10.03.2016 0 Kommentare

Meisterwerk feinster, hintergründiger Komik: Molières „Tartuffe“ im Landestheater Niederösterreich.

Eigennutz und Lüge. Das Landestheater rückt mit der Komödie „Tartuffe“ von Molière den menschlichen Lastern unbarmherzig zu Leibe und deckt sie schonungslos auf.

von robert voglhuber

Foto: Nurith Wagner-Strauss

Foto: Nurith Wagner-Strauss

Das Zeitalter des Absolutismus ist in der Kunst das Barockzeitalter. Frankreich erreichte kulturell und politisch die Vorherrschaft in Europa. Der König Ludwig XIV holte Maler, Musiker und andere Künstler an seinen Hof und förderte sie. In dieser Zeit entstanden auch die Stücke Molières. „Tartuffe“ wurde 1644 im Schloss Versailles uraufgeführt. Nun hat sich das Landestheater unter der Regie von Róbert Alföldi des Stückes angenommen. Von den 32 erhaltenen Stücken Molières – zu den bekanntesten zählen „Der Misanthrop“, „Der Bürger als Edelmann“ und „Der eingebildete Kranke“ – kann nicht jedes ein weithin leuchtender Gipfel der Komödienkunst sein. Der „Tartuffe“ allerdings ist einer der Höhepunkte in Molières Schaffen. Diese scharfe Anklage gegen die Heuchelei unter dem Deckmantel der Frömmigkeit ist in der Konzentration der Handlung, der Charakteristik und der Verskunst nicht zu toppen.

Ein schurkischer Charakter

Besonders die Figur des von Albrecht Abraham Schuch hervorragend dargestellten Tartuffe, der erst im dritten Akt auftritt, ist schon in den vorangegangenen Dialogen glänzend umrissen. Diese Exposition nennt Goethe „das Größte und Beste, was in dieser Art vorhanden“. Es hat etwas von dämonischer Größe, wenn er in letzter Konsequenz seiner boshaften Natur sogar den für ihn gefährlichen Schritt wagt, den betrogenen Orgon um sein Hab und Gut zu bringen. Bemerkenswert versteht es Tobias Voigt, in die Rolle des von Verblendung und Naivität gezeichneten Orgon zu schlüpfen. Wie mit sicherer Hand auch alle übrigen Figuren des Stücks lebensvoll gezeichnet sind, so werden sie auch gespielt: Julia von Sell im charmanten Wahnsinn der Madame Pernelle, Elisa Seydel als Elmire und Motor des Ganzen, Jan Walter als alles zum Guten lösen wollenden Sohn, Lisa Weidenmüller als Tochter Mariane und besonders überzeugend Swintha Gersthofer als Dorine. Gut in Form auch Pascal Gross und Michael Scherff. Aus der nur ganz am Schluss auftretenden Gestalt des Gerichtsbeamten Loyal macht Molière ein Kabinettstück feinster, hintergründiger Komik, der mit Eleganz im Auftritt Helmut Wiesinger voll gerecht wird. Eine gelungene Premiere und wie es die Publikumsreaktionen gezeigt haben, hat die Anziehungskraft des Stücks bis heute
nicht nachgelassen.

weitere termine | 11.3., 12.3., 9.4.; jeweils um 19.30h

Landestheater NÖ, Rathausplatz 11, 3100 St.Pölten

02742 9080600, landestheater.net

Rubrik:: Kultur

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