19.12.2017 0 Kommentare

Ma sagt ja nix, ma red ja nua

Auf seinem neuen Album finden sich zwölf Songs im Blues-, Country- und Rock-Gewand, versehen mit humorvollen Mundart-Texten über all die Themen, die das Leben schreibt.

interview: petra ortner

„Wenn ich merke, dass es dem Publikum gefällt, gehe ich auf wie ein Germknödel. Seelisch.“
Foto: Helmut Hirner

Welchen Stellenwert hat Musik heute in deinem Leben?

Lustig, dass du mich das fragst, ich habe mir das erst gestern überlegt. Die Musik ist das, was mir am meisten Spaß macht und von der ich einfach nicht satt werde sie zu machen. Zu spielen und zu singen füllt mich seelisch extrem aus. Da kann ich auf sehr, sehr viel anderes verzichten. Muss ich auch, denn sonst hätte ich gar nicht die Zeit, dauernd Musik zu machen.

Was waren deine persönlichen Highlights in der Musikszene?

Es gibt welche in meinen Anfängen, wie zum Beispiel mit Etta Scollo. Die haben wir damals produziert, der Georg Gabler und ich. Georg war der Keyboarder von Rainhard (Fendrich). Und wir hatten auf Ö3 einen echten Nummer Eins-Hit: „Oh, Darling“ – eine Coverversion des Beatles-Liedes, auf Italienisch. Das war eine leiwande, junge Band. Wir haben zum Beispiel auch im Vorprogramm von Boy George gespielt. Da haben wir zum ersten Mal internationale Star-Luft geschnuppert.

Im August erschien deine zweite CD.

Genau. Meine erste CD war noch nahezu alleine eingespielt, bis auf ein paar Gitarren. Die ist eher unplugged. Die neue ist nun rockiger, ein bisserl bluesiger, mit ein wenig Country. Das ist genau das, wo ich herkomme. Ich war immer so auf R’n’B, Country, Country-Rock und Blues. Keine Keyboard-80er-Sachen sondern eher Hammond-Orgel, Steel-Gitarren und Country-Gitarren, leiwand und leicht angezerrt. Das gefällt mir am meisten und das mach’ ich jetzt auch mehr oder weniger. Besonders live macht das richtig Spaß, da rockt das Ganze noch mehr als auf der CD. Rocken ist jetzt ein weiter Begriff, da gibt es von bis. Meine Frau ist Heavy-Rock-Fan. Sie liebt Rammstein und ich höre das oft nonstop. Monatelang! Täglich! Den ganzen Tag! Auch in der Nacht! (lacht)

Woher nimmst du deine Inspiration für die Texte?

Ich war ja schon mehrfach verheiratet. Bin noch immer verheiratet. Das ist natürlich ein unheimlicher Inspirations-Pool. Langjährige, vor allem eingesessene Beziehungen, wo der erste Glitzer mal weg ist. Sagen wir, so spätestens nach einem Jahr hat sich alles in einen „normalen Ablauf“ eingependelt. Da glaubt man dann, dass alles gemütlich ist. Aber nein, das ist natürlich ein permanenter Kampf – um Aufmerksamkeit oder sonst irgendwas. Gegenseitig oder auch nicht. Irgendwann wird es dann „diskussiös“. (lacht) Aus den paar Ehen, die ich hatte und den Beziehungen sind mir viele lustige Geschichten in Erinnerung geblieben. Ich denk mir dann: „Eigentlich ist das skurril und arg, was man sich gegenseitig so antut.“ und verarbeite das teilweise in meinen Texten.

Also ziemlich autobiografisch?

Naja, auch Freunde hängen mir ihre Geschichten um. Wenn ich singe „I bin ka Pfoarra, ka Therapeut“, dann hat das schon was, denn mir erzählen viele Leute ihre Geschichten. Wenn ich nicht gefragt werde, rede ich normalerweise nicht viel. Ich bin ein guter Zuhörer. Aber ihr wollt ja was von mir wissen, also muss ich mich jetzt ein wenig anstrengen. (lacht)

Wie ist es zum Album-Titel „Ma sagt ja nix, ma red ja nua…“ gekommen?

Weil es manchmal von den Texten her den einen oder anderen beleidigen könnte. Was ich natürlich überhaupt nicht will. Ganz im Gegenteil. Es soll kabarettistisch betrachtet werden. Bei meinen Live-Auftritten moderiere ich die Lieder ja vorher irgendwie an, erzähle lustige Geschichten dazu. Ich möchte die Leute unterhalten, ich muss da jetzt kein weltbewegendes Produkt abliefern, aber mit den Texten, den Zwischentexten und der Musik, glaube ich, kann ich Leute unterhalten und das ist das Einzige, das ich will. Das ist das Größte. Wenn ich merke, denen gefällt das, gehe ich auf wie ein Germknödel. Seelisch. Körperlich hoffentlich nicht. (lacht)

Woher kommt deine Liebe zu Blues, Country und Rock?

Begonnen hat es mit den Rolling Stones, ihr „Best of“ aus dem Jahr 1969. Von mir gehört erstmals 1972 im Stadionbad in Wien. Da hatte ich so einen kleinen Kassettenrekorder. Der hatte nur einen Lautsprecher und ich hab’ diese Kassette dauernd gehört. Bis sie ein paarmal gerissen und geflickt war. Im Laufe der Zeit kamen natürlich weitere Kassetten dazu. Im härtesten Fall waren das Deep Purple. Was in die Rock-Schiene geht, mit Hammond-Orgel. Dann Eric Clapton natürlich. Der machte nicht nur Blues, auch Country und Rock. David Bowies „Ziggy Stardust“. Der Wahnsinn. Das habe ich gehört bis zum Abwinken. Später hörte ich mehr Jazz-Rock. Billy Cobham, Ostinato, Zawinul und so Sachen. Das erste war aber Blues, die Stones, und die haben 1969 echt geile Mucke gemacht! Besser als die neueren Sachen, muss ich sagen. Sie waren so authentisch.

Seit wann hast du dein eigenes Studio?

Seit 2000, vorher habe ich meistens in Räumlichkeiten meines Bruders gearbeitet. Im Keller sammelte sich im Laufe der Zeit eine Menge Equipment, das durchaus brauchbar war, zusammen. Viel technischer Kram. In Studios zu arbeiten begonnen habe ich mit 22 Jahren, das war 1982.

Machst du noch viele Werbejingles?

Es hält sich in Grenzen. Ich habe schon ein paar Kunden, aber ich habe die Liebe zum Livespielen entdeckt und bin mittlerweile irrsinnig viel unterwegs. Mit „Wir 4“ zum Beispiel, eine leiwande Band. Wir haben ein Publikum von 25- bis zu 70-Jährigen. Erst vor kurzem hatten wir eine 85-Jährige Kettenraucherin, die voll dabei war.

Wie siehst du die Zukunft der österreichischen Musikszene?

Es gibt immer bessere Bands. Unheimlich viele junge, innovative, richtig gute Musiker. Und ich glaube, dass es ein großes kreatives Potential gibt. Ich hör mir manchmal Konzerte in den Stadtbahnbögen in Wien an und bin jedes Mal baff. Ich glaube, Qualität wird sich à la longue durchsetzen. Die Burschen und Mädels haben alle miteinander kapiert, dass man sehr tough und gut spielen muss, damit es auch Sinn macht. Bei uns gibt es supergute Bands. Also mein Slogan ist: Kreativität und Qualität werden sich durchsetzen.

Bist du Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Ich war jahrzehntelang Teamplayer. Und war es auch gerne. Ich reduziere mich in einer Band wirklich komplett, wenn einer – der Sänger zum Beispiel – eine prominente Funktion hat. Wenn ich dran bin, also ich selbst singe, dann gibt es für mich aber keine Scheu.

 

Harald Fendrich arbeitet seit 1983 als Profimusiker. Er spielte/spielt mit zahlreichen österreichischen Musikern wie seinem Bruder Rainhard Fendrich, Etta Scollo, Austria 3, Joni Madden, Joesie Prokopetz und aktuell auch mit Wir 4. Sein erstes Solo-Album „Wienereien Mit Schlag“ erschien 2016. Sein Studio „FM Sounddesign“ betreibt er seit dem Jahr 2000.

web | harald-fendrich.at, facebook.com/harald.fendrich

Rubrik:: Interviews

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