21.10.2020 0 Kommentare

Klinisch rein?

© christina fally

[von barbara pletzer und michie könig]

Desinfizieren. Richtige Hygiene zur Erkältungszeit

Türen öffnen, Einkaufswagerl schieben, den Bankomat-Code eintippen. Im Laufe des Tages entstehen viele Situationen, in denen man Dinge in der Öffentlichkeit angreift. In Zeiten vor Corona hat man sich dabei vielleicht gar nichts gedacht, mittlerweile hat sich bei vielen der anschließende Griff zum Desinfektions-Fläschchen schon fast automatisiert.
Dabei sei die Oberfläche als Überträger für eine Infektion von SARS-CoV-2 nicht nachgewiesen, erklärt Petra Apfalter, Leiterin des Institutes für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin des Ordensklinikums Elisabethinen Linz und Leiterin des nationalen Referenzzentrums für antimikrobielle Resistenzen im Auftrag des Gesundheitsministeriums in einem Ö1-Gespräch mit Manfred Götz und Martin Sprenger von der Med-Uni Graz. Beide Experten äußern sich kritisch, vor allem im Hinblick auf die Testungen und verzerrten Dashboard-Darstellungen. Auch zur Händehygiene kann Apfalter fundierte Antworten geben. So sieht sie diese im Allgemeinen „wesentlich und wichtig“, betont jedoch, dass im nichtmedizinischen Bereich das Händewaschen ausreichend ist. Aktuell sehe man in der Dermatologie „exorbitante Hand-Ekzeme“, weil manche es sehr genau nehmen, die Hände zu oft waschen oder mit Mitteln desinfizieren, denen die rückfettenden Substanzen fehlen. Sie spricht von „ganz grauslichen Nebenerscheinungen“.

Bedenkliche Auswirkungen
Desinfektionsmittel zerstören nämlich nicht nur schädliche Organismen, sondern auch die Hautflora. Spröde und rissige Hände sind die Folge, und es entsteht „bester Nährboden“ für Krankheitserreger, ist der deutsche Umweltmediziner Michael Braungart in einem zu Beginn der Corona-Problematik durchgeführten Interview mit dem SWR überzeugt. Auch das Hamburger Umweltinstitut warnt vor Gesundheitsgefahren durch Desinfektionsmittel: krebserregend, allergieauslösend, lungen-, leber- und nervenschädigend, so die Einschätzung laut einem Artikel im Tagesspiegel aus dem April diesen Jahres, in dem von einer Verwendung in Kindergärten, Arbeitsstätten oder gar zu Hause dringend abgeraten wird. Aufgrund der enthaltenen organischen Lösungsmittel könnten sie auch die Atemwege schädigen und bei Menschen, die etwa Asthma haben, zusätzliche Schäden verursachen.
„Händewaschen für etwa 30 Sekunden mit ph-neutraler Seife sollte der Desinfektion vorgezogen werden. Man sollte gründlich sein und auch Fingerzwischenräume, Fingerspitzen und Daumen säubern“, so Michael Wadsak von der Apotheke zum Heiligen Leopold in Scheibbs.
Grundsätzlich ist Hygiene gerade zur Erkältungszeit wichtig. Allerdings sollte man es dann auch korrekt machen, und keinesfalls zu oft. Dann kommt man vielleicht sogar ganz ohne lästigen Schnupfen, Grippe oder eben Corona, und ohne etwaige Hygiene-Nebenerscheinungen durch Herbst und Winter.

quellen | konsultiert am 28.09.2020
www.swr.de/swraktuell/desinfektion-104.html
www.tagesspiegel.de/gesellschaft/gefahr-durch-giftige-inhaltsstoffe-experten-warnen-vor-zu-grosszuegigem-desinfektionsmittel-gebrauch/25778382.html
oe1.orf.at/player/20200924/612405
www.bfr.bund.de/cm/343/sars-cov2-pandemie-einsatz-von-desinfektionsmitteln-im-privathaushalt-in-der-lebensmittelproduktion-und-im-lebensmitteleinzelhandel.pdf

Rubrik:: Corona, Meinung

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