09.04.2019 0 Kommentare

Lustige Unterhosen-Inquisition

Sonntagberger Theaterstadl: Die G`mischte Sauna

Lustspiel in drei Akten von Hilde Eppensteiner

Theaterkritik von Robert Voglhuber

 

In bester Spiellaune präsentierte sich der Sonntagberger Theaterstadl bei der gelungenen Premiere des ursprünglich bayerischen Schwanks „Die G´mischte Sauna“ im adaptierten Lokalkolorit, bei dem am Stammtisch trinkfreudig Ortspolitik gemacht wird und eine verlorengegangene Unterhose für Verwirrung, Aufregung und Ausreden sorgt. Bei der verfänglichen Frage „Wo hat der Meinige die seine Unterhose lassen?“ kommen die Dorfhonoratioren ganz schön ins Schwitzen, denn ohne Wissen ihrer „Weibersleut“ haben sie in Göstling eine „gemischte Sauna“ besucht, um aus „rein amtlichem Interesse“ Erfahrungen einzuholen. Zur Belebung des örtlichen Fremdenverkehrs wollen sie auch in Rosenau eine solche Einrichtung bauen. Die Gemeinde soll aufgemotzt werden. Der glatzköpfige Friseur (Max Seebauer) bringt eine Sauna-Idee aufs Tapet. Für damalige Zeiten war eine Sauna auf dem Land doch noch recht außergewöhnlich, wenn nicht gar anstößig gewesen. Fremde müssen her.

Allerdings stehen die Vertreter des Gemeindeausschusses schwer unter dem Pantoffel ihrer Ehegattinnen, denen sie den Saunabesuch verschweigen und anstatt dessen eine Fahrt nach St. Pölten zum Zuchttiermarkt vorgaukeln. Wieder zurückgekehrt bescheren ihnen die Gattinnen keinen zärtlichen Empfang. Der Bäcker kommt ohne Unterhose nach Hause, was ihm ein blaues Auge einbringt. Die Herrn Saunabesucher verstricken sich in allerlei Lügengeschichten und kommen zu Hause unter dem Gekeife ihrer Ehefrauen nicht zur Ruhe. Sie verbringen eine Nacht in der Kammer des Bürgermeistersohnes, wo sie sich ihren Rausch ausschlafen. Trotz einer verräterischen Brieftasche geht alles noch einmal gut aus, dank des pfiffigen Bürgermeistersohnes (David Kloimwieder), der letztlich seine Burgi (Tamara Neubauer) bekommt.

Im wechselnden Ambiente eines perfekt gelungenen Bühnenbildes haben Paul Wimmer (Bürgermeister), Günther Hammerschmied (Bäcker), Joe Stech (Wirt) und Mario Hirner (Fleischhacker) ihre Heimkunft von der Sauna nicht ganz  überstandet überstanden, bis schließlich eine Kehrtwendung deren xanthippisierten und erbosten Ehehälften zähmt. Wie die Herren sind auch die weiblichen Charaktere mit Brigitta Reitbauer, Poldi Leichtfried  und Jenny Schubert treffend besetzt.

Das glänzend aufgelegte Sonntagberger Theaterstadl-Ensemble beweist auch heuer bei seinem zweiten Stück in einer Reihe von pointierten Schlagabtäuschen ungebrochen  schauspielerisches Man(En)tertainment-Können. Ich empfehle: Lassen Sie sich in die  Schwerelosigkeit des FSK Null-Amüsements dieses „G`mischten Saunaganges“ entführen und nützen Sie noch die Gelegenheit am 13. April um 20h in der Festhalle Rosenau.

 

 

 

 

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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