20.10.2014 0 Kommentare

Mission: Wirtschaft 2050: „Wir bewegen uns in Richtung Zwei-Klassen-Gesellschaft“.

DSC_0038

Der Vortrag des deutschen Ökonomen Franz Josef Radermacher am Montag, 13. Oktober, stellte den Abschluss der Mission: Wirtschaft 2050 für dieses Jahr dar. Fortsetzung folgt. Foto: Mission: Wirtschaft 2050

Waidhofen | „Der Slogan ‚Mission: Wirtschaft 2050‘ erinnert mich an den Film ‚Mission Impossible‘. “Mit diesen Worten eröffnete der deutsche Ökonom Franz Josef Radermacher seinen Vortrag im Kristallsaal in Waidhofen. Der Zukunftsexperte war extra aus Ulm angereist, um in der Ybbstal-Stadt über die Zukunft der Wirtschaft zu diskutieren.

„Unsere größte Herausforderung ist die Explosion der Weltbevölkerung. Bis 2050 werden zehn Milliarden Menschen die Erde bevölkern – ein gigantischer Zuwachs.“ Da dieser Zuwachs vor allem im globalen Süden zu erwarten ist, kann man von verstärktem Migrationsdruck ausgehen, falls keine geeigneten Gegenmaßnahmen getroffen werden. „Was wir brauchen ist ein massives Wachstum an Gütern und Dienstleistungen. Dieses Wachstum muss aber sowohl grün als auch sozial ausgewogen sein – eine globale Ökosoziale Marktwirtschaft.“ Dieses Konzept, mit dem schon der ehemalige ÖVP-Vizekanzler Josef Riegler Anfang der 90er-Jahre arbeitete, könne zur Etablierung einer stabilen und friedlichen Zukunft am Globus beitragen.

Klare Position bezog Radermacher auch zur Hungerkrise: „Wir haben kein Hunger- sondern ein Verteilungsproblem! Wir könnten die doppelte Anzahl an Menschen ohne Probleme auf der Erde ernähren, aber heute wird die Hälfte des vom Menschen produzierten Essens an Rinder verfüttert“, plädierte Radermacher in seinem Vortrag auch für einen bewussteren Fleischkonsum bzw. eine vegetarische Lebensform. Auch zum Thema Steuern fand er klare Worte: „Steuerhinterziehung bzw. Steuerflucht ist offener Diebstahl an der Gesellschaft, den die arbeitende Bevölkerung bezahlen muss. Auch Österreich hat mit dem Bankgeheimnis lange Zeit Vermögen zum Schaden der Gesellschaft geschützt.“

Wirtschaft 2050 keine Mission Impossible

Radermacher sieht drei mögliche Zukunftsszenarien: „Entweder es kommt zu einem ökologischen Kollaps mit ein bis zwei Milliarden Toten weltweit oder, die wahrscheinlichste Variante, es kommt zu einer Brasilianisierung. Das heißt, dass ein bis zwei Prozent im Reichtum leben, während die restliche Masse in großer Armut lebt. Der größte Verlierer wäre der Mittelstand. Momentan bewegen wir uns in genau diese Richtung.“ Als wünschenswertes Zukunftsmodell sieht Radermacher eine globale Gesellschaft, die ökologisch nachhaltig und sozial ausgewogen lebt. „Dazu braucht es massive Querfinanzierungen in den globalen Süden, globale Steuergerechtigkeit und ökologische Steuern wie bspw. eine CO2-Steuer – kurz einen Global Marshall Plan. Wir dürfen nicht darauf bestehen, dass immer alles zu unserem Vorteil ausgeht!“ In diesem Zusammenhang plädierte Radermacher für die Schaffung von Global Governance und einer Weltinnenpolitik.
Damit die Mission: Wirtschaft 2050 keine Mission Impossible bleibt, stellten die jugendlichen Veranstalter abschließend noch folgende Forderung ans Publikum: „Werden Sie selbst aktiv, vernetzen Sie sich mit Gleichgesinnten und helfen Sie, eine zukunftsfähige Wirtschaft für das Jahr 2050 zu erschaffen!“ Sie selbst gingen mit einem Versprechen von der Bühne ab: „2015 soll es eine Fortsetzung geben – wir hoffen, dass wir dann wieder hier mit Ihnen zusammentreffen können.“ Für einen gelungenen Abschluss sorgte wie immer das Buffet der Hoflieferanten und des Weltladens, bei dem die sichtlich zufriedenen Gäste intensiv das Gehörte diskutierten.

info | www.wirtschaft2050.at

Rubrik:: Panorama

Kommentar verfassen

Zur Gewährleistung eines respektvollen Umgangs behält sich das Redaktionsteam vor, Kommentare gegebenenfalls zu entfernen.