18.11.2015 0 Kommentare

Irgendwie ein Neuanfang: Steaming Satellites über ihr neues Album.

Die Salzburger bereichern seit zehn Jahren den Indie-Sektor mit ihrem einzigartigen und spannenden Stilmix; Das momag sprach mit dem Bassisten und Percussionisten Manfred Mader über das neue Album

Unser Ziel war, das Live-Gefühl auf das Album zu bringen und das ist uns ganz gut gelungen.

“Unser Ziel war, das Live-Gefühl auf das Album zu bringen und das ist uns ganz gut gelungen.”

Was sind die wichtigsten Dinge, die ihr in den letzten zehn Jahren gelernt habt?
Man sollte grundsätzlich entspannter an große Herausforderungen herangehen, auch wenn es zu Beginn schwierig aussieht. Im Endeffekt ist alles irgendwie zu meistern, keine Suppe wird so heiß gegessen wie sie gekocht wird. Und auch andere Bands kochen nur mit Wasser. Wenn man sich anhört, wie die ganz großen Produktionen klingen und ansieht, wie die großen Bands arbeiten, dann merkt man das. Als Teenager hat man noch die Vorstellung, das seien irgendwelche Übermenschen, dabei sind sie alle nur Menschen wie du und ich auch. Sie machen Musik und das machen sie auch sehr gut, aber sie kochen eben auch nur mit Wasser.

Was war der bisher schönste Erfolg für euch?
Als wir in Amerika auf Tour waren, spielten wir bei „Occupy Seattle“, was sehr cool war. Ein Überraschungskonzert, das wir selbst gar nicht geplant hatten. Da war die „Occupy“-Szene gerade richtig groß in den USA. Auch über die Nominierungen für die FM4 Awards sind wir schon sehr glücklich.

Was habt ihr beim neuen Album anders gemacht als bei den Vorgängern?
Es ist sehr facettenreich und emotionsgeladen; mit sehr fröhlichen und auch traurigen Songs. Wir wollten auch die Energie eines Konzerts einfangen und haben es live eingespielt. Also nicht ein Instrument nach dem anderen und dann noch tausend Overdubs drauf, die wir live dann vielleicht gar nicht spielen können. Wir haben uns in einen großen Saal gestellt und einen Song nach dem anderen live eingespielt. Das Live-Gefühl haben wir ganz gut aufs Album gebracht.

Wie wichtig war die Arbeit von Sebastian Adam für das Album?
Er hat eine eigene Sichtweise und konnte unsere Ideen unter Kontrolle bringen. Er war mehr oder weniger unser Mentor, der uns vier auf einen gemeinsamen Punkt hingeführt hat und so konnten wir unsere beste Leistung abrufen. Dafür war er sehr wichtig. Er achtete darauf, dass wir, wenn die Aufnahme läuft, auch sicher hundertzwanzig Prozent geben.

Schreibt ihr eure Songs, bevor ihr in den Proberaum geht oder entstehen die meisten erst dort?
Es wird nicht nach Schema F geschrieben. Bei diesem Album entstanden manche Songs im Proberaum beim Jammen, der Großteil wurde aber von Max Borchardt in den letzten zwei Jahren geschrieben. Er hatte schon vorher einige Ideen.

"Unser Ziel war, das Live-Gefühl auf das Album zu bringen und das ist uns ganz gut gelungen."

“Unser Ziel war, das Live-Gefühl auf das Album zu bringen und das ist uns ganz gut gelungen.”

Welcher der neuen ist dein Lieblingssong und warum?
Ich habe alle zwei Wochen einen neuen Lieblingssong. Zurzeit ist es „Restless Robot“, irgendwie ein „Aufbruchsstimmung-Song“. Vor einem Monat war es noch „Door“, das Gegenteil davon. Es ist sehr schwer zu sagen, wenn man selbst die Songs geschrieben, gespielt und aufgenommen hat. Man hört sich irgendwann auch wieder ab, weil man sie so oft spielt und hört. Aber solche wie „Restless Roots“ gehen wieder back to the roots, mit einem langen Jam-Teil, was wir schon lange nicht mehr hatten. Dieser Jam ist mehr oder weniger erst bei der Aufnahme entstanden und das hat schon eine sehr hohe Wertigkeit.

Ihr spielt auch Akustik-Sets.
Wir denken schon länger darüber nach, einmal eine richtige Akustik-Tour zu machen, haben aber noch kein längeres Programm zusammengestellt. In der nächsten Zeit sind wir unterwegs nach Deutschland zu Radiostationen, wo wir Akustik-Einlagen spielen werden. So fünf bis zehn kleinere Akustik-Auftritte haben wir dennoch jedes Jahr. Die spielen wir recht gerne, weil diese Konzerte irgendwie ehrlich sind, ohne Spielereien, Effekte und Verstärker. Da hört man noch die Emotionen, die Seele, das Innere von jedem Song heraus.

Ihr seid viel auf Tour. Wie schafft man es, sich nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen?
Es ist nicht immer einfach. Man steht gemeinsam auf, geht frühstücken, sitzt dann stundenlang auf engstem Raum in einem Bus, spielt ein Konzert, geht wieder schlafen. Nachdem wir das jetzt schon seit zehn Jahren machen, haben wir aber gelernt, wie wir miteinander umgehen, wenn es einmal „kritisch“ wird, wenn es einem mal etwas schlechter geht oder wenn man merkt, dass einer von uns mal einfach seine Ruhe braucht. Wenn man viel auf engstem Raum zusammen ist, dann können schon aus Kleinigkeiten Elefanten werden. Das haben wir auch zu meistern gelernt (lacht). Vor dem aktuellen Album hatten wir schon kurz einmal eine kleine Sinnkrise. Da waren wir mehr oder weniger kurz vor der Auflösung, aus unterschiedlichen Gründen. Aber wir haben alles ausdiskutiert und darum auch beschlossen, dass unser drittes Album self-titled wird. Weil es für uns irgendwie auch ein Neuanfang ist. Für uns ist es wie ein Debütalbum. Nach der Krise, die wir erfolgreich bewältigt haben

web | steamingsatellites.de   facebook.com/steamingsatellites

interview | petra ortner
fotos | christian maislinger

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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