20.04.2016 0 Kommentare

Latin-Feeling: Gilbert O’Sullivan bringt über 40 Jahre Erfahrung als Musiker ins VAZ St.Pölten.

Anfang der 1970er Jahre feierte er mit Liedern wie „Clair“, „Get Down“ oder „Alone Again (Naturally)“ weltweit große Erfolge und veröffentlichte zahlreiche Hit-Alben. Mit seinem Album „Latin ala G“ kommt der sympathische Ire nun auch ins VAZ St.Pölten.

"Es soll nicht das Geld der Anreiz sein, daran sollte man beim Musikmachen denken." Foto: Gary Smith

“Es soll nicht das Geld der Anreiz sein, daran sollte man beim Musikmachen denken.”
Foto: Gary Smith

Was ist am Wichtigsten, um so lange im Geschäft zu „überleben“ wie du?

Der Schlüssel ist, aus dem richtigen Grund dabei zu sein. Weil du gerne Musik machst, weil du gerne schreibst, gerne auftrittst. Es soll nicht das Geld der Anreiz sein, daran sollte man beim Musikmachen nicht denken. Die Songs sollen durch deine Stimme erfolgreich werden. Wenn du Musik gerne machst, kann der Rest folgen.

Die Musikindustrie hat sich sehr verändert. Welche Dinge haben sich positiv und welche negativ entwickelt?

Positiv ist auf jeden Fall der Zugang zu neuen Medien und Plattformen. Du kannst einen Song schreiben, in dein Zimmer gehen, ihn online stellen und tausende Leute können ihn hören oder sehen. Negativ daran ist, dass es einfach zu viel gibt, man wird regelrecht überschwemmt mit Musik. Die Balance ist nicht mehr vorhanden. Trotzdem glaube ich, dass das Internet besonders jungen Performern geholfen hat. Sie müssen nicht erst Ausschau halten nach Plattenfirmen.

Hattest du einen Plan B, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte?

Ich wollte eigentlich nie weltweiten Erfolg. Ich wurde in Irland geboren, mit Sieben zog ich mit meinen Eltern nach England, nach Swindon, rund eine Stunde vom Flughafen Heathrow entfernt. Erfolg war für mich immer, einen Hit in meinem Heimatland zu schaffen. Das war England. Das war mein Ziel. Nicht weltweit. Ich bin natürlich sehr glücklich, dass es passiert ist, aber meine Ambitionen waren kleiner.

Wie schreibst du deine Songs?

Das Schöne am Komponieren ist, dass du auch gleich übst, wenn du am Piano sitzt. Ich bin sehr diszipliniert und wenn ich im Schreib-Modus bin, dann sitze ich von neun Uhr morgens bis fünf Uhr abends, unterbrochen von einer Mittags-Pause und einer Kaffee-Pause. Fünf Tage die Woche, Montag bis Freitag. Wenn ich am Ende der Woche nicht die Melodie habe, nach der ich suche, habe ich die Zeit nicht verschwendet, weil ich geübt habe. Das Spannende beim Schreiben der Texte ist, dass ich am Beginn nie genau weiß, was am Ende herauskommt. Ich schreibe Songs seit fast fünfzig Jahren und es ist immer noch sehr aufregend – ich mache das immer noch mit großem Enthusiasmus.

Wird es mit der Zeit einfacher?

Nein, es ist nie leicht. Wenn ich von jungen Musikern höre, dass sie „hunderte Songs“ schreiben, denke ich immer: „Mein Gott!“ (lacht) Ich wünschte, es wäre so easy. Es scheint so, dass immer mehr Leute Songs schreiben. Manchmal mache ich mir den Spaß bei Konzerten und frage mein Publikum – zweitausend Leute – wie viele von ihnen Maler sind. Das sind vielleicht eine Handvoll Leute. Und dann frage ich: „Wie viele von euch schreiben Songs?“ Und fast alle heben die Hand. (lacht) All die erfolgreichen Katie Perrys und so, zumindest sieben von zehn Künstlern schreiben ihre Texte selbst. Das wirklich Schwierige ist, eine Melodie zu komponieren. Das können viel
weniger.

Wie wichtig ist dir Humor beim Komponieren und Texten?

Ich habe einen gewissen Sinn für Humor in meinen Texten. Ich sitze manchmal acht Stunden am Tag und versuche, etwas zu schreiben. Das kann lange dauern, manchmal vier, fünf Tage, bis der Text fertig ist. In manchen meiner Texte steckt Humor, den du vielleicht nicht erkennst, nicht verstehst, der nur für mich da ist. Ich sitze ja manchmal tagelang, und da macht es Spaß, sich selbst mit Wortspielen zum Lachen zu bringen.

Spürst du schon beim Schreiben, ob ein Song ein Hit wird?

Erfolg war für mich immer, den Song fertigzustellen. Das ist das Einzige, worüber du wirklich Kontrolle hast. Ob das Lied erfolgreich wird, das liegt in den Händen der Plattenfirmen, des Marketings, der Radiostationen, der Hörer und Fans. Ich wusste nie, welcher Song ein Hit wird. Als wir mit „Alone Again (Naturally)“ im Studio waren, haben wir auch einen anderen Song aufgenommen, und alle haben auf den getippt.

"Die Herausforderung war, ein Album zu machen das uns glücklich macht."

“Die Herausforderung war, ein Album zu machen, das uns glücklich macht.”

Dein aktuelles Album heißt „Latin ala G“. Woher kommt deine Liebe zu lateinamerikanischer und spanischer Musik?

Latin Music ist nie out. Der Rhythmus in zeitgenössischer Musik, Dance-Music, ist sehr Latin-basiert. Ich schreibe Popsongs, kann jede Strömung in meine Songs aufnehmen, ich kann ein Album voller Balladen machen und kann Rocksongs schreiben. Diesmal habe ich einige Songs geschrieben, die dieses Latin-Feeling hatten. Ich mag einige brasilianische Künstler, die in den 1960ern bekannt wurden. Sérgio Mendes oder Peggy Lee, die 1960 ein Album machte, das „Latin ala Lee“ hieß. Wir haben diesen Titel genommen und „ala G“ daraus gemacht. Außerdem haben wir ihr Cover als Vorlage genommen, das ist unser Tribut an sie. Sie ist darauf mit zwei männlichen Matadoren, links und rechts von ihr. Ich bin auf meinem Cover mit zwei weiblichen Matadoren. Ich liebe Spanien und seine Musiker, darum ging ich auch nach Spanien, um mein Album mit einheimischen Musikern aufzunehmen. Das gibt dem Ganzen ein gutes Latin-Feeling.

Was war beim neuen Album die größte Herausforderung?

Ich arbeitete zum ersten Mal mit spanischen Musikern und auch erstmals mit dem Produzenten Peter Walsh, der in Deutschland lebt. Da er viel in Spanien arbeitet, war das sehr hilfreich. Die Herausforderung war, ein Album zu machen, das uns glücklich macht. In England war gleich die erste Single des Albums sehr erfolgreich. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit unserer Arbeit. Unser Tribut an Peggy Lee, mit der ich 1992 ein Duett machte. Sie starb 2002. Sie war wundervoll, und eine der größten Sängerinnen. Das Album ist etwas ganz Besonderes.

web | gilbertosullivan.net

termin | 15.4., VAZ St. Pölten

interview | petra ortner

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

Kommentar verfassen

Zur Gewährleistung eines respektvollen Umgangs behält sich das Redaktionsteam vor, Kommentare gegebenenfalls zu entfernen.