15.04.2015 0 Kommentare

Mostviertel-Reggae: MoreMostMusic wühlen sich “querfödei” durch verschiendenste Genres.

MoreMostMusic. Die Mostviertler Band vermischt gekonnt Einflüsse aus Rock, Ska, Funk und Volksmusik und versieht dies mit intelligenten, aus dem Leben gegriffenen Mundarttexten. Ganz frisch ist ihr Debüt-Album „Querfödei“, das sie heuer sehr oft live präsentieren werden. Das momag traf Philipp Schagerl (Gitarre) und Reinhard Niklas (Trompete) im „Fritz“ in Wieselburg.

Foto: Bernhard Schaller

Foto: Bernhard Schaller

Wie habt ihr euch gefunden?

Philipp: Eigentlich wollte Reinhard mit fünf Mädels eine Band gründen (lacht). Nein, er wollte eine Ska-Band gründen und ein wenig Reel Big Fish und dergleichen covern. Von der Anfangsbesetzung sind nun aber nur mehr wir zwei übrig. Sein Cousin war noch dabei und Stefan Niklas war der Schlagzeuger. Da wir Ska spielten, kam ich mit dem Vorschlag, eine österreichische Polka zu „verskaen“ und so hat sich unsere Richtung langsam entwickelt. Dann kam Hermann Kloimüller als Sänger dazu und wir sind nach Scheibbs in den Proberaum übersiedelt.

 

Ihr verbindet Ska, Funk, Volksmusik und noch einiges mehr. Woher kommt diese große Vielfalt?

Reinhard: Bei uns hört wirklich jeder was anderes und jeder will seinen musikalischen Einfluss einbringen. So ergibt sich eine ganz gute Mischung, die auch ganz gut angenommen wird.

Philipp: Es kann jeder mit einer Idee in den Proberaum kommen und diese wird dann ausgearbeitet.

 

Ist das bei den Texten ebenso?

Reinhard: Ja, da sind wir schon relativ offen. Die Texte sind auch aus dem Leben gegriffen.

Philipp: Teilweise kam ich schon mit Texten, die den anderen „zu geschmalzen“ waren. Beim ersten Lied auf der CD – „Zeit“ – geht es zum Beispiel um einen Typen, der sich selbst extrem wichtig nimmt, nur gestresst ist, ständig auf das Handy schaut und gleich den nächsten Termin hat, sich aber für die wirklich wichtigen Sachen überhaupt keine Zeit nimmt. Das Lied soll eine Aufforderung sein: „Hey, mach lieber weniger und genieße, was du machst!“ Ein Appell, sich wieder für die Dinge und Menschen, die wichtig sind, Zeit zu nehmen.

 

Gibt es Themen, die euch besonders wichtig sind?

Philipp: Auf der CD „Querfödei“ sind viele Texte aus dem Mostviertel. Auch alte wie „Hoch am Ötscher droben“ oder der „Rauschragga“, wo es heißt: „I lieg im Stroßngrom, wos wird mei Oide sogn?“. Alles auf modern gemacht, anders arrangiert, umgeschrieben. Grundsätzlich ist es mir sehr wichtig, auch ernste Themen immer wieder auch aufs Korn zu nehmen. Aber mit einem ernsten Appell. Wir wollen keinen reinen „Gaudi-Reggae“ machen. Es geht schon auch darum, dass es zum Beispiel nicht ok ist, wenn man nur säuft, das Konto immer leer ist und man nichts arbeitet. Es kann nicht immer alles nur Spaß sein. „Kum mid“ ist ein Appell an sich selbst. Dass man sich nicht hängen lässt, sondern sich Ziele setzt. Dass man immer nach vorne schaut und sich selbst verwirklicht. Wir haben aber kein Konzept, von dem wir sagen können: „Es geht bei uns hauptsächlich um dieses oder jenes.“ Ums saufen geht es aber doch relativ oft bei uns (lacht).

 

Foto: Bernhard Schaller

Foto: Bernhard Schaller

Warum wurde eine CD produziert, wenn man die Songs auch online stellen kann?

Philipp: Es ist super, wenn du live die Leute begeisterst und diese dir dann eine CD abkaufen. Sonst ist es schwer. Wenn du nicht ständig über ein Medium wie Radio oder TV gehypt wirst, wie soll dann deine Musik an den Konsumenten kommen?

Reinhard: Vor allem zählt: Man kann eine CD angreifen, du kannst sie mit nach Hause nehmen nach dem Konzert. Bei einem Download ist es schon anders. Es ist halt nur ein File.

 

Wie seid ihr auf den Titel eures Albums gekommen?

Philipp: Der stammt von unserem Sänger, Hermann. Weil wir auf unseren Bandfotos in einem Feld stehen und weil unsere Musik eigentlich auch quer durch den Gemüsegarten geht, haben wir beschlossen, dass „Querfödei“ am besten passt.

 

Wer ist bei euch für die Musikvideos verantwortlich?

Philipp: Über eine Internetplattform habe ich eine Annonce gefunden, wo ein gewisser Simon Tasek gerade mit seiner Ausbildung in einer „Video-Schule“ fertig geworden ist. Er hatte ganz frisch die Firma „Drehwerk“ gegründet und bietet Videos an. Wir hatten von Beginn an eine gute Basis. Ein Sponsor hat das Video dann ermöglicht, es wurde letzten Sommer produziert.

 

Wie viele Auftritte habt ihr bisher absolviert?

Philipp: Zirka vierzig bis fünfzig. 2014 waren es weniger, weil wir dann auch schon geschaut haben, dass mit der Gage ein wenig mehr geht.

Reinhard: CD-Aufnahmen waren auch immer wieder. Die haben viel Zeit gebraucht.

Philipp: Wir sind sehr zufrieden, denn als eine Band, die ihre ganz eigene Musik macht und nicht nur Coverversionen spielt, sind wir eh voll eingeschlagen. Wenn wir irgendwo gespielt haben, gab es fast immer auch noch einen Folge-Gig. Für die Auftritte für die CD-Präsentation jetzt wurden wir schon von den Veranstaltern gefragt, ob wir bei ihnen spielen möchten.

 

Welcher Auftritt war am weitesten weg?

Reinhard: Einmal hatten wir einen Auftritt in Kärnten, war ein wenig mühsam (lacht). Schon als wir dort ankamen, waren alle besoffen. Im Ort selbst hat niemand diesen Club gekannt, in dem wir spielen sollten.

Philipp: Cool war ein Auftritt in der Szene Wien, wo wir auch eines unserer Videos gemacht haben. Da waren wir Support für die kroatische Ska-Band S.A.R.S. Das war richtig fett. Da war die Bude voll. Also Wien und Kärnten waren am weitesten weg bisher. Sonst spielen wir eigentlich nur im Mostviertel. Auch, weil es sich hier schon gut herumgesprochen hat. Wir haben aber inzwischen schon unser Konzept geändert, von reiner „Mostviertler Musik“, mit der wir schnell die „Schatzis“ hier wurden, zu „Musik aus Österreich“.

 

Musik aus Österreich – Austropop – ist ja wieder in aller Munde. Was sagt ihr dazu?

Reinhard: Uns freut das sehr. Wir können davon eigentlich nur profitieren.

Philipp: Das ist relativ. Bands wie Bilderbuch oder Wanda, die hypen derzeit gerade voll. Das ist auch cool. Trotzdem ist es aber bei Ö3 noch immer so: Wenn sie jemanden spielen, dann eher in der Nacht.

 

Was ist euer musikalisches Ziel?

Philipp: Möglichst lange bestehen, auf Festivals spielen. Wie das „Hiesige und Dosige“, auf dem wir uns schon beweisen durften. Heuer spielen wir auch in Reinsberg auf dem Reggaejam. Und natürlich wollen wir auch ein wenig weiter hinaus kommen. Raus aus dem Mostviertel.

 

interview | petra ortner

web | www.moremostmusic.at

termine

11.4., St.Pölten, warehouse

24.4., Bodensdorf/Wieselburg, Ballonwirt Aigner

26.4., Amstetten, Mostbauernhof Distelberger

27.6., Reinsberg, Reggaejam

3.10., Krummnussbaum, Nussfest

Rubrik:: Kultur

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