07.10.2015 0 Kommentare

Mein Mostviertel: Eine literarische Rundreise von St.Pölten bis Lilienfeld.

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Mein Mostviertel | Anthologie | Hrg. Wolfgang Kühn | 320 Seiten | ISBN 978-3-902717-28-3 | Literaturedition Niederösterreich

Irgendwo im Raum Amstetten hat Österreich das Licht der Welt erblickt, nämlich im Herzen des Mostviertels, in Neuhofen, wo 996 die ominöse Urkunde mit dem Namen Ostarrichi von Kaiser Otto III. unterzeichnet wurde. Mindestens seit der Milleniumsfeier ist das Mostviertel ins öffentliche Bewusstsein gerückt. 20 Autorinnnen und Autoren haben nun ihr ganz persönliches Mostviertel beschrieben.

von Robert Voglhuber

Die literarische Rundreise führt von St. Pölten über Pixendorf und Traismauer nach Amstetten, Waidhofen/Y und Lilienfeld. Die Beiträge dieser Anthologie stammen von Literaturschaffenden, die entweder weggezogen oder zugezogen sind oder von jenen, die geblieben sind und dort auch bleiben. „Most Welcome“ oder „Most wanted“ könnte man man zu diesem Buch sagen, denn Äpfel und Birnen, die Pracht der Apfel- und Birnbaumblüten bilden für die meisten Mostviertler Autorinnen und Autoren irgendwie das Epizentrum ihrer Gedankenreise durch das Mostviertel. Julian Schutting holt in seinen „Heimatgefühlen“ über das „Bauernland Mostviertel“ historisch besonders weit aus und lässt uns wissen, dass schon seit prähistorischen Zeiten Äpfel und Birnen Existenz- und Nahrungsgrundlage und ein Kommen und Gehen wie das menschliche Leben selbst sind. Seit der Steinzeit sind Obstbäume Teil eines flächendeckenden, geschlossenen Laubwaldes im Voralpenraum. Schon die ersten Nomadenstämme haben Holzäpfel und Sauerbirnen geschätzt. Die Römer und die kelto-illyrische Urbevölkerung kannten Most und konnten wilde Obstbäume auch kultivieren. Barbara Pumhösl nimmt zur „Position des Birnbaums“ Stellung. Zdenka Becker unternimmt einen literarischen Versuch über die Mostviertler Trachtenkleidung und hält in ihrem Beitrag „Ein fesches Dirndl“ „für ka kommod`s Gwand“. Michael Ziegelwagner lässt uns raten, was er mit dem Titel „Gott Erwin Alpenvorland“ eigentlich meint? Auch Martin Pollack liefert einen politischen Beitrag mit einer Typenbeschreibung eines Bürgermeisters den er mit „König von Lilienfeld“ betitelt. Fabian Faltin will unbedingt, dass sein Schweizer Freund nach Pixendorf kommen soll, wo ihn ein ganz famoser Lebensstandard erwarte und wo die Traktoren so groß seien wie indische Elefanten und es auch bald flächendeckendes Hi-Speed Internet geben werde. Momentan könne er ihm nur einen USB-Stick anbieten für Kochrezepte und Wetterbericht. Es ist der vielleicht witzigste Beitrag in dem Buch. Er schreibt seinem Freund Ewald, dass ausgerechnet in seinem Garten ein Reh stirbt und dass beim Schneckensammeln seine Nachbarin mit einem Ku-Klux-Klan-artigen Imkerkittel und einer hüfthohen Teleskopgreifzange die Tierchen zerstückelt. Die Waidhofner Autorin Evelyn Schlag veröffentlicht in der Mostviertel-Anthologie mit „Khoawig, dieses Licht“ eine Auftragsarbeit für die niederösterreichische Landesausstellung 2007. In eigenwilliger Poesie huldigt sie mit einem 33-strophigen Gedicht ihrer Heimatstadt und Umgebung. „Most surprising“ und sehr originell ist der Beitrag von Herbert Pauli aus St. Peter in der Au. Mit seinem „Versuch einer Annäherung“ lässt er fiktiv Musiker wie Vivaldi, Haydn, Mozart, Schubert, Liszt und Mahler durch das Mostviertel spazieren und stellt sich vor, wie sie die Landschaft zu ihren Kompositionen inspiriert hätten.

Diese literarische Panoramareise, auf die sich auch noch weitere Autorinnen und Autoren wie Thomas Havlik, Hans Raimund, Maria Seisenbacher, Cornelia Travnicek, Erwin Uhrmann, Manfred Wieninger, Herbert Wimmer, Magda Woitzuck und Gerhard Zeilinger begeben, müsste wirklich für jede Mostviertlerin und jeden Mostviertler das sein, was auf einem Weistracher Mostpresshaus als Slogan zu finden ist: „Most welcome“.

Rubrik:: Musiktipps

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