11.03.2016 0 Kommentare

Ey, es ist doch alles scheißegal: Sänger und Songwriter Axel Bosse über das Musikgeschäft und sein neues Album.

Der 36-jährige Gitarrist, Sänger und Songwriter ist mit seiner Indiepop-Band und dem neuen, erfolgreichen Album „Engtanz“ auf Tour durch Deutschland und Österreich. Das momag bat den sympathischen Musiker zum Gespräch über das neue, sehr abwechslungsreiche Werk.

„Wenn ich jetzt so auf Hits schreiben würde, alles schön und toll, da würde ich mich mit mir selbst langweilen. Dann würde ich aufhören.“ Foto: bremenvier380

„Wenn ich jetzt so auf Hits schreiben würde, alles schön und toll, da würde ich mich mit mir selbst langweilen. Dann würde ich aufhören.“
Foto: bremenvier380

In welchem Alter hast du beschlossen, ernsthaft Musik zu machen?

Mit sechzehn. Wir erhielten einen Plattenvertrag für meine Schülerband bei Sony/Columbia. Das war in den späten Neunzigern, als die Zeiten noch ganz gut waren. Später bin ich nach Berlin gezogen und jetzt werde ich bald sechsunddreißig. Ich habe also bald mein zwanzigjähriges Musiker-Dasein. Ich habe aber auch über zehn Jahre lang mit diversen Jobs dafür gearbeitet, dass ich Musik machen kann. Seit knapp sieben Jahren kann ich davon leben. Ein ziemlich langer Weg (lacht).

Hast du auch mal ans Aufgeben gedacht?

Es gab mal einen kurzen Moment, wo ich daran dachte, mein Abitur nachzuholen und studieren zu gehen oder mir einen Job zu suchen. In dieser Nacht hab‘ ich mit meiner Band sehr lange über alles gesprochen und dann das Gegenteil von dem gemacht, was beim Gespräch rauskam (lacht). Ich hab‘ eine kleine Plattenfirma gegründet und ein Album aufgenommen. Also Zweifel gab es genau eine Nacht lang.

Dein neues Album hast du wieder mit Philipp Steinke produziert. Wie weit bringt er sich in die Musik ein?

Ich schreibe die Songs Zuhause. Es ist bei mir aber wohl so, dass ich nur ein Ein-Viertel-so-guter-Musiker bin wie Philipp. Und natürlich ist der Produzent dafür da, das Ganze gut klingen zu lassen, und einem Song vielleicht auch nochmal eine andere Struktur zu geben. Das machten wir oft zu Zweit. Ich vertraue ihm da sehr. Er schaut da von außen drauf und weiß immer wieder einen noch besseren Weg für ein Lied. Das Grundgerüst und die Idee aber kommen von mir. Philipp ist einfach um Längen kreativer. Ohne ihn würde das alles wirklich ziemlich anders klingen (lacht). Um einiges schlechter, muss ich zugeben.

Was war die größte Schwierigkeit beim neuen Album?

Von externen Erwartungshaltungen kann ich mich schon ganz gut freimachen, aber ich habe natürlich selber eine bestimmte Erwartungshaltung an mich. Ich möchte gerne unterhaltsam sein, und unberechenbar. Das war der „Albumplan“ und das ist ganz schön schwer (lacht). Tiefe ist das Wort, das für die Texte gilt. Musikalisch sollte das ganze ins Ohr gehen und abwechslungsreich sein, im besten Fall. Also so bunt wie es nur geht. Dafür habe ich alles zusammengeholt, was ich gut fand. Streicher, die ich super fand. Ich hab‘ die Gitarren wieder ausgepackt, die auf dem letzten Album „Kraniche“ etwas kurz gekommen sind.

Erfolgsdruck von außen lässt du nicht zu?

Nein, das bringt nichts. Ich stehe sehr viel auf der Bühne und sehe was funktioniert und bei welcher Nummer die Leute tanzen. Ich lese schon auch Kritiken und weiß, was die Kritiker Scheiße fanden und was gut. Oder welcher Song im Radio läuft und welcher nicht. Die Plattenfirma sagt: „Ich glaub‘ du machst jetzt gerade dein erstes Platin-Album.“ Und ich sitze dann da in meinem Raum, habe ein weißes Blatt Papier, ein Klavier und die Gitarre und mehr nicht. Da kann ich dann immer nur sagen: „Ey, es ist doch alles scheißegal.“ Denn am Ende muss ich es so machen, dass ICH es gut finde. Ich kann nicht davon ausgehen, dass es wieder so erfolgreich wird wie „Kraniche“ oder so unerfolgreich wie mein zweites Album (lacht). Das muss egal sein. Wenn ich jetzt so auf Hits schreiben würde, alles schön und toll, da würde ich mich mit mir selbst langweilen. Dann würde ich aufhören.

Auf dem Album gibt es auch eine Nummer mit Casper.

Wir haben uns vor Jahren auf einem Festival kennengelernt und viel Zeit gemeinsam verbracht, daraus ergab sich das. Ich wollte aber kein Duett mit einer Indie-Nummer, wo plötzlich der HipHop-Beat kommt, der Rapper macht was für dreißig Sekunden und dann ist der Song wieder normal. Ich wollte etwas haben, das durchläuft und „Krumme Symphonie“ ist so ein Song.

Worüber würdest du niemals schreiben?

Es gibt nichts, worüber ich nicht schreiben würde. Oder was ich nicht versuchen würde. Ich unternehme schon den x-ten Versuch, ein politisches oder gesellschaftskritisches Lied zu schreiben. Vielleicht genauso gut wie ein Text von der Antilopen Gang, oder von Peter Licht. Manchmal bleibt es beim Versuch.

Bei der „Kraniche“-Tour hattest du elf Musiker mit dabei. Wird es mit dem neuen Album eine ähnlich große Besetzung geben?

Du meinst, so eine Akustik-Tour? Da ist noch nichts geplant, aber wir haben das jetzt schon mal erfolgreich ausprobiert. Normalerweise sind wir ja sieben, acht Leute. Jetzt sind wir neun. Die sind bei der Tour mit. Ansonsten reden wir derzeit ab und zu darüber, aber wiederholen werden wir das Ganze nicht, das wissen wir schon. Wenn, dann wird das anders.

web | axelbosse.de/engtanz   facebook.com/bossemusik

 

interview | petra ortner

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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