11.07.2016 0 Kommentare

Liebesgeschichte

Einmal muss man eine Oper des italienischen Maestro und Klangmagiers Verdi in voller Länge live miterlebt haben. Dazu boten sich die Aufführungen am 8. & 9. Juli 2016 auf der Burgarena Reinsberg.

Foto: Robert Voglhuber

Künstlerische Leitung und Inszenierung: Karel Drgac Foto: Robert Voglhuber

Mit mitreißenden Szenen ist AIDA eine Oper um Liebe, Hoffnung und Leidenschaft. Die älteste überlieferte Liebesgeschichte der Welt handelt von drei jungen Menschen, verbunden durch ihre Liebe und zerrissen durch das Schicksal ihrer Völker. Aida, eine nubische Königstochter, ist die Hoffungsträgerin ihres versklavten Volkes. Sie gerät unerkannt in ägyptische Gefangenschaft und verliebt sich in Radames, den Mann, der sie in das fremde Ägypten verschleppte. Als Kriegsheld ist er ihr Feind; als Mann erwidert er Aidas Liebe. Doch Radames ist bereits vergeben – er ist mit Amneris verlobt, der Tochter des Pharaos. Es beginnt eine zupackend dramatische Geschichte um Schicksal und Leidenschaft. Künstlerische Leitung und Inszenierung: Karel Drgac
Unter vielen Darstellern glänzte die – man möchte fast sagen – Luxussopranistin Morenike Fadayomi als Aida mit einer großartigen Stimme und wunderbarem Schauspiel zwischen Furcht, Entzücken, Verliebtsein und Stolz. Sie hat die Aida nahezu mystisch verinnerlicht. Sie singt den ganzen Wahnsinn, die verzweifelte Liebe, den Machtwillen und die inbrünstige Suche nach Gerechtigkeit. Die Frauenrolle der Aida ist in ihr und in ihrer Stimme. Sie ist deren perfekte Gestalterin. In Ramades  hat sie einen starken Mitspieler an ihrer Seite. Dubravka Musovic sang prima die verwöhnte, selbstverliebte, nicht immer kluge, aber gutherzige Amneris. Ein perfektes Burgarena-Spektakel über bewegende Schicksale um den Todesdrang einer Liebe.

Die Oper ist mehr als nur der Triumphmarsch, den jeder kennt

Aus der Oper kennt jeder zumindest den herrlichen Triumphmarsch mit den Fanfaren, diesen schmetternden, aggressiven Ton, mit dem stets die ganze Oper gleichgesetzt wird. Dabei ist sie viel differenzierter, viel subtiler instrumentiert. Das hat das Orchester des Nordböhmischen Theaters Aussig unter der Leitung von Ivan Parik hervorragend herausgearbeitet. Fünf oder sechs Primgeigen haben geteilte Stimmen. Was vielleicht nur dem Kenner dieser Oper bewusst ist: Man braucht keine lauten Sänger, sondern welche, die leise singen können, denn es geht um Liebe, die in politische Verstrickungen gestellt ist und ihre Erfüllung nur im Tod finden kann. Deshalb enthält der Triumphmarsch eine ganze Menge antitriumphaler Ironie. Der Atheist Verdi  hasste die Macht der Priester. Er war ein politischer Mensch, zeitweise Abgeordneter, und es hat damals große Konflikte mit dem Kirchenstaat gegeben. Konflikte auch mit Österreich, das als sehr kirchentreu gegolten hat. Verdi war antikirchlich, aber nicht areligiös. Das zeigt sich ganz besonders in der Aida als Anklage gegen die grausame und herzlose Macht der Priester.

von robert voglhuber

Rubrik:: Kultur

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