16.09.2017 0 Kommentare

Mit Gegensätzen spielen

Die Alternative-Metalband aus Sacramento, Kalifornien startete ihre Tour zum Album „Gore“ (engl.: Blut) im Wiener Gasometer. Mit dem momag plauderten – trotz enormem Jetlag – Schlagzeuger Abe Cunningham und Keyboarder Frank Delgado.

Foto: Georg Rieger

interview | petra ortner

Wie bekämpft ihr den Jetlag und macht euch fit für den Auftritt?

Frank: Mit Bier (lacht).

Abe: Und Kaffee. Und etwas Schlaf. Ausschließlich mit legalen Mitteln. Aber wenn wir auf der Bühne stehen, ist die Müdigkeit sowieso wie weggeblasen.

Wie war das bei „Gore“, schreibt ihr so viele Songs wie auf dem Album Platz haben oder schon auch mal mehr?

Abe: Bisher haben wir immer genau so viele geschrieben, wie draufpassten, bei „Gore“ allerdings erstmals mehr. Wir hatten viele gute Ideen, nicht alle wurden umgesetzt.

Frank: Anfang 2015 tauschten wir bereits erste Ideen aus, daraus entwickelte sich das beim Jammen.

Abe: Das ist manchmal durchaus anstrengend (lacht). Wir versuchen aber, dabei immer so viel Spaß wie nur möglich zu haben, das ist uns schon auch wichtig.

Die größte Herausforderung war Stephen (lacht). Er brauchte ein wenig länger, weil er einige persönliche Probleme zu lösen hatte, während wir schon eine Menge Vorarbeit leisteten. Darum hatte er ein wenig „Aufholarbeit“. Seine Signatur ist aber definitiv auch in den Songs zu finden. Die Band gibt es nun schon so lange, da kann einer von uns schon mal einen Durchhänger haben. Aber wir sind immer füreinander da.

Als ich „Gore“ (englisch für „geronnenes Blut“ oder „durchbohren“) zum ersten Mal hörte, dachte ich sofort an Blut und Eingeweide und dann sind da fliegende Flamingos auf dem Cover… Wie seid ihr darauf gekommen?

Abe: Die Idee, mit den Gegensätzen „hässlich“ und „schön“ zu spielen, gibt es schon von Anfang an. Damit spielten wir schon bei „Around the Fur“. Auch dort geht es um das Hässliche, das das Schöne umgibt. Es gibt bei uns immer dieses heiß-kalt, laut-leise, hart-weich und manchmal ganz schön hässlich.

Die Texte sind hauptsächlich Chinos Sache. Musikalisch inspiriert uns so gut wie alles eigentlich. Es hängt auch davon ab, wie lange und wo wir gemeinsam Zeit verbringen. Beim letzten Album waren wir zwischendurch immer wieder auf Tour, dann zu Hause und dann schrieben wir wieder ein wenig. Das war das volle Leben.

Was ist euer Rezept, um über so viele Jahre zusammen und kreativ zu bleiben?

Frank: Wir haben Spaß an dem was wir tun. Das ist definitiv ein Grund, warum wir so lange schon zusammen Musik machen.

Abe: Es ist auch diese seltsame, coole Dysfunktion, die man in manchen verrückten Familien findet. Besser kann ich das nicht beschreiben. Auch haben wir uns nie auf irgendwelche Trends eingelassen sondern einfach versucht, coole Platten zu machen. Für uns war die Band nie eine Art von Geldmaschine. Wir wollten auch nie um jeden Preis berühmt werden. Es war immer ein Deftones-Ding.

Die Band ist also Familie und nicht Firma.

Abe: Genau. Es klingt für manche vielleicht seltsam, wenn man die Band als Familie empfindet, denn es ist definitiv auch ein Business. Wir können aber trotzdem irgendwie die ganze Zeit Kinder sein. Wir lernen, immer bessere Songs zu schreiben, wir versuchen auf unseren Instrumenten immer besser zu werden, bessere Männer, Väter, Brüder, Ehemänner zu werden. Auch die richtige Balance zu finden haben wir im Laufe der Zeit gelernt. Wir haben hier die Band und da ein ganz normales Leben, Familien. Wir gehen auf Tour und dann wieder zurück in unser Privatleben. Es ist schön, ein so ausgeglichenes Leben zu haben. Dafür hat es schon einige Zeit gebraucht, aber da wir alle fünf auf derselben Wellenlänge sind, ist alles verdammt cool.

Was ist ein No-Go wenn ihr auf Tour seid?

Abe: Gibt es irgendwie nicht. Alles ist erlaubt. Wir hängen gemeinsam ab, machen Party, haben Spaß, schauen einen bescheuerten Film zusammen oder was auch immer. Das einzige Tabu: Keiner geht im Bus groß aufs Klo.

Frank: Das war schon immer ein No-Go (lacht).

Abe: Und: Sei kein Arschloch. Verstehst du?

Frank: (hüstelt) Sind wir manchmal trotzdem.

Abe: Wichtig ist, entspannt zu bleiben. Unser Lifestyle erlaubt es uns, manche – sagen wir mal – „verrückte“ Dinge zu tun, aber man sollte es nicht übertreiben.

web | deftones.com

Rubrik:: Interviews

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