15.10.2015 0 Kommentare

Die Zeit vergessen: Karin Kienberger verfeinert Mundart-Pop mit Latin und Jazz.

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“Es gab Momente, in denen ich so gerührt war, dass mir die Tränen gekommen sind.”

Mit ihrer Band bringt die Songwriterin aus Steinakirchen/Forst Geschichten, die Herz und Hirn berühren. Nun erschien das Debütalbum „Wos is dei Liad“.

Wann und wie waren deine ersten musikalischen Erfahrungen?

Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen, schon als Kind habe ich viel gesungen. Mit meinen Cousinen hab‘ ich auf dem Traktor bei der Oma mehrstimmig so Sachen wie „In die Berg bin i gern“ gesungen. Beim Spielen war die Fernbedienung des Radios mein Mikrofon. In der Musikschule habe ich schließlich Flöte und Klavier gelernt, mit zirka sechs, sieben Jahren. Mit ungefähr vierzehn hab‘ ich dann wieder aufgehört. Nie wieder wollte ich dieses Ding angreifen, denn damals war es eher eine lästige Pflicht. Dafür habe ich mir selbst das Gitarrespielen beigebracht. Mit sechzehn, siebzehn habe ich dann begonnen, meine ersten Lieder zu schreiben.

Setzt du dich beim Schreiben ans Klavier und lässt es passieren oder arbeitest du an konkreten Ideen?

Meistens spiele ich herum und wenn ich Glück habe, kommt eine coole Melodie oder Akkordfolge. Wenn ich eine schöne Melodie oder irgendwelche Harmonien habe, hab‘ ich auch schon ein Stichwort oder ein Gefühl dazu. Aus dem Gefühl heraus kommt dann ein Thema, es gibt Sätze oder Phrasen und so entwickelt sich der Song. Ich schreibe nicht erst einen Text und vertone ihn dann, sondern umgekehrt.

Wann hast du deine Band gegründet?

Vor zwei Jahren begann ich, am Konservatorium in Wien Songwriting zu studieren und habe meine ersten Mundart-Nummern geschrieben. Mein Schlagzeuger, Dieter Herfert, unterrichtet dort, er fand meine Sachen gut und wollte mitspielen. Wir haben erst mal zu zweit Musik gemacht, in der Zeit sind auch einige Songs entstanden. Auf der Suche nach einem Bassisten sind wir durch Zufall über ein paar Ecken – von Musiker zu Musiker – auf Klaus Lahner gekommen. Das hat sofort gepasst.

Du hast heuer im Sommer dein erstes Album aufgenommen.

Den Wunsch, eine CD zu machen, hatte ich schon länger, bereits vor einigen Jahren mit einem Solo-Projekt, mit Gitarre und englischen Songs. Wenn du ein Programm hast, das steht und du es bereits live gespielt hast, kommt automatisch der Wunsch, das Ganze auch auf CD zu bringen, weil auch die Leute aus dem Publikum danach fragen. Bisher musste ich immer sagen: „Nein, noch nicht.“ (lacht) Weil das immer öfter passierte, hab‘ ich das nun in die Tat umgesetzt.

Finanziert hast du die Aufnahmen durch Crowdfunding.

Auf die Idee hat mich Thomas Franz-Riegler gebracht, der das auch so gemacht hat. Bei ihm habe ich diese Sache von der „Finanziererseite“ miterlebt. Ich hab‘ mir bei ihm ein T-Shirt und eine CD bestellt und das hat mir wirklich gut gefallen. Ich wollte das auch versuchen und es ist super gelaufen! Die Summe, die wir wollten, haben wir erreicht. Natürlich kostet die CD insgesamt um einiges mehr, aber es ist ein Teil vorfinanziert und es gibt so auch die Möglichkeit, das Album vorzubestellen.

Wo habt ihr aufgenommen?

In Michelhausen, in der Nähe von Tulln, im Studio „Lords of the Sounds“ von Markus Weiß und Bern Wagner. Dort hatten wir einen Flügel und so ein altes Klavier, das etwa so klingt wie ein altes Saloon-Klavier. Meine zwei witzigen Nummern habe ich auf dem gespielt. Es war so intensiv und gleichzeitig hat es auch so viel Spaß gemacht. Dort habe ich mich wirklich sehr wohl gefühlt. Ich hab‘ mir ja einige Studios angesehen, aber bei den beiden habe ich sofort gewusst: „Hier will ich meine CD machen“. Insgesamt brauchten wir zirka drei Wochen und ich hatte auch Gastmusiker dabei, einen Gitarristen, einen Akkordeonisten und einen Geiger. Bei drei Liedern gibt es auch einen Background-Chor. Vieles passierte noch im Tun. Man sitzt dort in der Regie und dann haben die Produzenten vielleicht auch noch eine Idee.

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“Für das Album hatte ich auch Gastmusiker dabei, einen Gitarristen, einen Akkordeonisten und einen Geiger. Bei drei Liedern gibt es auch einen Background-Chor.”

Was an Erfahrungen nimmt man von dort mit für das weitere Songwriting?

Weiß ich noch nicht, weil ich seitdem noch keine einzige Nummer geschrieben habe. Ich habe schon voll den Blues. Hoffentlich fällt mir jemals wieder was ein! Aber das hab‘ ich immer wieder. Dann sitze ich oft am Klavier und klimpere sinnlos herum, das sind die Tiefpunkte. Kurz danach kommt meistens wieder etwas. Dann schreibe ich eine Nummer und bin total glücklich.

Was ich aus dem Studio mitnehme ist die Erfahrung, wie die Arbeit abläuft. Vor allem vor dem Singen war ich anfangs sehr nervös. Es gibt Tage, an denen ich meine eigene Stimme nicht hören kann und dann war es dort total cool. Ich konnte mich ganz leicht wieder in das Gefühl jedes Songs versetzen und die Geschichten erzählen. Eine ganz wichtige Erfahrung war das Zusammenarbeiten mit anderen Leuten. Ich sitze alleine zuhause und schreibe ein Lied, dann sind Leute dabei, die begeistert sind und jeder gibt sein Bestes. Es gab Momente, in denen ich so gerührt war, dass mir die Tränen gekommen sind.

Was war das bisher Schlimmste, das dir live passiert ist?

Das weiß ich sofort! (lacht) Beim letzten Konzert hatte ich ein komplettes Blackout. Als Zugabe schlug ich die Nummer „Kaun i ned“ vor. Wir gehen also raus, ich sage: „Das nächste Lied heißt Kaun i ned“, ich setz‘ mich ans Klavier und die Nummer will mir nicht mehr einfallen. Nach zwei Akkorden war Schluss. Ich hab‘ überlegt was ich tun soll. Die Jungs standen da und warteten, dass ich endlich anfange. Ich hab‘ eine Nummer im Programm, die heißt „Bled schaun“ und sagte daher: „Weil es mit ‚Kaun i ned‘ nichts wird, lassen wir die beiden jetzt einmal sitzen und ‚Bled schaun‘. Ich spiele jetzt mal meine Solonummer.“

Wie ist es, wenn die Leute ausflippen?

Die meisten Lieder – ich hab auch ein paar witzige – sind sehr nachdenklich. Richtig „auszucken“ tut da keiner. Die Leute gehen eher in sich. Das Schönste ist für mich, wenn ich sehe, wie es ganz ruhig wird. Beim letzten Konzert bekam ich zum ersten Mal Standing Ovations. Sehr schön ist auch, was die Leute nach den Konzerten zu mir sagen. Viele holen ihre Taschentücher raus, weil ihnen die Geschichten nahe gehen. Vor ein paar Wochen habe ich alleine ein Konzert gespielt. Dann kamen die Leute und meinten: „Es war so schön, dass ich die Zeit vergessen habe“. Das ist für mich das Zeichen, dass es angekommen ist.

 

termine | 13.11. Kulturhof Aigner, Wieselburg (CD-Release)

28.11. Cafe Zum Kuckuck, Amstetten

web | karin-kienberger.at   facebook.com/KienbergerKarin

 

interview | petra ortner

fotos | andreas atteneder

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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