17.04.2014 0 Kommentare

Leisere Töne. Musiker und Songschreiber Chris Magerl im momag-Gespräch.

IMG_7281-2Chris Magerl feierte mit der Hardcore-Formation „Sick Of Silence“ und der Powerpop-Band „Once Tasted Life“ internationale Erfolge. Der Grazer tourte durch England, Kanada und Osteuropa und wurde im Britischen Musikmagazin Kerrang! als „… possibly the most interesting thing in Austrian music right now…“ beschrieben. Anfang 2014 veröffentlichte der talentierte Musiker und Songschreiber sein zweites Solo-Album mit dem Titel „Places“. Das momag traf Chris in Wien.

Wann hast du beschlossen, dein Soloprojekt zu starten?

Ich habe ja, bevor ich mit den Bands gespielt habe, auch schon Solo-Konzerte gegeben. Allerdings war ich damals 16 und das waren ganz eigenartige Rahmenbedingungen. Alleine, mit Gitarre und Gesang. Irgendwann spielte ich auf einer Party ein paar Nummern, so eine halb-öffentliche Geschichte. Dort habe ich viel positives Feedback bekommen und so hab‘ ich ein paar meiner Nummern aufgenommen. Dann ist das einfach gewachsen und als sich „Once Tasted Life“ aufgelöste, habe ich alle meine Energien für das Soloprojekt verwendet.

Vermisst du die Hardcore- und Punk-Szene oder bist du froh, jetzt etwas ruhigere Musik zu machen?

Ich war zuerst sehr froh, dass ich weg war. Ich habe zwar viele sehr nette Leute kennengelernt und hatte eine großartige Zeit mit „Sick Of Silence“ mit wunderbaren Tourneen, aber wir haben auch viele Leute kennengelernt, die im Denken überhaupt nicht so frei waren wie das Image, das sie da verkörpern wollten. Das ging mir ziemlich schnell unglaublich auf die Nerven. Ich stell mich da hin und singe von Revolution und der Gleichheit aller Menschen, aber wehe es hat dann jemand zum Beispiel ein rosarotes T-Shirt an bei einer Hardcoreshow. Das geht dann einfach nicht. Und man muss die „richtigen“ Bands hören und man darf bestimmte Sachen nicht kritisieren, weil das nicht „in“ ist. Das hat mich genervt. Es gefällt mir, jetzt wieder kleinere Sachen zu machen, wo ich die Veranstalter persönlich kenne und machen kann, was ich selber will.

CHRIS MAGERL & BANDKOLLEGE & PETRA-2

Wie funktioniert dein Songwriting?

Ich spiel herum. Es entsteht das Grundgerüst der Musik. Dann relativ lange texten, weil ich mir immer sehr genau überlege, wie ich was formuliere. Die Arrangements mache ich dann mit der Band gemeinsam.

Hat sich viel verändert?

Nein, vieles auf dem neuen Album klingt wieder sehr wie „Once Tasted Life“. Eine Nummer – „Relief“ – habe ich schon mit „Once Tasted Life“ gespielt, die hat es aber damals nie auf ein Album geschafft.

Das aktuelle Album heißt „Places“.

Ich hatte schon sehr viele Nummern fertig und war zu dieser Zeit relativ viel unterwegs. Also so viel wie man sein kann, wenn man nebenbei noch einen Job hat, aber ich war so oft es ging auf Tourneen und habe Konzerte gespielt, im Ausland, aber auch hier in Österreich. Ich habe sehr viel darüber nachgedacht, wie dieses Album heißen könnte. Und irgendwann ist das einfach so passiert, da war der Titel einfach da. Ein Wort, das einfach all diese verschiedenen Sachen beinhaltet. Die Touren, und auch – was mir auch sehr wichtig ist – die „persönlichen Orte“, die ich gehabt habe. Ich war eine Zeit lang sehr oft in Wien, weil da musikalisch sehr viel passiert ist. London ist für mich auch eine ganz wichtige Stadt. Da bin ich auch immer wieder gewesen. Ich wohne aber in Graz. Auch innerhalb von Graz war es so, dass ich einige Zeit in einem Viertel gewohnt habe, wo ganz viel passiert ist und sich mein Privatleben da auch sehr stark verändert hat in den letzten drei, vier Jahren. Ich bin dann umgezogen, habe verschiedene Sachen verändert. Das heißt, innerhalb dieses ganz kleinen Raumes, in dem ich lebe, gibt es verschiedene Orte, die für mich sehr wichtig sind und die vor allem auch für das Songwriting sehr wichtig sind. Textlich und musikalisch. Darum war der Titel dann irgendwann einfach da und ich wusste, dass er perfekt passt.

Das Cover ist auch von dir?

Ja, das ist auf einer Tour entstanden. Ich fotografiere sehr gerne. Wenn ich Zeit habe, dann gehe ich sehr gerne spazieren und wenn ich ein Motiv sehe, das mich anspringt, dann halte ich das fest. Da waren wir mal in Lettland unterwegs und sind dort durch eine Stadt spaziert und dort habe ich diesen Wohnwagen stehen gesehen, mitten unter den normalen Häusern. Das war so ein Motiv, von dem ich mir dachte: „Das muss ich jetzt festhalten“. Und das wurde schließlich das Coverfoto. Dieser kleine Wohnwagen und rundherum die Häuser. Die anderen Fotos im Cover der CD sind übrigens auch von mir. Alles Fotos, die auf Tourneen entstanden sind.

Wie lange hast du an diesem Album gearbeitet?

Wir haben 2010 begonnen, im Studio an ein paar Nummern zu arbeiten. Das war noch keine richtige Recording-Phase, aber man kann sagen, wir haben schon ein wenig herumprobiert. Ein Freund von mir hat in St.Pölten ein Studio und ich war damals regelmäßig bei ihm. Da haben wir schon an neuen Nummern gearbeitet. 2011 haben wir dann begonnen, konkret aufzunehmen. Kurz bevor das Album fertig war, habe ich aber massive Probleme mit der Stimme bekommen und so habe ich bis 2012 pausiert. Im vergangenen Jahr wurde es schließlich fertiggestellt. Aktive Studiozeit, denke ich, war ungefähr ein Jahr, ein Teil in 2011 und ein Teil in 2013.

Das Album hätte eigentlich schon 2011 erscheinen sollen?

Ja, genau. Im Oktober 2011. Es gab schon ein Release-Datum, es waren schon Konzerte ausgemacht. Das war schon sehr frustrierend, da plötzlich alles stillgestanden ist für sehr lange Zeit.

Worüber würdest du auf keinen Fall schreiben?

Interessante Frage. Dinge, bei denen ich mich nicht auskenne. Ich würde auch nicht ganz normal über das Weggehen am Abend schreiben. Da gibt es viele Nummern von manchen Acts, die sind auch sehr witzig, aber ich glaube, das könnte ich nicht. Umgekehrt, wenn mir beim Weggehen etwas Interessantes passieren würde, wenn ich eine Geschichte rund um das Erlebnis spinnen kann, dann könnte ich da sehr wohl etwas schreiben. Ich mag gerne „größere Sachen“, die nicht nur zwei Stunden dauern. Also übers Bier trinken alleine wird es von mir nie ein Lied geben. Das Trinken an sich kommt bei mir schon immer wieder vor, aber da geht es um mehr als nur ums betrunken werden oder Durst löschen.

Was ist dir bei Live-Shows am wichtigsten?

Die Interaktion mit dem Publikum. Wenn der Funken nicht überspringt, ist es ein schlechtes Konzert. Wenn ich wählen könnte, würde ich lieber ein Konzert spielen, wo die Stimmung gut ist, auch wenn ich vielleicht nicht so gut spiele. Ideal ist natürlich beides, gut spielen und super Stimmung.

Was ist spannender, solo oder mit Band?

Es hat beides seine Vorzüge. Mit Band kann ich musikalisch mehr machen, aber nicht so flexibel reagieren auf die Gegebenheiten. Die dritte Variante ist im Duett mit meinem Kollegen Michi.

Was ist dein Wunschziel?

Dass sich die Leute an meine Musik erinnern, sie ihnen etwas bedeutet.

Bist du noch Vegetarier oder schon Veganer?

Ich war zehn Jahre lang vegan, jetzt bin ich Vegetarier, weil es einfacher ist, überhaupt auf Tournee. Von der Ideologie her ist für mich Veganismus immer noch das Richtigere.

Interview | Petra Ortner

Fotos | Joseph Bailey

Web | www.facebook.com/chrismagerlplaysmusic
myspace.com/chrismagerl

Rubrik:: Kultur

Kommentar verfassen

Zur Gewährleistung eines respektvollen Umgangs behält sich das Redaktionsteam vor, Kommentare gegebenenfalls zu entfernen.