16.04.2013 0 Kommentare

Interview mit Russkaja

Foto: Petra Ortner

Seit sieben Jahren besteht die erfolgreiche Musik-Kolchose, gegründet von Sänger Georgij Makazaria, und bewegt mit ihrem Gewitter aus Rhythmus, Bläsern, einer Teufelsgeige und der mächtigen Stimme des Frontmannes alle, vom Metal-Hörer bis zum Ost-Polka-Fan, zum wilden Freudentanz. Das momag traf Georgij zum Gespräch.

Nachdem du bei der Band Stahlhammer aufgehört hast wurde vor rund sieben, acht Jahren von dir die Gruppe Russkaja gegründet. Erzähl wie es dazu kam.

Ja, zuerst habe ich bei Stahlhammer gesungen, dann bin ich in die Falco-Cyber-Show reingekommen. Dort habe ich meine erste Theatererfahrung gemacht. Aber der richtige Impuls dafür so eine Band wie Ruskaja zu gründen kam 2004. In Wien war da, ich glaube, ein Monat der russischen Literatur in einem Buchladen auf der Mariahilfer Straße, jetzt ist dort das Thalia drinnen. Ich ging rein und dachte mir, ich schau es mir mal an. Viele der russischen Autoren habe ich noch gar nicht gekannt und dort habe ich ein Buch entdeckt, das „Russendisco“ hieß. Von Wladimir Kaminer. Das gab es gemeinsam mit einer CD und ich war neugierig was das für eine CD ist. Darauf stand alles auf russisch, lauter russische Bands und ich war neugierig und hab mir das Buch gekauft. Dann habe ich begonnen das Buch zu lesen und nicht mehr aufgehört. Es war sehr leicht lesbar, sehr spannend auch. Es gibt sehr viele Parallelen bei Wladimir und mir, wie wir hergekommen sind – er nach Berlin, ich nach Wien – und all das. Ja, und das Buch hat mir irrsinnig gefallen. Dann hörte ich mir die CD an und dachte mir „Die kenn ich, die kenn ich…“ Manche der Bands waren in Deutschland durchaus sehr gefragt. 2003 war ich unterwegs, hab gespielt, und den Dimitrij, der nach meinem Konzert auf mich zukam, getroffen. Weil ich russisch gesungen hab, hat er mich auch gleich russisch angequatscht. Auch ein Gitarrist war dabei. So saßen wir da, drei Russenmusiker und meinten „Hey Jungs, lasst uns gemeinsam in den Proberaum gehen und sehen was passiert.“ Einer von uns kannte einen Geiger, einer einen Saxophonisten, wir kamen zusammen und es hat sofort gefunkt. Begonnen haben wir dann mit Sachen, die wir kannten, irgendwelche „Hodan“ (lachen), aber in einem sehr tanzbaren Stil und so kam die Idee zu Russkaja. Die erste Besetzung wurde ziemlich schnell ausgewechselt, denn schon nach dem ersten Konzert habe ich gemerkt „Das geht ab“ und dafür brauche ich die passenden Leute.

Du hast also sehr früh gesehen, dass das Projekt erfolgreich wird.

Damit gerechnet habe ich überhaupt nicht. Ich war eher gespannt wie es ankommen wird. Unseren ersten Auftritt hatten wir im Russischen Kulturinstitut und dort hat es sehr gut geklappt, die Leute haben getanzt, getobt und applaudiert und da waren wir wirklich schlecht. Ganz schlecht. Wir haben nur Coverversionen gespielt, in unserem eigenen Stil. Aber es hat funktioniert. Und von da an war klar, dass wir das richtig machen wollen.

Ihr spielt inzwischen auf Reggae-Festivals, World Music- und Jazz-Festivals, also sehr unterschiedlichen Veranstaltungen. Was war für euch bisher das Außergewöhnlichste, wo ihr gemeint habt „Eigentlich ist das eine ganz andere Richtung und wir spielen trotzdem dort“?

Ja, ganz arg war das Wacken-Festival. (lachen) Das ist ein Metal-Festival, das größte der Welt. Also das war das… (lachen) ungewöhnlichste. Wacken Festival – Metal-Fans. Ich war selbst Metal-Musiker. Habe in einer Death Metal, Speed Metal und dann in einer Deutsch Metal-Band gesungen. Ich habe immer noch eine Metal Band, mit der ich einfach zum Spaß Musik mache. Und ich weiß genau wie ich dagestanden bin und wie ich reagiert habe, wenn mir eine Band nicht gefallen hat. Und auf dem Festival hab ich mir gedacht „Ok, die werden uns von der Bühne jagen.“ Dort waren Napalm Death, Sepultura… Wir kommen dort also hin, spielen unseren ersten Gig und… Bei einem Reggae-Publikum weiß man, die sind so auf Peace, Friede und alle gut drauf und alles ist super. Da ist man selbst auch entspannt. Aber bei Metal-Fans denkt man sich eigentlich genau das Gegenteil. In Wahrheit war es ein total liebes Publikum, sehr offen. Sie haben uns sofort aufgenommen, haben alles mitgemacht. Ich habe mich irrsinnig gefreut. Wir haben dort drei Mal gespielt. Wir wurden sofort für das nächste Jahr und dann für das darauffolgende Jahr gebucht. Und dieses Jahr spielen wir wieder dort. Ja, und das war echt toll. Das Wacken Festival hat einen großen Eindruck hinterlassen.

Ihr spielt auch in der ORF-Sendung „Willkommen Österreich“. Wie kam es zu diesem Engagement?

Das war jetzt nicht so spektakulär. Die ersten zehn Sendungen waren mit einem Keyboarder und das war sehr experimentell. Dann hat ein neues Team die Gestaltung übernommen und die haben nach etwas Lebendigerem gesucht. Und einer hat den anderen gekannt und gefragt und so kamen sie auf uns. Ja, und wir haben uns hingestellt, gespielt und zack, es hat geklappt. Jetzt sind wir seit fünf Jahren dabei.

Das neue Album heißt „Energia“. Wie lange hat die Arbeit daran gedauert?

Es kommt darauf an, ab wann man es als Arbeit betrachtet. (lachen)

Ab wann is es Arbeit?

Eben. Wenn eine Idee mich besucht und ich diese schnell einsinge, ist das schon Arbeit? Nicht wirklich. Das ist noch Ideen sammeln. Dann werden diese Ideen verwandelt in etwas, das dann ein Layout sein kann. Aus dem Layout wird dann ein Song geformt. Ideen sammle ich immer. Konkret am Arbeit zu arbeiten, damit habe ich letztes Jahr im Februar, März. Über den Sommer haben wir dann noch geschaut, wie und wo wir das produzieren werden. Dann haben wir Vlado dZihan, unseren Produzenten, getroffen. Das war Gottes Fügung. Das war super. Er ist ein super Musiker, Multiinstrumentalist, hat viel Verständnis für Musik. Wir waren mit unserer Arbeit schon fortgeschritten und irgendwann sieht man einfach nichts mehr und wenn dann jemand von außen kommt, ist das gut. Er hatte sofort einen Überblick und hat uns sehr geholfen.

Wer macht was bei den Songs? Du sammelst Ideen, hast du gesagt. Was noch?

Ja, ich sammle Ideen. Entweder habe ich schon etwas aufgenommen, oder ich sitze im Studio und mich inspiriert irgend ein Groove. Dann nehme ich eine Bouzouki oder eine Gitarre oder ein anderes Instrument, ich habe ja alle möglichen Spielzeuge, und dann experimentiere ich und es entsteht etwas. Wenn ich ein Layout bearbeite, dann spiele ich mal rein und arbeite ich an Rhythmus, Bass, spiele Gitarren ein. Da spiele ich dann schon fast alles ein, deute die Melodie für die Bläser an. Dann wird entschieden was daraus wird. Wird es ein Song oder kann man das gleich „Für das Solo-Album“ verwenden – so haben wir es immer gesagt, wenn es sonst niemandem gefallen hat. (lachen) Dann geht es ins Detail. Wir haben einen musikalischen Leiter, der die Sachen dann in Noten aufschreibt. Wenn wir an den Details arbeiten hat jeder seinen Aufgabenbereich und sein Instrumentarium dazu. An „Energia“ habe ich sehr eng mit Engel Mayr zusammengearbeitet. Der Gitarrist ist einfach ein Traum. Du kennst ihn? Wow. Es ist so geil mit ihm zu arbeiten. Kaum denkst du dir was, spielt er es auch schon. Ja, und das bringt man in den Proberaum und sagt an was geht. Manchmal gibt es schon einen fertigen Song. Das machen auch die anderen Musiker hin und wieder, dass sie einen fertigen Song mit allem, sogar mit Text, präsentieren.

Ihr seid sehr viel auf Tour. Welche Musik läuft bei euch im Tourbus?

Auf Tour machen ist es so, in unserem kleinen Mercedes Sprinter Turbo mit neun Plätzen, wo wir zusammengepackt sind wie die Sardinen und zwischen den Beinen irgendwelche Musikinstrumente oder Koffer oder Rucksäcke sind, dass du keine Musik hörst. Wenn du auf der Autobahn fährst mit diesem Bus hörst du nur brummen. Da sind wir eher verkabelt mit Kopfhörern oder wir sehen uns im Internet irgend etwas an. Das vorbeizischen an Landschaften macht den Kopf frei von Gedanken und manchmal kommen auch da dann Ideen, Melodien oder Songs zustande.

Wer macht euer Coverartwork?

Seit 2012 haben wir das Glück ein ganz tolles Management zu haben. Zum ersten Mal haben wir ein wirklich professionelles Management und von diesem wurde uns jemand vorgeschlagen, der uns unser Cover gestaltet hat.

Wer hatte die Idee für eure Bühnenoutfits?

Das hat sich so aus der Tradition ergeben. Bei den ersten Konzerten haben wir uns gefragt was wir anziehen sollen und dann kam dieses „Oben rot und unten schwarz“. So waren unsere ersten Kostüme oben rot und unten schwarz. So gingen wir bei unseren ersten Konzerten im Ost Klub auf die Bühne. Irgendwann wollten wir dann, dass wir etwas geschneidert bekommen, denn wir haben dann begonnen so viel zu spielen, dass die Kostüme, die normalen T-Shirts und Hemden, schnell zu Fetzen wurden. Ich habe eine russische Schneiderin kennengelernt, diese hat uns dann unsere ersten richtigen Kostüme entwickelt. Auch zuerst oben rot, unten schwarz. Die Schuhe haben wir dann Gold lackiert. Und sie hat dann die Kostüme weiterentwickelt. Die neuen Kostüme kommen von Piotr Paulsen, ein Modedesigner aus Wien.

Interview: Petra Ortner

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Rubrik:: Kultur

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