16.04.2013 0 Kommentare

Interview mit wosisig

Foto: Jürgen Resch

Zwei Musikerinnen und zwei Musiker machen eine ausgeflippte Melange aus gesellschaftskritischen Mundart-Texten und schräger, punkiger Musik. wosisig (= „was ich sehe“) machen Musik, die Spaß macht.

Wie waren deine musikalischen Anfänge?

Mein erstes Lied habe ich mit sechs Jahren geschrieben. Und zwar über Ken Saro-Wiwa, einen nigerianischen Freiheitskämpfer, der im Auftrag von Ölkonzernen ermordet wurde. Das habe ich ein wenig mitbekommen aus den Nachrichten und darüber habe ich dann mein erstes Lied geschrieben. (lacht) Das finde ich immer ganz lustig irgendwie.

Wie und wann kam es zur Gründung von wosisig?

Ich war 16 und die Steffi war mit mir in der selben Klasse. Den Philipp habe ich über ein anderes musikalisches Projekt gekannt. Wir haben immer wieder gejammed und ich hatte ein Lied geschrieben, das wir zum Protestsongcontest von FM4 einschickten, wo wir gleich unter die Top 25 kamen. Als wir dort gespielt haben erhielten wir viele gute Kritiken, das war daher der Start von wosisig. So in der Art. (lachen) Heuer waren wir zum vierten Mal dabei und zum zweiten Mal unter den Top Ten.

Was ist besonders reizvoll am Protestsongcontest?

Reizvoll daran ist das Bewusst-machen politischer Prozesse. Das gehört für mich zum Leben dazu und das finde ich am Protestsongcontest schön. Hier geht es nicht um eine Bewertung des musikalischen Könnens, sondern um die Themen, die quasi schon brennen. Nur auf das Bewertet werden habe ich irgendwie keine Lust, deshalb spielen wir auch seit einigen Jahren nicht mehr auf normalen Bandcontests. Wenn du dich in eine Schublade stecken lässt, wirst du nicht weit kommen.

Eure „Schublade“ ist – wenn ich das jetzt sagen darf – Mundart-Chanson-Punk.

Das war so die erste Klassifizierung, die wir für unsere Art von Musik gefunden haben. Es ist schwer, unsere Musik in eine Schublade zu stecken.

Würdest du auch mal ein Liebeslied ohne tieferes Statement schreiben oder ist das weniger „dein Ding“?

Vielleicht wenn dann nicht mein Name darunter steht und ich dafür ganz viel Geld bekomme. (lachen) Natürlich schreibe ich auch immer wieder Liebeslieder, weil Liebe ja genauso ein Teil des Lebens ist. Aber ich würde keines auf Befehl schreiben wollen, denn da käme nur Kitsch raus. Da ich ein sehr starkes politisches Bewusstsein habe, ist es mir unmöglich, diese Nuance nicht mitschwingen zu lassen. Mein politisches Bewusstsein ist dann vielleicht in diesen Liedern nicht für alle hörbar. Was für mich eine Emanzipations-Ballade ist, kann für andere ein ganz normales Lied über Beziehungen sein.

Wie war die Arbeit an der neuen CD „wödscheim“?

Wir waren ein Jahr lang im Studio bei Walther Soyka in der „Non Food Factory“. Dort haben schon Künstler wie Ernst Molden aufgenommen oder auch der Nino aus Wien. Wir haben viele tolle Leute für uns gewonnen, die mit uns zusammenarbeiten und uns was auf das neue Album sprechen werden. Es ist auch ein Feature drauf mit einem Wiener HipHop-Künstler, dem „AGeh wirklich?“. Es gibt auch einen ersten wosisig-Remix (lachen), der auch schon im Internet anzuhören ist. Gemacht wurde er von DustyCrates, einem Kollektiv aus Wien. Auf einem Lied spielt auch Walther Soyka auf dem Akkordeon mit. Es wird also ein sehr buntes Album, ich freue mich sehr darüber.

Du schreibst die Texte. Wer schreibt die Musik?

Das Grundgerüst entsteht meist parallel zu den Texten. Das spiele ich dann den Bandkollegen vor, die spielen mit und nach ein paar Wochen haben wir ein Lied. Manchmal merkt man, dass gleich was weitergeht, manchmal muss man einen Song lange Zeit liegen lassen, bis daraus was wird. Beim Komponieren sind alle gleichberechtigt, jeder steckt in den Songs zu einem gleichen Teil drin.

Es gibt wenige Mundart-Punk-Bands. Braucht Österreich mehr Bands wie euch? Wie siehst du die Musikszene?

Ich habe schon oft gehört, dass die Musik, die wir machen, eine eigene Nische ist. Auch unser Sound, weil wir zum Beispiel die Bratsche dabei haben. Ich glaube, dass wir das durchaus als eine unserer Stärken ausnutzen können, aber unsere Art von Musik hat es uns zu Beginn auch nicht unbedingt leicht gemacht, weil sie schwer zu beschreiben ist. Das war jetzt eigentlich überhaupt nicht die Antwort auf deine Frage. (lachen) In der Musikszene in Österreich sind viele gute Sachen unterwegs. Was ich ein wenig schade finde, ist, dass in den letzten zwei, drei Jahren Mundartmusik total mit „tiefen“ Texten verbunden wird. Das finde ich wirklich schade, denn nur weil ich in Mundart rede, heißt es noch lange nicht, dass ich primitiv bin. Ich bin vielleicht ein wenig „g‘schert“, aber ich hab‘ trotzdem was im Kopf. Ich will mich da wirklich nicht abstempeln lassen und so was singen wie „Woki mit deim Popo“. Wir haben natürlich auch unsere humorvollen Lieder und es muss nicht immer alles auf die intellektuelle Waagschale gelegt werden, aber mir ist Niveau wichtig. Wenn die New Yorker Gangster in ihrem Slang rappen, dann dürfen wir ebenso in unserer Sprache singen.

Was ist für euch das größte Ziel? Weltbekannt werden?

(lachen) Nein. Dass wir so wie jetzt weitermachen können. Also das tun, was uns Spaß macht. Und dann aber trotzdem vielleicht noch etwas mehr Wertschätzung zu bekommen. Manchmal gibt es Konzerte, wo man total nervös ist und hofft, dass genug Leute kommen und solche Sorgen hätte ich einfach gerne nicht mehr. Auch von manchen Veranstaltern wünsche ich mir etwas mehr Entgegenkommen, denn als Musikerin muss man immer betteln gehen, ständig dieses „Bitte dürfen wir spielen?!“ und dann vielleicht noch die Frage „Könnt ihr uns vielleicht auch ein wenig was dafür bezahlen?“ (lachen) Gerade in Wien. Wien ist echt ein hartes Pflaster, was das betrifft. Da ist man teilweise erbarmungslos. Ich denke, mittlerweile haben wir einige gute Referenzen und man kennt uns jetzt auch schon, trotzdem werden wir manchmal noch hingehalten. Wenn wir erreicht haben, dass wir uns um so etwas nicht mehr kümmern müssen, dann wäre ich total froh.

Interview: Petra Ortner

WEBLINK: wosisig

Rubrik:: Kultur

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