmten Mundarterzählungen auf Papier zu bringen.

Trennung statt Jubiläum

Die Frauenplattform gab es schon seit über zehn Jahren: „Anstatt zu feiern haben wir uns aber aufgelöst“, erzählt Helene Bubbnik. Geld für das Buch gesammelt wurde schon länger, aber eine rechtliche Form hatte die Frauenplattform nicht. Bubbnik wollte der „Herumgreislerei“ und dem Bezahlen „aus der Schuhschachtel“ mit der Gründung eines Vereins ein Ende machen. Damit waren nicht alle einverstanden und so wurde die Frauenplattform im Februar aufgelöst und kurz danach der Verein „Regionale Frauenplattform Mank“ gegründet.

Dazu kam noch ein fataler Computerabsturz: „Ich hatte außer ein paar Geschichten am USB-Stick nichts. Der Bildschirm war schwarz und die Geschichten waren weg.“ Nach einer ersten Datenrettung waren nur noch Überschriften zu lesen. Der zweite Rettungsanlauf brachte auch den Rest wieder zurück auf den Bildschirm und das Buch konnte schlussendlich doch noch veröffentlicht werden.

Bereits bei der Buchpräsentation freuten sich rund 130 Gäste über die Leseproben und es wurden über 85 Exemplare verkauft. Dazu kamen die 25 Stück für die Autorinnen und ein Exeplar für die Illustratorin. Verkauft wird über die Stadtgemeinde, die Raiffeisenbank, die Buchhandlung Eliis und den Bauerladen in Mank, genauso wie über die Apotheke Leonhofen, den Dom Verlag in Melk und das Blumendgeschäft Rohringer in Kilb.
Die bisherigen Leserinnen und Leser waren begeistert Geschichten aus einem Buch zu lesen, dass Frauen aus der Region verfasst haben. „Manche sagten mir, sie konnten gar nicht mehr aufhören zu lesen und hatten das Buch innerhalb eines Tages durch“, erzählt Helene Bubbnik. Auch die Autorinnen waren stolz auf ihr Werk und die Freude war groß als ihre Geschichten dann doch noch den Weg auf das Papier fanden. „Das Buch enthält 174 Seiten gegliedert in fünf Themen, aufgelockert mit Karikaturen von Renate Maierhofer. Kunterbunt gemischte Geschichten, heiter bis besinnlich, von Frauen, für Frauen und auf alle Fälle spannend“, ist auch Helene Bubbnik begeistert.

Leseprobe: Der lange Abschied von Yvonne Hofer-Riffler

Ich war gerade dienstlich unterwegs, als Peter, mein Ehemann, mich telefonisch verständigte, dass der Lebensgefährte meiner Mutter vor deren Augen zusammengebrochen war, Mama einen Schock erlitten hatte, und ich sofort nach Hause kommen müsse. Als ich einige Stunden später ihre Wohnungstür mit dem Schlüssel öffnete und sie mit einer Umarmung begrüßen wollte, schob sie mich weg, musterte mich wie einen unerwünschten Eindringling und fragte verärgert: „Wer sind Sie? Wie kommen Sie in meine Wohnung?“

„Aber Mama, erkennst Du mich nicht?“, ich näherte mich ihr: „Ich bin die Yvonne, Deine Tochter!“ Sie wehrte mich ab: „Nein! Sie können nicht meine Tochter sein. Die Yvonne ist gar nicht in Wien, sondern irgendwo unterwegs auf Dienstreise.“ Nach einigen vergeblichen Versuchen, sie von meiner Identität zu überzeugen, war sie schließlich bereit, wenigstens meine Anwesenheit zu akzeptieren.

Ich hatte zwei Mandelcremetörtchen gekauft und durfte nun sogar in ihrer Küche Kaffee kochen, wobei sie mich mit Argusaugen beobachtete. Als wir uns schließlich im Wohnzimmer gegenübersaßen und ich mich noch immer bemühte, ihr klar zu machen, dass ich ihre Tochter bin, meinte sie, zum freundschaftlichen „Du“ übergehen: „Wenn Du es sagst, dann wird es schon stimmen, aber weißt, ich falle immer wieder in ein großes schwarzes Loch und dann kann ich mich an nichts mehr erinnern.“ Ich meinte schon, es geschafft zu haben, jedoch im nächsten Moment hatte sie alles wieder vergessen. (…)

Rubrik:: Mostviertel

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